Der Deutsche Online Casino Verband (DOCV) geht davon aus, dass die Kanalisierung im Segment Online-Casinos in Deutschland bei 20 bis 40 Prozent liegt. Nach Auskunft von Dirk Quermann, dem Präsidenten des Verbands, basiert diese Angabe auf aktuellen Schätzungen aus der Wissenschaft. Auf eine konkrete Studie oder eine andere wissenschaftliche Veröffentlichung konnte er allerdings nicht verweisen. Allerdings gibt es gute Gründe anzunehmen, dass der DOCV mit seiner Annahme richtig liegt.
Kanalisierung bei Online-Slots großes Problem
Was versteht man beim Glücksspiel unter Kanalisierung? Die Idee ist ganz einfach: Der Staat möchte dafür sorgen, dass möglichst viele Spieler legale Angebote nutzen. Je höher der Anteil des legalen Markts am Gesamtmarkt ist, desto besser ist die Kanalisierung. Optimal wäre eine Kanalisierung von 100 Prozent, die aber in der Praxis kaum zu erreichen sein dürfte.
Wenn der DOCV davon ausgeht, dass die Kanalisierung bei 20 bis 40 Prozent liegt, würde dies im Umkehrschluss bedeuten, dass der Schwarzmarkt einen Anteil von 60 bis 80 Prozent hätte. Wenn die genannten Zahlen stimmen, auch nur ungefähr, würde das bedeuten, dass die Regulierung der virtuellen Spielautomaten in Deutschland krachend gescheitert ist.
Die sinkende Automatensteuer wird von den meisten Glücksspielexperten als Hinweis gesehen, dass der Schwarzmarkt in Deutschland wächst. Weniger Automatensteuer bedeutet, dass weniger Umsatz erwirtschaftet wird. Der fehlende Umsatz auf dem legalen Markt wandert zumindest größtenteils auf den Schwarzmarkt.
Bei den Online-Sportwetten sieht die Situation etwas besser aus. Der Deutscher Sportwettenverband (DSWV) geht aktuell von einer Kanalisierung zwischen 60 und 70 Prozent aus. Auch das ist weit weg von einer vernünftigen Kanalisierung.
Deutsche Glücksspielbehörde sieht kein Problem
Die offiziellen Zahlen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) geben die Kanalisierung für den gesamten Glücksspielmarkt in Deutschland mit 4 Prozent an. Allerdings ist diese Zahl schwierig zu bewerten, da auch das landbasierte Glücksspiel enthalten ist. Bei allen Problemen, die es mit Hinterhof-Casinos geben mag, dürfte das Problem im landbasierten Glücksspiel doch prozentual wesentlich kleiner sein als beim Online-Glücksspiel.
Eine Studie von Professor Dr. Gunther Schnabl von der Universität Leipzig kam im Jahr 2023 zu einer Kanalisierungsquote beim Online-Glücksspiel von 48,8 Prozent. Das dürfte deutlich näher an der Realität sein als ein einstelliger Prozentsatz.
Brancheninsider belächeln die Aussagen der GGL zur Kanalisierung, denn wer sich auch nur ein wenig in der Online-Glücksspielbranche bewegt, bekommt schnell ein gutes Gefühl dafür, dass es nach wie vor einen gigantischen Schwarzmarkt für Online-Glücksspiel in Deutschland gibt. Dass der Schwarzmarkt größer ist als der legale Markt sein könnte, scheint zumindest nicht unplausibel zu sein.
Legaler Online-Glücksspielmarkt muss attraktiver werden
Der deutsche Glücksspielmarkt leidet an der Glücksspielsteuer, die als Spieleinsatzsteuer dazu führt, dass die Auszahlungsquoten der Slots in Deutschland deutlich niedriger sind als bei den Anbietern auf dem Schwarzmarkt. Dazu kommt die Überwachungssysteme LUGAS und OASIS sowie das Einzahlungslimit von 1.000 € pro Monat, das jeden High Roller von vornherein abschreckt.
Eine Erfolgsgeschichte ist die Regulierung des Online-Glücksspiels auf Basis des Glücksspielstaatsvertrags 2021 bislang nicht. Es ist mehr als fraglich, ob sich das in naher Zukunft ändern wird.

