Kolumnen

Dream Team in Pokistan

Und da ich mich durchaus als the next Jamie Gold betrachte (rein erfolgstechnisch), gleich zwei Vegas-Aufenthalte pro Jahr jedoch nicht unbedingt sein müssen, machte ich mich auf den Weg zum europäischen Pendant – dem European Team Poker Cup (ETPC), powered by Checkraiser!

Mangels fähigem Berichterstatter vorort, will ich euch kurz über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Team Events informieren.

Nun, zumindest was Datum, Buy In (1500 € pro Team) sowie Spieleranzahl je Team angeht, konnte der ETPC durchaus gleichziehen.

Statt Las Vegas, Nevada, ging es 3 Stunden auf der A 6 von Stuttgart in Richtung Grenzgebiet – nach Rozvadov, Tschechien. Keine glitzernde Zockermetropole, sondern ein von baufälligen Gebäuden durchzogenes, heruntergekommenes Ostblock-Kaff in einer extrem ausladenden Gegend. Vereinzelt mischten sich knallbunte Fassaden in dieses triste Bild – Nightclubs, Gogo-Bars zur “Unterhaltung“ der (meist deutschen) Touristen.

Ebenso unwirklich mein Ziel, das Kings Casino ganz in grellem Gelb. In diesem hübschen kleinen, recht modernen Spieltempel sollte das Team Event stattfinden. Mit weniger als 10 Übernachtungsmöglichkeiten, die natürlich für Special Guests reserviert waren, konnte das Kings Casino dem Caesars (ca. 3300 Gästezimmer) nicht wirklich Konkurrenz machen. Ich wurde bereits einen Tag vor Beginn des Events dorthin beordert…Gott weiß warum.

Gegen 17 Uhr traf ich also ein, Spielbetrieb ging zu diesem Zeitpunkt, abgesehen von einem betrunkenen Blackjack-Highroller mit Privattisch, gegen null. Zwei Stunden sollte ich warten, bis sich genügend Spieler einfanden, um eine Partie Cash Game zu starten. Diese Zeit vertrieb ich mir mit dem hauseigenen Kings Poker – eine Art Caribbean Stud, welche wohl noch profitabler für die Bank ist als die ursprüngliche Variante. Nichtsdestotrotz schlug ich der Wahrscheinlichkeit gleich mehrmals ins Gesicht und ging tatsächlich mit dickem Plus aus diesem Dreckspiel.

Das anschließende “richtige“ Poker lief noch einen Tick besser, sodass ich meinen Gewinn ausbauen und mich erst gegen 5 Uhr von den Tischen trennen konnte. Mein Kollege im legendären Rookie-Dream-Team, welches ich anführen durfte, machte uns kurzfristig noch eine Unterkunft klar…und zwar auf der tschechischen Seite.

„ Haben Sie WLan?“ hätte ich mir sparen können, da es bereits an Warmwasser in dieser Absteige mangelte. Am nächsten Morgen kam ich entsprechend schwer in die Gänge; nur die Motivation, dieses Loch so schnell wie möglich zu verlassen, pushte mich extrem nach vorn. Irgendwann am späten Samstag Nachmittag startete dann endlich das Event.

Einige Teams hatten wohl kurzfristig abgesagt (auch Sido), sodass am Ende ca. 25 Teams standen – der garantierte Prizepool von € 50.000 wurde jedoch beibehalten.

Los geht’s!

Da es in letzter Zeit mit meiner Formkurve wieder leicht bergauf ging, war ich guter Dinge. Gemäß dem Turniermodus, konnten während der ersten 10 Level (Vorrunde) zunächst alle 3 Spieler jedes Teams mit einem 5000 Starting Stack das Multi Table Turnier beginnen.
Zwei Reserve Stacks durfte man, mit Genehmigung des Team Captains, als Rebuy in Anspruch nehmen. Meine Vorrunde verlief gut…fast schon sehr gut, da ich meinen Stack auf über 50000 ausbauen konnte. Das Finale wurde dann von nur einem Spieler pro Team bestritten; die Chips aller Spieler eines Teams warf man zusammen.

Da die anderen beiden Rookies insgesamt nur 10.000 ins Finale einbrachten, wobei sie auch die Extrastacks verballerten (diese elenden Fishe 😉 ), entschlossen wir uns, dass ich das Finale im Alleingang spiele. Aufgrund meiner recht komfortablen Ausgangslage (M von 20 +) sowie aggressiven, spielzerstörenden Semi-Shortstacks an meinem Tisch, hielt ich mich vorerst zurück und spielte sehr konservativ bis zum Final Table.

Dort angekommen, nun relativ short und im Push or Fold Modus, konnte ich glückerlicherweise meinen Stack ohne Showdown immer knapp unter Average halten. Die ersten 4 Plätze wurden bezahlt. Natürlich an der Bubble wurde dann erstmalig meine 3 Bet all-in gecallt. Verrückterweise hielten die Queens gegen A 8. Anschließend platzte die Bubble, als ich gegen Bobbi G, der im BB fast schon Auto-Allin war, mit AK antrat. Unangenehme Blinderhöhungen, wenig Handlungsspielraum, also: Lets Flip!

Hier waren meine Fähigkeiten leider sehr beschränkt und so musste sich „Team Rookie“ am Ende mit Patz 4 sowie € 5.000 begnügen. Wenn auch sehr überschaubar, so war der ETPC doch eine sehr ausgefallene, gelungene und nebenbei noch profitabele Veranstaltung.

Good Job!


2 Comments
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Uli T.
13 Jahre zuvor

Mann Mann, da veräppelste hier Deinen Arbeitgeber und holst dann doch gleich wieder Platz 4 für Ihn…. Das hat wenigstens Stil!!!!

Ziigmund
13 Jahre zuvor

tja – checkraiser ist nicht pokerstars… statt bellagio gibts halt eben eine tschechische absteige mit minus 3 sternen 🙂