Kolumnen

Der SnG Weltrekord in Monaco

Da tun sich bei mir gleich viele Fragen auf. Denn „Sit & Go spielen“ ist für mich so aussagekräftig wie: „Ich habe einen Hund.“ – es sagt mehr aus als: „Ich habe ein Haustier“, aber weniger als: „Ich habe einen zweijährigen Bobtailrüden namens Canis“.

Was mir an Details für diesen Rekord zur Verfügung steht ist folgendes:
Dem Athleten steht exakt eine Stunde zur Verfügung. In dieser kauft er sich in möglichst viele SnGs (singletable, fullring, standard) einer Preisklasse ($6) ein. Danach darf er die bereits offenen Turniere zu Ende spielen. Schließt er overall mit einem Plussaldo ab, so ist der Versuch gültig. Wer am meisten Turniere schafft, hält den Rekord.

Elky schaffte es 62 Sit & Gos zu öffnen und schloß mit einem Plus von satten $23,60 ab. Eine beachtliche Leistung! Bei $372 (=62 x $6) Umsatz $23,60 zu erwirtschaften, entspricht einem Return on Investment von gut 6%.

Natürlich könnte Elky an jedem einzelnen Tisch mehr erspielen, wenn er sich intensiver mit den einzelnen Entscheidungen befassen würde. Aber ob das lukrativer wäre, sei dahin gestellt. Denn aus halber Tischanzahl folgt halber Umsatz. Um aber bei halbem Umsatz den gleichen Stundensatz zu erzielen, muss das Geld doppelt so effizient arbeiten, also mit 12% ROI.

Elky beim Rekord
Wer weiss, ob 30 Tische die Stunde für Elky dermaßen relaxt sind, dass er dann „doppelt so gut“ spielt? Mit 16 Tischen 24% ROI oder mit acht 48% zu erspielen, halte ich jedenfalls für immer unrealistischer. Damit ist gezeigt, warum immer mehr erfolgreiche SnG Spieler „mass-tablen“. Es rechnet sich! Der persönliche Stundensatz ist im groben ein Produkt aus Umsatz und Effizienz. Man versucht die Effizienz auf passablem ROI-Niveau zu halten, während man so viel Umsatz pro Zeiteinheit als möglich generiert. Je nach Persönlichkeit gilt es, einen gesunden Mix aus Spielform (singletable? fullring? turbo? specials?), Buyinhöhe und Turnieranzahl zu finden. Dies ist übrigens seit ca. einem Jahr die häufigste Fragestellung in meinen Individualcoachings.

Und obwohl ich Elky sicher nicht schulmeistern will und er diesen Rekord auch sicher nicht finanzoptimieren wollte, so haben mich doch zwei Details arg verwundert:

Wie man im Bild sehen kann, stand ihm absolutes Topequipment zur Vefügung. Und er nutzte auch tatsächlich alle vier Bildschirme. Aber warum? Wenn ich oder auch alle meine Bekannten masstable, dann immer mit überlappenden Tischen (Cascade-modus), niemals alle Tische nebeneinander (Tile-tables). Das verwirrt nur und verführt das Auge durch unnötige Information (Ist eine Entscheidung gefällt, interessiert dieser Tisch nicht mehr.). Außerdem schlug er sich viel mit aufpoppenden Turnierlobbies herum, wofür es auch Standardeinstellungen gibt.

Fazit: Elky war bei Leibe nicht am Anschlag. Der Weltrekord wird also nicht von langer Dauer sein. Elky selbst kann ihn jederzeit toppen, ich wage sogar zu behaupten, dass das recht viele Spieler heute können. Allein aus meinem persönlichen Umfeld weiss ich so manchen, der täglich stundenlang „weltrekordelt“.

Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de


2 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Mr. Black
11 Jahre zuvor

„Weltrekord“ ist natürlich immer ein nettes Label…

Muss mal Boku fragen, was er davon hält!

Dennis
11 Jahre zuvor

Ehm…was hat das noch mit Pokerskills zu tun ? Werden solche Leute nicht komplett vorgeführt wenn es komplex wird (Hände mit tiefen Stacks einschließlich River spielen) ?