- Symbolische Skulptur: 85.000 Pokerchips stehen für betroffene Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren in Großbritannien.
- Frühe Werbeeinflüsse: Ein Drittel der Briten sah vor dem 17. Lebensjahr erstmals Glücksspielwerbung.
- Forderung nach Reformen: 78 % der Bevölkerung unterstützen strengere Regeln für Glücksspielwerbung.
Mitten im Westfield-Einkaufszentrum in London sorgt derzeit eine provokante Installation für Aufsehen: GambleAware, Großbritanniens führende Wohltätigkeitsorganisation gegen Glücksspielsucht, hat dort eine Skulptur aus 85.000 Pokerchips enthüllt. Jeder einzelne Chip symbolisiert ein Kind im Alter zwischen 11 und 17 Jahren, das aktuell in Großbritannien unter glücksspielbedingten Schäden leidet.

Die eindrucksvolle Figur in Kinderform wurde in Zusammenarbeit mit der Agentur Lucky Generals und der Produktionsfirma Creative Giants entwickelt – als zentrales Element der aktuellen „Stigma“-Kampagne.
Kinder im Visier von Glücksspielwerbung
Laut neuer Umfragedaten glauben 67 % der Briten, dass Glücksspielschäden noch immer stark stigmatisiert seien. Noch alarmierender: Fast ein Drittel der Befragten gab an, bereits vor dem 17. Lebensjahr erstmals mit Glücksspielwerbung in Berührung gekommen zu sein.
Genau hier setzt die Skulptur an – sie soll das unsichtbare Leid junger Betroffener in den öffentlichen Raum holen und eine Diskussion anstoßen. „Pokerchips gehören ins Casino. Kinder nicht“, kommentierte Shelley Smoler, Kreativchefin von Lucky Generals, die Idee hinter dem Werk.
Werbung überall – aber Hilfe bleibt aus
Die Skulptur wird von einer Video-Kampagne begleitet, unter anderem mit dem britischen Rennfahrer Nicolas Hamilton, der offen über seine eigene Spielsucht spricht. Seine Botschaft: Glücksspiel ist kein Randphänomen, sondern allgegenwärtig – in Sportübertragungen, sozialen Medien und TV-Spots. Und genau darin liege die Gefahr, besonders für junge Menschen.
Auch GambleAware warnt, dass der Schaden bei Kindern sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt habe. Dennoch würden viele Betroffene aus Scham oder Angst keine Hilfe suchen.
Ein Appell an Gesellschaft und Politik
Die Installation ist Teil einer umfassenden Präventionsstrategie, die auch einen offenen gesellschaftlichen Dialog fördern soll. Unterstützt wird sie von Organisationen wie Nationwide, dem National Gambling Support Network und der Football Supporters’ Association. Gemeinsam fordern sie schärfere Werbebeschränkungen – ein Anliegen, das laut Umfrage 78 % der Briten teilen.
GambleAware ruft Betroffene und Angehörige dazu auf, über das Thema zu sprechen – und bietet mit einer neuen App sowie auf der eigenen Website konkrete Hilfe, Werkzeuge und Gesprächshilfen für Eltern und Kinder an.