Kolumnen

Die amerikanische Sperrung der Online Gelddruckmaschinen

Präsident Barack Obama muss sparen. Eigentlich hat dies in Amerika nach meiner Wahrnehmung,  erst Bill Clinton geschafft, aber der hatte ja Hilfe von einer Praktikantin. Weitere Neuverschuldungen kann sich der jetzige Amtsinhaber nicht mehr erlauben und darum hat er letzten Freitag in seiner Grundsatzrede angekündigt, 4000 Milliarden amerikanische Dollars in den nächsten zwölf Jahren einzusparen.

Eigentlich glaube ich nicht an Zufälle und trotzdem einige Stunden später, stürmte das FBI die amerikanische Infrastruktur einiger grossen Pokeronlineanbieter und sperrte zusätzlich die dot.com Adressen wegen Geldwäscheverdacht. Bei der Wellsfargo und Citibank wurden kurz darauf 30 Millionen US Dollars Onlinevermögen der amerikanischen Spieler eingefroren.

Wer als Europäer die Software der grossen Pokeranbieter wie Pokerstars oder Fulltilt Poker benutzt, merkte davon bisher fast nichts. Hier kann weiter gezockt werden. Vielleicht eine Meldung, dass wegen dem Ausfall der amerikanischen Kundschaft, die garantierten Gewinnsummen gewisser Pokerturniere (z.B. die Sunday Million) reduziert wurden und dass der Support unter der dot.eu Adresse zu erreichen ist. Doch welches sind die möglichen Auswirkungen dieser Vorgehen der amerikanischen Justiz? Wird sich dieser Vorgang auch auf Europa ausweiten?

Nach dem elften September 2001, dem Flugzeugattentaten auf die Twin Towers in New York, haben die USA die Massnahmen betreffend Reisen in ihr Land und die generelle Überwachung erhöht. So wurde das internationale elektronische Zahlungssystem (S.W.I.F.T.) für die Überwachung des Geldflusses für die Vereinigten Staaten kürzlich geöffnet. Offiziell zur Unterbindung des Terrorismus und Bekämpfung der Geldwäsche. Der massive amerikanische Druck auf Europa hat funktioniert und die EU hat schliesslich nachgegeben und die S.W.I.F.T. Überwachung ist seit anfangs dieses Jahres aktiv. Die neutrale Schweiz, einer der Topgläubiger der Amerikaner (ca. 100 Mia. USD Treasury Bonds), bildet hier übrigens keine Ausnahme und erlaubt den USA auch Einsicht in ihre Daten.

Wer die Begründungen der Amerikaner gegen die Pokeranbieter analysiert, merkt schnell, dass diese sehr allgemein formuliert sind. Der Verdacht auf Geldwäsche ist ein deftiger Vorwurf und funktioniert in unserer globalisierten Welt so quasi als Persilschein, um schnellstmöglich eine Industrie lahm zu legen. Diesen Vorwurf kann man kaum schnell entkräften. Darum ist jetzt spannend diesen Prozess mit zu verfolgen und zu sehen wie lange es geht, bis die grossen Pokeranbieter den amerikanischen Markt wiederhergestellt haben. Je kleiner diese Spanne zeitlich ist, desto mehr ist die Stellung und die Macht der angeklagten Pokeranbieter zu werten.

Zudem bleibt abzuwarten ob der Vorwurf sich auf die Manager der Betreiber beschränkt und diese wirklich im grossen Stil Geldwäsche betrieben oder sich dieser Vorwurf auch auf die Kundschaft bezieht.

Doch was ist Geldwäsche und wie könnte diese bei den Onlineanbietern als Kunde überhaupt funktionieren? Bei der Geldwäsche handelt sich es meistens um Schwarzgeld, welches nicht versteuert wird und aus dunklen und illegalen Kanälen stammt. Zum Beispiel könnte ein Pokerspieler sein Geld mit Drogenhandel verdienen, dann bares Geld bei den Anbietern mit einer Banküberweisung oder einer ähnlichen Zahlungsart einzahlen. Gewinne oder Auszahlungen, könnte der Fehlbare dann auf ein anderes und sauberes Konto überweisen und das Geld würde dann als Spielgewinn betrachtet werden, was in vielen Ländern dann nicht einmal steuerpflichtig wäre.

Als Kunde ist man bei Onlineanbietern meistens mit unterschiedlichen Einzahlungs- und Transferlimiten (Spielgeldüberweisungen zu anderen Spielern) schon eingeschränkt. Bei einem europäischen Poker-, Casino- und Wettanbieter könnte ich heute bis 40’000 Schweizer Franken (ca. 30’700 Euro) auf einmal einzahlen, was eine grosse Summe ist. Bei einem reinen Pokeranbieter ist dies für mich nicht möglich, da ist die Summe zur Einzahlung fast zehn Mal kleiner. Um glaubwürdig Geld zu waschen, müsste man eben auch spielen. Für professionelle Geldwäsche muss man schon sehr gut  pokern können oder alle Spieler müssten an diesem Tisch müssten eingeweiht sein, dass diese Geldwäschemethode ohne grösseren Abschreiber regelmässig funktioniert.

Im Gegensatz zu Poker würde bei einem Wettanbieter Geldwäsche leichter funktionieren. So könnte man auf alle Ereignisse einer Veranstaltung wetten und schreibt und die Wettmarge des Anbieters ab. Zum Beispiel hätte man bei einer Fussballwette mit einem Tipp auf beide Mannschaften und ein Unentschieden eine garantierte Auszahlung und dann eben sauberes Geld. Doch das fällt einem seriösen Wettanbieter schnell auf, weil diese Aktionen alle elektronisch überwachbar sind und in die Verantwortung des Betreibers gehören. Bwin ist hier sicher das Vorzeigebeispiel, wie es funktionieren kann.

Jetzt müssen die angeschuldigten Onlineanbieter die Karten in den USA schnellstmöglich auf den Tisch und ihre Geldflüsse offen legen oder einen gerichtlichen Vergleich erwirken um einem langwierigen Verfahren auszuweichen.

Rechtlich sind die Pokeranbieter zwar in Gibraltar oder anderen „Offshoreplätzen“ domiziliert und  nicht an amerikanische Gesetze, welche das Onlinespiel um Geld eigentlich seit 2006 verbieten, gebunden. Das Onlinespiel wurde bisher für nicht börsennotierte Unternehmen in der Grauzone geduldet und diese Aktionen der U.S. Behörden war eigentlich voraussehbar. Doch die Kundschaft aus den USA dieser elektronischen Pokeranbieter beläuft sich mittlerweile über 15 Prozent und entsprechend sind die Angeschuldigten interessiert, ihre Gelddruckmaschinen in den USA wieder an zu werfen. Mit dem Druck der amerikanischen Justiz haben sie einen mächtigen Gegner bekommen und es sind weltweit mehr Regulationen und Kompromisse im Online Gaming Markt zu erwarten.

Schade, positive Globalisierung stelle ich mir anders vor. Vielleicht rettet doch noch eine Praktikantin von Präsident Obama den Onlinepokermarkt.

Cheers

Martin Bertschi

    Martin Bertschi

    Scharfzüngige Schweizer Spieler, welcher Online und Live vom Pokerspiel sich den Lebensunterhalt verdient.

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