Die kolumbianische Glücksspielbehörde Coljuegos hat über 10.000 Glücksspielseiten und Profile in sozialen Medien gesperrt. Zahlreiche Glücksspielanbieter und Influencer wurden von der bemerkenswerten Aktion überrumpelt. Neben Online-Casinos geht es auch um Online-Buchmacher, Online-Bingo und diverse andere Online-Glücksspielangebote.
Spielerschutz und wirtschaftliche Interessen
Derzeit gibt es in Kolumbien gerade einmal 16 legale Online-Buchmacher. Über diese legalen Angebote erwirtschaftet Kolumbien jährlich in Form von Lizenzgebühren Einnahmen in Höhe von ungefähr 101,2 Millionen €. Auch daran wird deutlich, dass es sich um einen relativ kleinen Markt handelt. Allerdings liegt dies auch daran, dass bis zur Sperre der 10.000 Webadressen eine riesige illegale Konkurrenz vorhanden war.
Ein wichtiges Ziel ist es, die Kanalisierung mit den Sperren zu verbessern. Die kolumbianischen Glücksspiel-Fans sollen die legalen Angebote nutzen. Zumindest kurzfristig könnten die eingeführten Sperren erfolgreich sein. Ob es allerdings auch möglich ist, langfristig den illegalen Glücksspielmarkt im Internet auszutrocknen, muss sich noch zeigen.
Allerdings zeigt die kolumbianische Glücksspielbehörde, dass sie alle Möglichkeiten ausschöpft. Dies wird auch deutlich daran, dass 35 Verfahren gegen Unternehmen und Influencer eingeleitet wurden, die in den sozialen Medien illegale Glücksspielangebote zur Verfügung stellen oder für illegale Angebote Werbung machen.
Bei den Sperren ging es ausdrücklich darum, nicht nur die Angebote, sondern auch illegale Werbung zu sperren. Um dieses Ziel möglichst gut zu erreichen, gab es eine Kooperation zwischen der kolumbianischen Glücksspielbehörde und Meta (Facebook, Instagram). Allerdings dürften sich die Maßnahmen jenseits der Sperren auf Unternehmen und Privatpersonen beschränken, die in Kolumbien ansässig sind.
Ein interessantes Detail: Die Einnahmen, die über das legale Online-Glücksspiel erzielt werden, kommen dem Gesundheitssystem in Kolumbien zugute. Deswegen schadet das illegale Glücksspiel letztlich vielen Menschen. Dieses moralische Argument mag nicht bei allen Spielern verfangen, ist aber in jedem Fall bedenkenswert.
Neue Steuer sorgt für Stress bei legalen Glücksspielanbietern
In der vergangenen Woche gab es einen Aufschrei bei den legalen Glücksspielanbietern in Kolumbien, da eine Umsatzsteuer in Höhe von 19 % für Online-Glücksspiele eingeführt wurde. Allerdings war bis zuletzt nicht klar, ob die Umsätze oder die Einzahlungen besteuert werden sollen. Wer sich bei dieser Thematik an die deutsche Glücksspielsteuer erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch.
Es liegt nahe, dass ein Staat vom legalen Online-Glücksspiel in Form von Steuern und Lizenzgebühren profitieren sollte. Aber es muss immer auch berücksichtigt werden, dass das legale Online-Glücksspiel in einer ständigen Konkurrenz mit illegalen Glücksspielanbietern steht. Wenn eine Steuer eingeführt wird, die dazu führt, dass Spiele unattraktiver werden, so wie dies in Deutschland der Fall ist, hilft dies in erster Linie den Anbietern auf dem Schwarzmarkt.
Allerdings hat man in Kolumbien die neue Steuer zunächst nur für 90 Tage eingeführt. Danach soll eine Evaluierung stattfinden, die klären soll, ob die Steuer dauerhaft bestehen soll. Vielleicht dient die Sperre der 10.000 Websites auch dazu, die legalen Glücksspielanbieter hinsichtlich der drastischen Steuererhöhung etwas zu beruhigen.
Allerdings ist es bislang keinem Land gelungen, illegale Glücksspielanbieter dauerhaft über Internetsperren auszuschließen. Es ist einfach, Websites zu verschieben und die Sperren zu umgehen. Dieses Problem bleibt auch in Deutschland bestehen, selbst wenn die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Zukunft IP-Sperren umsetzen kann. Derzeit fehlt allerdings die rechtliche Basis für derartige Maßnahmen in Deutschland.
