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Poker-Razzia in South Carolina sorgt für juristisches Nachspiel

  • Juristische Aufarbeitung: Ex-Gerichtsmediziner Gary Watts verklagt Polizei und SLED wegen überzogener Razzia.
  • Gesetzeslücke: South Carolinas Glücksspielgesetz nennt keine Büros als verbotene Spielorte.
  • Verlorene Steuergelder: Ein SLED-Ermittler setzte bei dem Pokerspiel Steuergelder ein und verlor.

Ein Jahr nach seiner Verhaftung während einer Razzia während eines angeblich illegalen Pokerturniers in Irmo erhebt der ehemalige Gerichtsmediziner von Richland County, Gary Watts, schwere Vorwürfe gegen die Behörden. 

Polizei mit Blaulicht
Eine SWAT-Razzia bei einer privaten Pokerrunde? Das ist in South Carolina passiert.

 

In seiner Zivilklage wirft er der lokalen Polizei sowie der staatlichen Strafverfolgungsbehörde SLED unter anderem unrechtmäßige Verhaftung, böswillige Strafverfolgung und Hausfriedensbruch vor. Der Einsatz im April 2024 sei, so Watts, völlig überzogen gewesen. 

Ein SWAT-Team mit Sturmgewehren habe eine harmlose Pokerrunde unter Freunden in einem angemieteten Büro gestürmt, Fenster zerbrochen und die Teilnehmer wie Schwerverbrecher behandelt. Brisant ist auch die Enthüllung, dass ein verdeckter Ermittler der SLED mit Steuergeldern an dem Pokerabend teilnahm und diese dabei verlor.

Veraltete Gesetzeslage in South Carolina

Im Mittelpunkt der rechtlichen Auseinandersetzung steht die Frage, ob das Pokerspiel tatsächlich gegen das Glücksspielgesetz von South Carolina verstieß. Watts und seine Anwälte argumentieren, dass das Gesetz nur bestimmte Orte wie Pubs, Küchen oder Scheunen explizit als verbotene Glücksspielstätten aufführt. Ein angemietetes Büro sei dort nicht genannt. 

Unterstützt wird diese Argumentation durch eine richterliche Entscheidung aus dem Jahr 2025, in der ein Bezirksrichter ebenfalls feststellte, dass Poker in einem Bürogebäude nicht unter das bestehende Verbot falle. In diesem Zusammenhang wurden bereits alle noch offenen Anklagen gegen die anderen Spieler fallengelassen.

Zudem kritisieren Watts’ Anwälte, dass der Begriff „Rake“, also das Einbehalten eines Anteils vom Pot, im Durchsuchungsbefehl falsch dargestellt worden sei. Die kleine Geldsumme diente laut Watts ausschließlich zur Finanzierung von Essen und Getränken. Auch habe kein Organisator einen finanziellen Vorteil aus der Veranstaltung gezogen.

Reputationsschaden und berufliche Konsequenzen für Watts

Für Watts hatte die Verhaftung gravierende persönliche Folgen. Der 69-Jährige, der zwei Jahrzehnte als Gerichtsmediziner tätig war, verlor in Folge des Vorfalls mehrere Jobs, unter anderem beim Verband der Gerichtsmediziner. Zudem sei sein Ruf nachhaltig beschädigt worden. 

In seiner Klage fordert er daher Schadenersatz in unbekannter Höhe sowohl für tatsächliche als auch für Folgeschäden. Watts betont, dass es sich um eine gesellige Runde langjähriger Freunde gehandelt habe, die ein gemeinsames Hobby pflegen. Die Behörden hingegen zeigen sich bislang unbeeindruckt von den Vorwürfen und lassen die juristische Auseinandersetzung weiter laufen. In den USA kommt es immer wieder zu Razzien gegen (vermeintlich) illegale Glücksspielevents.

    Yannick Schroth

    Yannick findet man immer dort, wo das WLAN stabil ist und Poker gespielt wird. Als digitaler Nomade schreibt er seit Jahren über das, was ihn wirklich packt: spannende Hände, emotionale Showdowns und die Menschen hinter den Chips. Während des Studiums machte er sich selbständig, um seine Reisen mit dem Schreiben zu finanzieren, blieb dann aber zumindest journalistisch am Pokertisch hängen. Heute liefert er Hintergrundberichte, News und Momentaufnahmen aus der Szene.

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