Es war wohl das Gesprächsthema der vergangenen Woche. Beim $100.000 Main Event der Triton Super High Roller Series in Jeju ereignete sich am Final Table eine spektakuläre Hand, die vermutlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Bei noch neun verbleibenden Spielern und ordentlich Preflop-Action machte Kristen Foxen das schier unmögliche und entsorgte ihre Pocket Kings.
Sie löste damit eine regelrechte Welle der Entrüstung in den sozialen Medien aus und auch diverse Elite-Spieler äußerten sich im World Wide Web zu der Situation.
Scott Seiver
Während Foxen in den sozialen Medien für ihren Fold überwiegend von irgendwelchen „Internet-Rambos“ kritisiert wurde, sprang ihr mit Scott Seiver einer der erfolgreichsten Pokerspieler auf diesem Planeten zur Seite. Er äußerte sich nicht zu der Entscheidung Kings zu folden, sondern vielmehr regte er sich über die vielen negativen Kommentare auf, von Leuten welche nicht ansatzweise auf dem Level von Foxen sind und dementsprechend auch nicht in der Position sind, sich so abwertend zu verhalten.
Sam Greenwood
Auch der kanadische Poker-Profi Sam Greenwood ($39 Mio Live-Winnings) äußerte sich zu der Thematik, ging aber eher auf Konfrontationskurs mit Scott Seiver. Er schilderte in einem Statement seine Sicht der Dinge über die aufkeimenden Kritik und positionierte sich damit klar gegen Seiver: „Was mich immer wieder überrascht: Sobald ein Spieler für eine bestimmte Entscheidung kritisiert wird, gibt es zuverlässig eine Gruppe von Leuten, die entgegnet: ‚Er spielt immerhin als Profi an High-Stakes-Tischen – du nicht.‘
Dabei greifen diese Kritiker nicht den Profi als Person an oder sprechen ihm grundsätzlich die Fähigkeiten ab, sondern äußern lediglich Kritik an einem konkreten, einzelnen Spielzug“, schrieb Greenwood.
„Fehler passieren jedem. Es sollte daher kein Tabu sein, zu sagen: ‚Ich halte diesen Pokerzug für schlecht.‘ Wenn allerdings jemand behauptet: ‚Der Typ ist ein schlechter Spieler, ein kompletter Fisch und hat noch dazu Mundgeruch‘, dann können Sie ihn gern verteidigen. Poker wird zwar um hohe Einsätze gespielt, aber letztlich ist es nur ein Spiel – und Spielentscheidungen dürfen durchaus kritisiert werden.“
Patrick Leonard
Der frischegebackene SCOOP-Rekordhalter und CoinPoker Ambassador Patrick Leonard äußerte auch seine Gedanken zu der Hand von Kristen Foxen und nimmt den Hatern zudem auch den Wind ein wenig aus den Segeln.
Er hält zwar fest, dass man mit Pocket Kings in dem Spot nicht hätte folden sollen, aber relativiert die Entscheidung zeitgleich. Es kamen in der Hand viele verschieden Faktoren zusammen und insbesondere darf man den Stress-Pegel bei so einer Millionen-Serie nicht unterschätzen.
20 Tage mit Millionen-Dollar-Schwankungen, ohne Schlaf und mit starkem Jetlag, in einer der wichtigsten Poker-Situationen des Lebens, während einem noch die Uhr im Nacken sitzt, können einen zu solch einer Entscheidung bringen. Leonards Fazit: Krissy ist super, der Fold war es nicht!
Martin Kabrhel
Zu guter Letzt äußerte sich auch noch der tschechische Poker-Pro Martin Kabrehl zu der Debatte und sprang Kristen Foxen zur Seite. Nach seiner Analyse war es, wohl aufgrund der vielen involvierten Spieler und den Payjumps, ein berechtigter Fold. Bei Kabrhel weiß man aber immer nicht so genau, ob er das tatsächlich ernst meint oder das wieder nur seine Art von Sarkasmus ist.
Fazit
Im Endeffekt ist es wie bei einer Fussball-Weltmeisterschaft, wo Deutschland plötzlich über 80 Millionen Nationaltrainer hat und jeder es besser weiß und seinen Senf dazugeben muss. Fakt ist: Auf den ersten Blick wirkt dieser Fold falsch, aber wenn man die Umstände bedenkt, ist er teilweise auch nachvollziehbar.
Kristen Foxen war bei der Triton SHR Serie zu dem Zeitpunkt schon über $300.000 im Brand und dann kommt es bei einem Call mit ihren Kings eventuell zu einem 4-Way-All In. Wir kennen es alle und wissen, wie schnell Könige dann plötzlich geknackt werden.
Die Entscheidung hatte auf Garantie nichts mit Skills zu tun, sondern die Payjumps hatten in diesem Fall offensichtlich die höchste Priorität. Mit Platz 4 und knapp $1,5 Millionen hat sie schlussendlich ja auch noch einiges richtig gemacht.



