Kolumnen

Die Wahrheit – Reflektionen

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Als ich im Oktober 2007 anfing Artikel zu schreiben, hatte ich dafür mehrere Gründe.

1.    Ich hatte die letzten 7 Jahre ausschließlich im Ausland gelebt. Es fiel mir auf, dass ich des Öfteren in meiner Rede innehalten musste, da mir ein Wort entfallen war. Für mich ein untragbarer Zustand, da ich mich auf meine rhetorischen Fähigkeiten verlassen können möchte, und mich zu oft stammelnd und nach Worten ringend, wie ein Ausländer fühlte. Der Verlust der Muttersprache ist nur nach Einnahme großer Mengen alkoholhaltiger Getränke zu entschuldigen.
2.    „Wer schweigt stimmt zu.“ Ich hätte mich ja abwenden können von dem ganzen Schwachsinn, den selbsternannten Pokerautoritäten und cerebraldiarrhöisch geplagte Mitläufer von sich geben, aber mein Selbstwertgefühl zwang mich zur Meinungsäußerung.
3.    „Wer rastet, der rostet.“ Eine neue reizvolle Aufgabenstellung für mich, den Versuch zu unternehmen, meine Gedanken in Worte zu fassen und dem einen oder anderen vielleicht einen Gedankenanstoß zu geben oder zumindest einen Lachreiz zu erzeugen. Poker hat mir viel gegeben, es ist doch schön, wenn man etwas davon weiterreichen kann.
4.    Der Ehrgeiz den perfekten Pokerartikel zu schreiben. Ja, die Essenz meiner Gedanken in nur einem Artikel zu vereinen. Eine Zen-Übung, vergleichbar mit dem Malen des perfekten Kreises.
5.    Kommunikation mit meinen Lesern:
Wie schön, wenn meine zeitintensiven Bemühungen mit einem Kommentar honoriert werden. Dann weiß ich wenigstens, dass ich nicht nur gegen die Wand rede. Vielleicht sogar mal ein konstruktiver Meinungsaustausch ?

Mittlerweile sind 20 Monate vergangen. Ein guter Zeitpunkt für ein Resümee:

1.    Die sprachlichen Fähigkeiten scheinen soweit wiederhergestellt. Mission erfolgreich!
2.    Wie sagte Fritz Muliar in seiner Rolle „Der brave Soldat Schwejk“ unvergesslicherweise:
„Wieso sollte ich auf die Armee scheißen? Wenn ich auf die Armee scheiße, kommt auf den Einzelnen nicht sehr viel. Wenn aber die Armee auf mich scheißt. . . . . “
Die Analogie dazu ist, dass meine Bemühungen in dieser Richtung völlig sinnlos sind. Mission gescheitert !
3.    Ja, ich habe die Aufgabenstellung gelöst, glaube allerdings, dass meine Bemühungen auf unfruchtbaren Boden gefallen sind. Mission erfolgreich gescheitert !
4.    Mission gescheitert ! Den perfekten Pokerartikel gibt es bereits . Kuckst Du: http://davidzeitlin.com/2009/03/26/the-unbearable-lightness-of-poker
5.    Mission komplett gescheitert ! Ich muss ein geistesgestörter Sozialromantiker sein, wenn ich wirklich geglaubt habe, ich könne mit meinen Lesern kommunizieren. Ich glaube das Maximum waren drei Kommentare und davon wollte einer die Uhrzeit wissen.

Ja, wenn ich eine Frau wäre, da müsste ich nur einmal husten und alle Leser schreiben sich empört die Finger wund. Eine Frau, die Poker spielt und auch noch eine eigene Meinung vertritt ? Da sei Gott vor !
Vielleicht wäre ja auch das Feedback auf meine Artikel besser, wenn ich eine Vagina hätte…?

INTERVIEW MIT PIPPA MUFFY STEIN

Der bekannte plastische Chirurg Rocko Monte hat bei Herrn Marmorstein erfolgreich eine Totaloperation durchgeführt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Für Ungläubige hier der Beweis:

Nach erfolgreicher Geschlechtsumwandlung:

Der Heilungsverlauf ist sensationell und Pippa scheint ihre neue Konfiguration extrem schnell zu adaptieren.
Wenige Minuten später:

Wir treffen Frau Stein im Beisein von Herrn Notar Dr. jur. Petrus Findling an, der sicherstellt, dass Frau Stein frei von halluzinogenen Drogen ist. Anwesend sind weiterhin Herr Dr. Monte, falls medizinische Versorgung notwendig wird, sowie Herr Marmorstein, der das Interview durchführt.

PM: Ist Pippa clean?
PF: Ich habe die letzten zwölf Stunden mit Frau Stein verbracht. Die Nahrungsmittel und Getränke, die sie zu sich genommen hat, habe ich sämtlich vorgekostet. Sie hat sich die ersten zehn Stunden Realityshows auf RTL und SAT1 angeschaut, danach eine Stunde geduscht und bis zu Ihrem Eintreffen online gepokert. 92 Tische NLH gleichzeitig , Blinds 1c-2c , Endresultat war ein Gewinn von $2,84 . Zur Sicherheit hat Herr Dr. Monte noch eine Blutprobe entnommen.
PM: Ihr Befund Herr Doktor?
RM: Ein frisches Rot, mittlere Viskosität, hoher Hämeanteil, harzig in der Nase. Dominante Mineraltöne mit starken Rauchnoten, liegt schwer auf der Zunge und ist extrem zäh im Abgang. Alles in Allem ein frecher Tropfen.
PM: Danke Herr Doktor. Pippa, ich darf Sie doch so nennen, erst mal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Gewinn von $2,84.
PMS: Ihr seid alles blöde Wichser.
PM: Hilft Ihnen Ihre multipel gespaltene Persönlichkeit dabei, 92 Tische zur gleichen Zeit zu spielen?
PMS: Natürlich ist die Spalte gespalten. Habe ich doch gerade machen lassen.
PM: Aha. Spielen Sie oft online Poker?
PMS: Ich bin immer online. Durch meine weibliche Intuition bin ich mit der gesamten Welt verbunden. Auf einer Schwingungsebene. Ich spüre, wenn am Südpol ein Wal kalbt oder in der russischen Taiga das Gras wächst.
RM: Ich hätte gern noch ein Glas von dem Roten.
PM: Wie sieht Ihre nähere Zukunft aus?
PMS: Ich werde jetzt vermehrt live Turniere spielen und während ihr auf meine Titten schaut, nehm ich euch notgeilen Idioten das Geld weg.
PF: Ich verwehre mich gegen den Terminus „notgeil „.
PM: Notiert, Herr Notar. Pippa, haben Sie bereits einen Reiseplan?
PMS: Auch hier lasse ich mich von meiner Intuition leiten. Mein Hauptproblem ist, wie ich all die sexy Klamotten in meine 12 Koffer bringe.
RM: Herr Notar, Sie sollten kurz an die frische Luft gehen, Sie sehen sehr weiß aus.
PF: Danke, aber ich sehe immer so schlecht aus. Ich fühl mich am Besten, wenn ich mich am Schlechtesten fühle.
PM: Pippa, haben Sie schon einen Sponsor?
PMS: Mein Geschlechtsteil juckt !
PF: Können wir das bitte streichen!
RM: Welche Farbe ?
PMS: Das bedeutet, dass es regnen wird. Hoffentlich Geld.
PM: Pippa, Sie fallen durch einen passiv-aggressiven Stil auf , der mit verblüffend einfachen und dennoch komplizierten Spielzügen sämtliche Gegner verwirrt und langweilt. Unsere Leser brennen darauf zu wissen, wie Sie diese Technik entwickelt haben.
PMS: Ganz einfach. Eine Mischung aus Politik und Stricken: Eine links, Eine rechts und Eine fallen lassen.
RM: Herr Notar, soll ich Sie auch mal ein wenig anzapfen?
PF: Haha, das ist sinnlos. Ich bin völlig blutleer.
PM: Pippa, planen Sie bei anhaltenden Erfolgen Unterricht zu geben oder Seminare abzuhalten. Vielleicht sogar ein Bootcamp?
PMS: Nein, aber ich werde einen Vertrieb mit meinen benutzten Höschen starten.
RM: Hört sich lecker an.
PM: Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen und bedanke mich für das Gespräch.
PF: Danke für das Gespräch.
RM: Danke für das Gespräch.
PMS: Danke für das Gespräch.


Ich hoffe, Sie haben nichts von Alledem verstanden und spielen weiterhin Ihren geradlinigen verknöcherten Stiefel weiter. Nur so können ich und Gleichgesinnte überleben.

Phillip Marmorstein

6 KOMMENTARE

  1. Endlich mal wieder ein wirklich ernsthafter letztendlich hochanalytischer Beitrag, der die Pokerwelt festigen und moralisch stärken sollte!

    Direkter, offener und anschaulicher kann man das eigene Leid und die eigene Lust nicht ausdrücken. Der Beweis ist gelungen: Der Pokerspieler sucht beim Pokerspiel letztendlich immer auch seine Mama, seine Mama in sich selbst, und seine Mama im anderen.

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem Geniestreich!

    🙂

  2. Kommt mir irgendwie nicht so ganz koscher vor. Oder ist das Chuzpe?
    Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Phillip nicht.
    Ok, muss auch nicht sein. Aber regelmäßiger Stuhlgang wär doch ganz in Ordnung.
    Hat der wirklich DER Phillip Marmorstein geschrieben?
    Da isst einer sein ganzes Leben lang kein Schwein, weil trefe, und dann trifft ihn die Schweinegrippe mit voller Härte. Unbedingt impfen lassen. Und gute Besserung.

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