- Revolution vor Gericht: Spieler aus Österreich verklagt Flutter Entertainment wegen PokerStars-Verlusten
- EuGH-Entscheidung: Wohnsitz des Spielers könnte als Schadensort anerkannt werden
- Hoffnung für Spieler: Wegfall maltesischer Blockaden und direkter Zugriff auf Konzernvermögen
Ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) könnte die rechtliche Landschaft für Klagen gegen illegale Online-Glücksspielanbieter grundlegend verändern. Im Zentrum steht die Frage, ob nicht nur die oft schwer greifbaren Betreiberfirmen, meist mit Sitz in Malta, haftbar gemacht werden können, sondern auch deren finanzstarke Muttergesellschaften.

Konkret geht es um Flutter Entertainment plc, den börsennotierten Konzern hinter PokerStars. Ein Spieler aus Österreich, der über 26.000 € verloren hat, geht gegen die Konzernmutter vor, da die maltesische Tochtergesellschaft die Rückzahlung trotz Gerichtsurteil verweigert und sich auf die umstrittene „Malta Bill 55“ beruft.
Schadensort: Wohnsitz statt Serverstandort?
Das Oberlandesgericht Wien hat dem EuGH mehrere Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt, darunter eine besonders brisante: Gilt der Wohnsitz des Spielers als Ort des Schadenseintritts?
Sollte der EuGH dies bejahen, würde es geschädigten Spielern europaweit ermöglichen, Klagen am eigenen Wohnsitz zu erheben und dabei direkt die Konzernmütter ins Visier zu nehmen.
Die Muttergesellschaften könnten dann wegen ihrer organisatorischen und finanziellen Verflechtung mit den Tochterfirmen als Mitverantwortliche für Rechtsverstöße herangezogen werden.
Umgehung maltesischer Blockaden
Bisher scheiterten viele Rückforderungsprozesse daran, dass maltesische Gerichte oder Behörden die Durchsetzung von Urteilen erschwerten oder ganz blockierten. Die „Malta Bill 55“, ein Gesetz, das Vollstreckungen ausländischer Urteile untersagt, ist hier ein besonders drastisches Beispiel.
Die Möglichkeit, statt der Malta-Gesellschaften direkt international tätige Konzernmütter wie Flutter oder Entain zu verklagen, würde diese Hürde umgehen. Spieler könnten so auf deutlich höhere Vermögenswerte zugreifen und ihre Chancen auf Rückzahlung wesentlich verbessern.
Signalwirkung für den Glücksspielmarkt
Sollte der EuGH der Argumentation folgen, wäre das ein Paradigmenwechsel. Erstmals stünde bei Rückforderungen aus illegalem Glücksspiel ein durchsetzungsstarker Gegner mit Sitz innerhalb der EU-Rechtsordnung zur Verfügung. Für die großen Glücksspielkonzerne würde das ein neues Haftungsrisiko mit potenziell massiven Auswirkungen auf Geschäftsmodell und Konzernstruktur darstellen.
Die Entscheidung wird in der gesamten Branche mit Spannung erwartet. Für tausende Spieler, die in den letzten Jahren viel Geld bei illegalen Online-Angeboten verloren haben, könnte sie der Türöffner für erfolgreiche Rückforderungsverfahren sein.