Kolumnen

Die Wahrheit – Geheimwaffen

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Nachdem ich mich dort 2 Monate ausschließlich mit Hold´em beschäftigt hatte, bemerkte ich deutliche Omaha-Entzugserscheinungen. Für mit der offiziellen Statistik der WHO unvertraute sei hier kurz angemerkt, dass Omaha Pot Limit nach Crack und Heroin auf Platz 3 der süchtig machenden Drogen rangiert. Also habe ich mich im März und April mit PLO vollgepumpt. In Berlin, Hamburg und Salzburg war guter Stoff zu bekommen. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Dealer, auch wenn einige neu im Geschäft zu sein scheinen.

In den wenigen nüchternen Momenten zwischendurch habe ich erkannt, dass ich doch eher ein schreibender Spieler als ein spielender Schreiber bin. Das hat zur Folge, dass die Frequenz meiner Artikel abnehmen, aber hoffentlich näher am Spielgeschehen dran sein wird.

Ganz nah dran am Spielgeschehen war ich am letzten Tag des CAPT Events in Salzburg, als nämlich keine PLO Partie zustande kam und ich zum Abdecken der Tagesspesen in einem Hold´em Cashgame Platz nahm. Da ich normalerweise nie Hold´em Cash spiele, befand ich mich plötzlich in einer völlig ungewohnten Umgebung. Die Gegnerschaft bestand aus einer homogenen Masse von Jungspunden, einheitlich ausgerüstet mit Sonnenbrille und IPod. Nachdem ich anfänglich durch den Anschein von soviel Professionalität eingeschüchtert war, bemerkte ich bald, dass die Qualität des Spiels deutlich hinter der Qualität der Fassade zurückblieb. Wie eine Hollywood Kulisse, bei der die Häuserfront authentisch wirkt, dahinter aber nur Luft ist.

Ich gewann den Eindruck, dass hier im Fernsehen aufgenommene Verhaltensmuster zufällig abgespult wurden. Die lange Denkpause, wenn jeder schon 4 Minuten vorher weiß, dass hier ein Fold kommen wird. Die theatralische All-In Ankündigung am Flop, wenn bereits € 1500 in der Mitte sind und der Westentaschendramatiker versucht, mit € 20 vier Gegner aus der Hand zu drücken und viele andere, befremdlich wirkende, schlecht getimte Spielzüge.
In der Biologie ist dieses Verhaltensschema bestens als „Mimikri“ bekannt. Harmlose Tiere versuchen gefährliche Tiere in Aussehen und Verhalten nachzuahmen. Ein gutes Beispiel ist der Hornissen-Glasflügler, der seinen Fressfeinden vorgaukelt, eine echte Hornisse zu sein (vgl. Wikipedia). Ja, das sieht täuschend echt aus und ich würde es mir 2-mal überlegen, bevor ich diesen harmlosen Schmetterling mit der bloßen Hand von meinem Erdbeerkuchen verscheuchen würde.

Ob die Evolution den neuen Mimikri-Hold´em-Helden genug Zeit lässt, ist fraglich. Die Fressfeinde sind zu durchtrieben und durchschauen die Maskerade zu schnell. Da wird noch die eine oder andere Bankroll aufgefressen werden, bevor einem der Stachel geglaubt wird. So scheint mir Selbstdarstellung der wahre Grund für dieses Rollenspiel zu sein. Schön, dass sich das so viele leisten können.

Ich habe mit altgedienten Pros gespielt, die bewusst den entgegengesetzten Eindruck erwecken wollen: Die nette ältere Dame, die einem 2 Buy-Ins aus der Tasche zieht, während sie dich in ein Gespräch über Tulpenzucht verwickelt. Der Kautabak spuckende Bauerntrottel, der vermeintlich keine 3 zusammenhängenden Worte rausbringt, dich aber konstant in jeder Hand ausspielt.

Da werden einem Betrunkenheit, Ahnungslosigkeit, Unwissen, Regelunkunde, Übermüdung, Weltfremdheit, Gleichgültigkeit usw. vorgespielt, nur um einen in Sicherheit zu wiegen. Auch hier hält die Natur Beispiele erfolgreicher Entwicklungen bereit, siehe Wikipedia.

Von diesen Denkansätzen sind unsere deutschsprachigen Nachwuchspros nur noch einige Lichtjahre entfernt. In der Zwischenzeit (die am Besten mit der Aneignung von fundiertem Wissen und Erwerb von umfassender Erfahrung verbracht werden sollte) kann ich vielleicht aushelfen: Wenn schon – denn schon !!!

Geheimwaffen

Sind Sie ein aufstrebender junger Pokerpro mit mehr Ego als Verstand?
Sind Sie zu faul zum Lesen, wollen aber trotzdem Alles besser wissen?
Sind Sie der Meinung, Sie hätten ein gottgegebenes Recht zu gewinnen?
DANN SIND SIE HIER RICHTIG !

Die zugrunde liegende Theorie ist einfach und schnell erklärt:
Alles, was meine Gegner aufregt und/oder sie emotional aus der Bahn wirft, verschafft mir einen Vorteil. Es trübt ihr objektives Urteilsvermögen und verleitet sie zu Fehlern.

1. DER SLOWROLL
Halten Sie Sich mit dem Aufdecken der gewinnenden Hand so lange wie möglich zurück. Reagieren Sie nicht auf die Aufforderung des Dealers oder anderer Mitspieler, Ihre Karten aufzudecken, auch wenn Sie an der Reihe sind. Geben Sie dem Gegner, nachdem er seine Hand gezeigt hat, durch verbale (Verdammt! Nicht schon wieder! Warum immer ich?) oder non-verbale Signale (Kopfschütteln, heftiges Nicken, Augenrollen) zu verstehen, dass er gewonnen hat. Nach einer möglichst langen Pause, im Idealfall bewegt der Dealer den Pot schon Richtung Gegner, decken Sie nun doch die bessere Hand um. Je näher Ihre Hand an der Nuts ist, desto effektiver ist der Slowroll.
Lassen Sie die nun folgenden Beschimpfungen gleichmütig an sich abprallen. In manchen Fällen empfiehlt sich ein Kommentar wie z.B.: Wenn Sie es nicht verkraften zu verlieren, sollten Sie nach Hause gehen.

2. PARTIEBREMSE
Die meisten Pokerspieler wollen in einem bestimmten Zeitrahmen so viele Hände wie möglich spielen. Sie unterliegen dem Irrglauben, dadurch mehr Umsatz und demzufolge mehr Gewinn generieren zu können. Wirken Sie dem entgegen! Stiften Sie Verwirrung, indem Sie außer der Reihe agieren. Reagieren Sie nie, wenn Sie wirklich dran sind. Lassen Sie sich mindestens 2-mal durch den Dealer zum Handeln auffordern. An dieser Stelle erfüllen nun auch IPod und Sonnenbrille ihren wahren Zweck: Wer nichts hört und nichts sieht, kann auch nicht wissen, wenn er dran ist!
Lassen Sie häufig die Potgröße nachzählen. Sie müssen dazu nicht unbedingt noch in die Hand involviert sein.
Beantworten Sie prinzipiell alle Aufforderungen des Dealers mit einer Frage. Bsp.: Dealer: „Ihr Blind mein Herr.“ Sie: „Warum?“
Hier sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Und das wollen wir ja alle: Kreativ Pokern!

3. FLATULENZ
Wenn Sie Ihre Mitspieler grundlos beleidigen, kann das zu einem Hausverbot führen. Wenn Sie jedoch eine permanente Quelle unangenehmer Gerüche sind, beleidigen Sie nur den Geruchssinn aller Anwesenden. Das könnte man natürlich auch durch fehlende Körperhygiene oder monatelanges Tragen der gleichen Socken oder Unterwäsche erzielen. Hier könnte man Ihnen jedoch einen Vorsatz anlasten. Im Gegensatz zu anderen Methoden unangenehme Gerüche zu entwickeln, hat der Flatus jedoch den Vorteil, dass Sie komplette Unschuld an dessen Entstehung vortäuschen können, denn wer kann denn Blähungen kontrollieren? Oberflächlich betrachtet niemand! Glücklicherweise hat die moderne Wissenschaft hier eine Lösung parat: Um einen konstanten Gärungsprozess im Dickdarm aufrecht zu erhalten, darf ich an dieser Stelle auf ein Bohnengericht des in Fachkreisen zu einsamen Ruhm aufgestiegenen Spielers „Methan-Fred “ verweisen:

Zutaten:
1 Glas braune Bohnen,
1 Glas weiße Bohnen,
1/2 Glas Graupen,
1/2 Glas Öl oder 3 EL Gänse- oder Hühnerschmalz,
2 große Zwiebeln,
1 EL rotes, scharfes Paprikapulver,
1 Knoblauchzehe,
250 g geräuchertes Rindfleisch oder geräucherte Gänsekeule,
3 Fleischknochen,
3 Markknochen,
Salz
Zubereitung:
Öl oder Fett in einem großen, hohen Topf erhitzen.
Gehackte Zwiebeln darin goldbraun anrösten. Vom Feuer nehmen, Paprika dazugeben, mit 1/4 Glas Wasser löschen. Bohnen und Graupen zugeben und unter Rühren ca. 5 Minuten dünsten. Mit Salz würzen und mit Wasser aufgießen, so dass der Topf fast voll ist. Aufkochen. Knochen, Knoblauch und Fleisch zufügen, ca. 1/2 Stunde kochen. Vom Feuer nehmen, danach nochmals eventuell würzen. Topf mit einem gut sitzenden Deckel oder Alufolie fest verschließen.
Im Backofen bei 150 Grad 12 bis 15 Stunden garen. Nachsehen, ob noch genügend Flüssigkeit vorhanden ist, bevor das Gericht über Nacht im Backofen bleibt, andernfalls Wasser zugießen. Falls der Tscholent 1 Stunde vor dem Servieren zu flüssig ist, Deckel abnehmen und noch bräunen lassen. Nicht umrühren, damit die Bohnen nicht “matschig” werden.
Das Gericht soll nicht “suppig” sein, sondern saftig und braun.

Diese Geheimwaffe können Sie selbstverständlich ganzjährig einsetzen. Merke: Flatulenz hat nichts mit Frühling zu tun!

4. ESELSTREIBEREI
Glücklich und zufrieden sind Pokerspieler, wenn sich an ihrem Tisch ein oder mehrere „Esel“ befinden. Diese verlieren ihre Chips schneller, als die anderen Spieler sie aufstapeln können. Ihr Ziel ist nun, diese „Goldesel“ so schnell wie möglich zu vertreiben. Machen Sie sie auf ihre Fehler aufmerksam. Erklären Sie ihnen, dass sie hier mit lauter Profis am Tisch sitzen und keine Chance haben. Geben Sie die Esel der Lächerlichkeit preis. Verhöhnen Sie sie. Beschimpfen Sie sie lauthals als schlecht spielende Idioten, wenn sie ihre 1-3 Outer treffen. Schütten Sie ihnen Rotwein über die Hose.
Voller Genugtuung werden Sie die wachsende Aggression Ihrer Mitspieler beobachten können. Den entgangenen Profit durch den Abzug des Esels werden Sie mannigfach durch die Fehler der anderen Spieler reinholen, die sich durch abgrundtiefen Hass auf Sie zu den wirrsten Spielzügen verleiten lassen.
Konsequentes Anwenden dieser fortschrittlichen Gewinnmethoden wird Ihnen viele unvergessliche Stunden am Pokertisch bescheren. Bedenken Sie: Sie sind hier, um Geld zu gewinnen, nicht um neue Freundschaften zu schließen.

Ein Wort der Vorsicht:
Unter keinen Umständen dürfen obige Geheimwaffen in Pot-Limit-Omaha Partien angewandt werden. Hier könnte es zu unvorhersehbaren Nebeneffekten kommen, da die meisten PLO Spieler sich bereits über einen längeren Zeitraum kennen.
Ihre Dankbarkeit können Sie gerne auf diesem Forum zum Ausdruck bringen oder, falls Sie mich mal persönlich sehen, mir freundlich von Ferne zunicken

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