In der Welt des professionellen Pokers dreht sich längst nicht mehr alles nur um Flop, Turn und River. Abseits der Tische sind es oftmals kuriose Wetten – sogenannte Prop Bets – die für ebenso viel Gesprächsstoff sorgen wie gespielte Hände mit Millionenpotenzial. Diese Nebenwetten, bei denen es meist um außergewöhnliche Herausforderungen geht, haben sich zu einem festen Bestandteil des Pokerkosmos entwickelt. Sie reichen von sportlichen Wettkämpfen über Grenzerfahrungen bis hin zu vollkommen absurden Mutproben.
Wenn Poker zur Nebenrolle wird: Die spektakulärsten Prop Bets
Ein Klassiker dieser kuriosen Historie ist die Geschichte von Brian Zembic. Der kanadische High-Stakes-Spieler ließ sich 1996 Brustimplantate der Größe 38C einsetzen – für eine Prop Bet über 100.000 US-Dollar. Ursprünglich wollte er die Wette nicht annehmen, doch nach finanziellen Rückschlägen während einer Börsenphase änderte sich seine Entscheidung. Interessanterweise ließ Zembic die Implantate auch Jahre später noch nicht entfernen – unter anderem in der Hoffnung, dass seine Geschichte eines Tages verfilmt werden könnte.
Nicht weniger spektakulär verlief eine Wette mit Antonio Esfandiari bei der PokerStars Caribbean Adventure 2016. Der „Magier“ verpflichtete sich, sich 48 Stunden lang nur durch Ausfallschritte fortzubewegen – für 50.000 US-Dollar. Dass diese körperliche Herausforderung ihre Grenzen hat, zeigte sich schnell: Aufgrund eines Verstoßes gegen Turnieretikette – Esfandiari benutzte eine Flasche als Toilette unter dem Tisch – wurde er disqualifiziert. Dennoch wurde die Wette eingelöst, und das Geld ging an eine wohltätige Organisation.
Eine deutlich sportlichere Wettform wählten die Staples-Brüder Jaime und Matt. Über ein Jahr hinweg versuchten sie, den Gewichtsunterschied zwischen sich – anfänglich 170 Pfund – auf maximal ein Pfund zu reduzieren. Die öffentlich dokumentierte Reise brachte nicht nur reichlich Beachtung, sondern letztlich auch einen Gewinn von 150.000 US-Dollar durch den Gegenspieler Bill Perkins ein.
Tennis mit ungewöhnlichem Equipment war hingegen das Thema bei einer Wette zwischen Dan Smith und Markus Gonsalves. Smith spielte mit einem regulären Schläger, Gonsalves hingegen mit einer Bratpfanne – und gewann dennoch mit 6:2. Ein kurioser Beleg dafür, dass am Ende nicht immer das beste Material entscheidet.
Gewaltige Risiken, große Summen – und sehr viel Durchhaltevermögen
Weniger verspielt, dafür kampfbetont war eine Wette zwischen Olivier Busquet und JC Alvarado. Die beiden Profis einigten sich auf einen MMA-Kampf über fünf Runden. Busquet investierte 120.000 US-Dollar, Alvarado sogar 150.000 – in der Hoffnung, mit seinen Kampfsporterfahrungen zu punkten. Allerdings war der Gewichtsunterschied erheblich: Busquet wog rund 22 Pfund mehr. Trotz hoher Motivation unterlag Alvarado, Busquet siegte nach Punkten.
Auch extreme Ausdauer spielte eine Rolle bei Jay Kwiks 30-Tage-Wette. Ihm wurde angeboten, 100.000 US-Dollar zu gewinnen, wenn er sich ganz ohne elektronische Hilfsmittel 30 Tage lang permanent in einem Badezimmer aufhielt. Trotz andauernder Beobachtung per Kamera zeigte Kwik wenige Ermüdungserscheinungen, sodass der Gegenspieler Andrew Robl vier Tage vor Ablauf ausstieg – für 40.000 Dollar buy-out.
Andere Wetten nahmen eher kulinarische Züge an. So stellte sich Mike Noori der Aufgabe, innerhalb von 36 Stunden McDonald’s-Food im Wert von 1.000 US-Dollar zu konsumieren – bestimmte Auflagen inbegriffen. Trotz enormer Vorfreude musste er frühzeitig aufgeben, und zwar schon unterhalb der 100-Dollar-Marke – offenbar beeinträchtigt durch eine feuchtfröhliche Nacht vor Beginn der Challenge.
Ein weiterer prominenter Name in der Liste ist Huck Seed. Der WSOP-Champion von 1996 nahm eine Wette mit Phil Hellmuth an, ob er es schaffen würde, sich 18 Stunden lang bis zum Hals in Wasser aufzuhalten. Diese Herausforderung scheiterte jedoch bereits nach drei Stunden – unter anderem am Temperatureinfluss.
Kurios auch der Fall Howard Lederer. Als überzeugter Vegetarier ließ er sich überreden, für 10.000 US-Dollar einen Cheeseburger zu essen – ein Bruch mit seinen Grundsätzen. Zumindest blieb es nicht einseitig: Er bot seinem Gegenüber David Grey die Revanche an, wenn dieser ein Glas Oliven – seine erklärte Hassspeise – konsumieren würde.
Dan Bilzerian schließlich überzeugte mit einer physisch herausfordernden Wette: Für 600.000 US-Dollar radelte er von Las Vegas nach Los Angeles – knapp 500 Kilometer – in unter 48 Stunden. Mithilfe von Lance Armstrongs Vorbereitung gelang das Vorhaben sogar deutlich in 33 Stunden. Zusätzlich sicherte er sich einen weiteren Nebenwettgewinn über 250.000 Dollar durch Rick Salomon, allein für das Überleben der Fahrt ohne bleibende Schäden.
Schmale Gratwanderung zwischen Unterhaltung und Risiko
So unterhaltsam diese Anekdoten auch sein mögen – sie bergen zweifellos auch Risiken. Nicht jede Prop Bet verläuft glimpflich, insbesondere wenn körperliche oder psychologische Belastungen ins Spiel kommen. Einige der beschriebenen Wetten überschreiten klar sportliche Grenzen und zeigen, welche Extreme Pokerprofis bereit sind einzugehen, wenn es ums Spiel – oder besser gesagt den Einsatz – geht.
Prop Bets sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Pokerszene. Sie bieten Abwechslung, testen Grenzen aus und dokumentieren eindrucksvoll die Risikofreude mancher Akteure. Dabei geht es nicht immer um Geld allein, sondern häufig auch um Anerkennung innerhalb der Szene – oder schlicht um den Nervenkitzel selbst.
