Kolumnen

Viva La Vida – Viva Las Vegas

Die wichtigsten, schönsten, aufregendsten und schlimmsten Wochen im Jahr eines Pokerspielers stehen an: Die World Series of Poker. Für mich ist es mein 6. Anlauf. Seit 2004 bin ich jedes Jahr im Sommer zur Weltmeisterschaft in der Stadt der tausend Lichter. Und jedes Jahr bläst sie mir meins aus. Ich hatte noch nie ein Jahr, bei dem ich aus Vegas mit Plus nach Hause kam.

Im Gegensatz zu einigen Anderen liegt das bei mir noch nicht mal an anderen, verlustreichen Spielen, wie Craps, Roulette oder Spearmint Rhino. Auch nicht an exzessiven Party-Gelagen. Sondern eanainzig und allein an meinen Pokerverlusten.

Das schlimmste Jahr war 2007. Da habe ich 16 Turniere gespielt, war 17 mal all-in und habe 16 davon verloren. Das ist gar nicht so einfach. Wenn man immer als 20/80 Underdog reinstellt, dann sollte man trotzdem 3 davon gewinnen. Und meistens war ich sogar Favorit.

Letztes Jahr habe ich dann wenigstens in den beiden größten Turnieren der sieben Wochen gecasht. Einmal im 5000er NLHE, einmal im Main Event. Trotzdem bin ich auch letztes Jahr mit gutem Minus wieder in Deutschland aufgeschlagen. Und völlig fertig.

Nun ist man es als Pokerspieler ja gewöhnt, aus Turnieren rauszufliegen. Aber Vegas ist schlimmer und härter. Soviele Turniere in kurzer Zeit. Dazu noch diese pulsierende, spannende und wahnsinnig anstrengende Stadt. Aus allen Richtungen wird man mit Geld und Sex bombardiert oder zumindest den Versprechungen danach. Bei 6-7 Wochen Vegas habe ich mindestens einen Lagerkoller. Geht gar nicht anders.

Immerhin mieten wir uns seit drei Jahren immer ein Haus. Kostet zu fünft, siebt, oder mehr genauso viel wie wochenlanges Hotel, ist aber angenehmer. So kann man auch mal „zuhause“ abhängen, wenn es ein paar Tage lang schlecht lief. Und kochen kann man auch.
Aber soll ich euch was verraten? Ich freue mich wahnsinnig.

Die Vorbereitung dieses Jahr war schon besser. Eine Woche Training mit George „pusteblume“ Danzer. Wir haben auf der Driving Range über Hand Ranges gesprochen, auf dem Golfplatz über Löcher im Spiel, beim Tennis über aggressive vs. defensive Strategien diskutiert und beim Anstehen an der Bar im Club über Lines.
Zum Abschluss haben wir Sonntag abends 8 große Sonntagsturniere gespielt. So gut wie selten. Kein Cash. Macht aber nichts. Beim Poker kann man es ja nicht erzwingen, nur möglichst gut vorbereiten.
Der Comic Relief in der Halbzeit ist auch eingeplant. Nach zweieinhalb Wochen WSOP kommen unsere beiden Traumfrauen rüber. Dann ist ausspannen und feiern angesagt, Erholung und Ermunterung. Danach geht es in den Endspurt.
Meine Vorhersage: George wird eine grandiose WSOP haben. Er hat die SCOOP dominiert, auf den Bahamas und in Monte Carlo gecasht, ein paar andere Male fast im Geld. Und strotzt vor Selbstvertrauen. Zu Recht.

Ich auch. Ich habe nach der Trainingswoche den Eindruck, einen großen Schritt weitergekommen zu sein in meinem Pokerspiel. Jetzt muss ich es nur noch abrufen.
Wir werden irgendwo um die 10 Events spielen, nebenher Cash Game und online. Bei mir werden es wohl fast ausschließlich NLHE-Turniere, George spielt nach den Erfolgen in der SCOOP auch andere Varianten.
Wie immer wird das Main Event die Letzte Große Hoffnung sein. Die letzte Chance, sich in die Poker-Annalen einzugravieren. Die letzte Möglichkeit auf einen großen Gewinn.
Bis dahin werden wir aber sicher einige Abenteuer erleben, viele Niederlagen, viele Erfolge und viele Anekdoten. Ich freue mich schon, davon zu berichten.

Bis dahin,

Euer Jan.


2 Comments
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Isi
11 Jahre zuvor

Viel Spaß in den „Poker-Analen“ 😉

GermanHawke
11 Jahre zuvor

solange es nicht mein arsch ist *lol*