Kolumnen

EPEC – das Ende der Warteschleife

Sie sorgen für unterhaltsame, unbeschwerte Cluburlaubsatmosphäre! Nach knapp einstündiger Busfahrt, im Chia Laguna Resort angekommen, sitzt der Werthan bereits bei einem Bierchen auf der Sonnenterrasse, was uns direkt zum Nachahmen inspiriert. Wie von einem Magneten angezogen gesellen sich Martin, Kersten und Anne zu unserem Bierkränzchen dazu. Menschen, so fremd und doch vertraut. Sie wirken auf mich wie Bekannte die man einige Jahre nicht mehr gesehen hat, und nun unerwartet hier auf der Insel wieder trifft. Wir ergänzen uns zu einem harmonischen Kollektiv.

Fast zweihundert Qualifikanten, verschiedenster europäischer Herkunft, mit Begleitung, genießen die kommenden Tage einen exzellenten Cocktail aus ausgelassener Partylaune, entspanntem Urlaubsfeeling und genialer Pokeraction. Die Begeisterung ist so strahlend wie die Inselsonne!

Am Ankunftsabend überrascht uns Everest mit einem fulminanten Stranddinner. Hier zwischen Wein, Vor- Haupt- und Nachspeisen, in den sardischen Dünen trifft man auf neugierige, interessierte Konversation: „woher kommst du?“ „bist du Spieler?“ „wie hast du dich qualifiziert?“…… usw. Nationale, sowie soziale Grenzen bersten, und Sympathien verschmelzen! Ein ganz besonderer, schöner Side Effekt, der Poker begleitet. Gesättigt wechseln wir die Kulisse: In der  Hoteldisco werden  Kalorien und die Anspannung, vor dem bevorstehenden Turnier, bis in die Morgenstunden abgeschüttelt!

Endlich ist es soweit! Der Tag der Tage! Auf den ich seit Januar hin gefiebert habe! EPEC Finale! In den zweckentfremdeten Räumlichkeiten der Disco ist mir der Tisch 13 Platz 8 zugelost worden. Auf Platz 9 wartet schon Raul aus Spanien, bekleidet mit einem regenbogenfarbenen Glitzerjackett, geschmückt mit einer medizinischen Halskrause! Einen kleinen Gummiglückshasen, dessen Ohren man über die Augen ziehen kann, hat er schon präventiv vor sich positioniert. Sein Showoutfit hatte mich zum Irrglauben verleitet,: er sei der Kartentrickkünstler und ich am falschen Platz. Liebenswert, harmlos, und kauzig sind Eigenschaften, die ihn beschreiben. Der Turnierstart offenbart sich als pulsierend, voller Leben – allerdings nur durch die Railbirds und Pressevertreter im Hintergrund.

Ein extremes Kontrastprogramm hingegen ist die anfängliche, totenstille angespannte Atmosphäre an unserem Tisch: vorsichtig tasten wir uns und unsere Spielweise gegenseitig ab, werden jedoch sukzessive gelöster und mutiger. Mehr als ein Blindlevel halte ich mich beobachtend  zurück und schaffe es in den folgenden Levels, resultierend   durch meine Erkenntnis, meinen Stack aktiv, sicher, showdown arm (meine Hole Cards waren auch überwiegend untauglich)  fast hälftig zu vermehren. Im Allgemeinen empfinde ich die Spielweise, bis auf die des italienischen Akteurs auf Platz 6, als ziemlich tight und ehrlich. Während ich geduldig auf bessere Karten und die damit verbundene Chance, einen riesengroßen Pot zu gewinnen, warte, schlittere ich unverhofft in folgende Konfrontation:

Erfreut halte ich in mittlerer Position AK offsuit, und setzte einen Standardraise von drei BB, der von einem Österreicher im Cutt off, eine wuchtige, bedrohliche Erscheinung, flott bezahlt wird.  Drei  kleine Wahrscheinlichkeiten, die ich nicht getroffen habe, liegen in der Mitte des ovalen Filzes. Während ich eine Contibet von 2/3 Potsize bette,  starre ich  meinen Kontrahenten mit versteinerter,  grantiger Miene an. Also Medusa hätte mich vom Fleck weg zur Schwester erkoren. Jedoch vollkommen unbeeindruckt kontert er mit einem Raise, das ich wiederum selbstbewusst überbiete. Umgehend, mit siegessicherem Grinsen stellt mir Herr Superhartnäckig, mit seinem „All-In Move“ dann die ultimative Frage: ob ich wirklich weiter im Turnier verweilen möchte? Jetzt werden meine Gehirnzellen kräftig strapaziert: wie wahrscheinlich ist die Wahrscheinlichkeit“, dass er getroffen hat, gar nicht treffen musste, respektive wie viele Outs hat er, habe ich? Viel zu viele Fragen ohne ausreichenden Antworten, aber nur einer vernünftigen Entscheidung: FOLD! Mein schöner Chipvorsprung –  futsch! „Nur nicht hängen lassen“, motiviere ich mich selbst.

Bedauerlicherweise haben wir zwischenzeitlich Señor Raul verloren, der zum  – gefühlten hundertsten Mal – seinen Lieblingssatz rollte: „de RRRRabit and I arrrrr all-in!“ Schade, AQ hatte ihm nicht geholfen! Langsam nähern wir uns auch  dem Preisgeld. Mit etwas Glück kann ich zweimal mit eigenem kleinen Stack die Katastrophe vor einem verfrühten Ausscheiden abwenden. Einmal trete ich als  Underdog mit AQ vs. AK an und gewinne mit der Dame. Ein nächstes Mal präsentiert mir die Varianz im Duell mit KJ vs. AQ den Buben. Und bevor ich meine  wenigen Chips  komplett verlieren kann, erlöst uns Thomas Kremser in dem er  mehrsprachig verkündet: „Die Bubble ist geplatzt“! Fortsetzung am Folgetag!

Werthans Einladung zur Beach Party – die auf seiner Dachterrasse stattfindet – rundet den Abend ab. Wenn man vorsichtig lauscht, kann man das Rauschen des Meeres hören. Im Mondschein genießen alle zehn Gäste  reichlich sardischen Rotwein, wir plaudern über Dinge, die die Welt nicht braucht und amüsieren uns dabei prächtig. Langsam beginnen die Konturen, durch den Alkohol und/oder der Dunkelheit, Müdigkeit zu verschwimmen, und ich falle in dieser Nacht in einen glücklichen, zufriedenen Schlaf.

Ein neuer hoffnungsvoller Tag beginnt. Bevor es nachmittags ins Turnierfinale mit den 36 verbleibenden Protagonisten geht, hat Everest einige kleine Abenteuer für Alle vorbereitet. So können die Einen sich im Heads-Up gegen die Everest Pros im Outdoor Poolbereich duellieren. Andere finden mit Mentaltraining psychologischen Support oder beim Fußballmatch ausreichend Bewegung. Und wie schon am Vortag werden für Pokerfans, die nicht (oder nicht mehr) am Mainevent teilnehmen, S&G´s sowie am frühen Abend auch noch ein MTT angeboten.

Für mich und die übrigen 35 Finalisten stellt sich nun die erfreuliche Herausforderung: Wie mache ich aus 400 Euro 21.000 Euro? Direkt mit meiner ersten Hand, 6,4 in Kreuz calle ich ein All-In aus dem Big Blind mit mickrigen vier BB. Wie vermutet pushte mein Gegenspieler, der noch einen wesentlich gesünderen Stack als ich hatte, mit Overcards – AQ off suit . Die Chips wandern ungerechterweise, durch getroffenes two Pair in meine Richtung. Aber leider gerät mein Aufstieg dann doch ins Wanken und ich stürze nach längerer Durststrecke mit K, 5 endgültig auf Rang 30 ab! Meine erste düstere Enttäuschung über mein Ausscheiden  weicht jedoch schnell gesunder Dankbarkeit, denn alle Akteure waren ja bereits mit der Reise zum grandiosen Everest Spektakel Sieger! Im Partyrausch  des Abends ist dann der „große Gewinner“, ein Schweizer, ermittelt worden. Glückwunsch! Siegesfeiern, Abschiedsfeiern, was auch immer, reichen noch feucht fröhlich hinein bis in den Morgen.

Ich hoffe im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen, denn den Gerüchten nach heißt es: EPEC in Venedig! Ach könnte ich nur die Vorspultaste drücken…


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