- Razzia in Kiew: Polizei entdeckt illegales Pokerturnier und betrügerisches Krypto-Callcenter in einem Business Center.
- Medienklage gescheitert: Unternehmer Vyacheslav Lysenko kann Berichterstattung nicht verbieten lassen.
- Globaler Trend: Illegale Pokerrunden in exklusiven Kreisen nehmen weltweit zu.
Der ukrainische Unternehmer Vyacheslav Lysenko hat eine medienrechtliche Niederlage einstecken müssen. Nachdem lokale Medien im Zuge einer Razzia über ein illegales Pokerturnier in einem von ihm betriebenen Business Center in Kiew berichtet hatten, zog Lysenko vor Gericht. Dadurch wollte er die Veröffentlichung dieser Berichte rückgängig machen. Die Justiz wies seine Klage jedoch ab und stellte klar, dass das öffentliche Interesse an der Berichterstattung überwiegt.

Die in den Medien gezeigten Fotos dokumentieren ein professionell ausgestattetes Pokersetup samt Jetons, Filztisch und Kameratechnik. Lysenko behauptete hingegen, es habe sich lediglich um ein privates Spiel unter Freunden gehandelt.
Acht Monate Überwachung und ein Millionenfund
Im April 2024 schlugen ukrainische Behörden nach monatelanger Beobachtung zu. Im Visier: Ein illegal betriebenes Casino im Herzen Kiews, in dem sich wohlhabende Geschäftsleute regelmäßig zum Pokerspiel trafen.
Gleichzeitig flog in denselben Räumlichkeiten ein betrügerisches Callcenter auf, das Kunden in der Ukraine, Deutschland und Tschechien vermeintlich profitable Krypto-Investments mit 5 % Rendite versprach, in Wahrheit jedoch als Schneeballsystem aufgebaut war.
Die Beamten beschlagnahmten neben dem Pokerequipment auch umfangreiche Buchhaltungsunterlagen, Kameras mit Videoaufnahmen, Bargeldumschläge für Gewinnauszahlungen und über 135.000 US-$ sowie 5.000 € bei einem Verdächtigen, der über kein nachweisbares Einkommen verfügte.
Reputationsschaden für den Geschäftsmann
Der 54-jährige Lysenko gilt als einer der bekanntesten Unternehmer im ukrainisch-chinesischen Handel. Mit seiner Firma Meest Express China importiert er Waren aus Fernost und pflegt enge Beziehungen zu wohlhabenden Kunden in China wie auch in der Ukraine.
Sein Image als Philanthrop und Wirtschaftsexperte dürfte durch die Enthüllungen erheblich gelitten haben, zumal auch Vorwürfe im Raum stehen, er habe minderwertige oder gefälschte Produkte ins Land gebracht.
Die Hoffnung, seinen Ruf mit juristischen Mitteln zu retten, blieb jedenfalls unerfüllt. Die Gerichte sahen keinen Grund, die mediale Berichterstattung zu unterbinden.
Illegales High-Stakes-Poker auf dem Prüfstand
Der Fall reiht sich ein in eine Serie internationaler Vorfälle, bei denen illegale Pokerrunden in elitären Kreisen aufflogen. So sorgte etwa ein jüngster Fall in China für Aufsehen, bei dem ein Gericht elf Beteiligte einer milliardenschweren Glücksspieloperation mit Sitz in Myanmar zum Tode verurteilte.
Auch der frühere NBA-Profi Gilbert Arenas geriet in den USA in die Schlagzeilen, nachdem in seiner Villa ein verbotener Pokerclub entdeckt wurde. Selbst in eher ruhigen Gefilden wie South Carolina wurde eine illegale Pokerrunde in einem Bürogebäude gestürmt. Der Beschuldigte versuchte später vergeblich, die Ermittlungen gerichtlich anzufechten.