Kolumnen

Zum Focus-Titelthema „Trainieren Sie Ihren Zukunfts-IQ“

Tolle Zitate säumen den Einstiegstext:

„Das Gehirn ist wie ein Werkzeug, das sich an alle neuen Situationen anpassen kann“ Wem es gelingt, sich bis ins hohe Alter für Neues zu begeistern, wird sich ohne Probleme in der Zukunft zurecht finden, erklärt Gerald Hüther, Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung. Weiter meint er: „Nur wer die Angst vor der Technik kultiviere, bekomme ein Problem.“

Volker Stein, Betriebswirtschaftsprofessor an der Universität Siegen meint: „Kopfarbeiter müssen ein starkes Interesse daran haben, ihr Wissen fortwährend zu vertiefen und zu vernetzen, damit sie die Tragweite von Entscheidungen erkennen.“

Beides unterschreibe ich ohne Wenn und Aber und beides hat Relevanz für den modernen Pokerspieler. Er ist geistig in Bewegung, offen für neue Ideen, ruht sich nicht aus im aktuell vielleicht lukrativen Spiel.

Wenn ich an anderer Stelle im Text lese, dass sich das Hirnareal zur Steuerung des Daumens von Jugendlichen in den letzten Jahren signifikant vergrößert hat, weil so viel ge-sms-t wird, dann glaube ich, dass mein stärkster Gehirnmuskel inzwischen klar das Areal ist, in dem das Multiplizieren und Addieren von einfachen Prozentzahlen ausgeführt wird. Erwartungswerte habe ich wahrlich viele gebildet in den letzten Jahren, bestimmt mehr als selbst quassligste Kids an Kurznachrichten produzieren.

Interessant finde ich auch einen Abschnitt im Text der Masstabling-Bezug hat. Es wird eine Büroalltagssituation beschrieben, in der jemand gerade eine email tippen möchte, ein Kollege etwas fragt und das Telephon klingelt. Man habe „das Jonglieren mit Informationen als intellektuelle Übung zu sehen“. Der Gedanke ist zielführend. Entscheiden muss ich die Dinge ja ohnehin, warum nicht mit dem Ansporn es als Training denn als Stress zu empfinden? Wir zahlen den Fitnessclub, wollen aber den Wasserkasten ungern die Treppe hoch tragen?! Sähe ich dies als Training, sparte ich mir den Mitgliedsbeitrag und meine Frau freute sich. Alles wäre gut.

Was sind nun die 7 Fähigkeiten, die uns fit für die Zukunft machen?

Lernfähigkeit
Multitasking
Belastbarkeit
Teamfähigkeit
Flexibilität
Entscheidungsfreude
Kreativität

Zur Lernfähigkeit ist nicht viel zu sagen. Alles liegt auf der Hand. In der Passage über Multitasking erscheint mir ein Satz besonders wichtig: „Erledigen Sie nur vertraute Aufgaben parallel. Diese schafft das Gehirn auch mit halber Kraft.“ Ein sehr guter Grundsatz zur Frage wie viele Partien man gleichzeitig spielt.

„Stress ist wie eine Violinensaite. Ohne Spannung gibt es keine Musik. Wird die Saite zu sehr gespannt, reißt sie.“ meint der Psychotherapeut Allen Elkin zur Belastbarkeit. Wie recht er doch hat. Wie teuer spiele ich? Wie lange? Wie intensiv? Wann droht mir Überlastung? Ein wichtiges Thema, das meist unter den Teppich gekehrt wird, aber bei Missachtung bares Geld kostet.

Teamfähigkeit ist am Pokertisch selbst kaum von Nöten, ist es doch ein Spiel jeder gegen jeden. Dennoch lernt man im Austausch mit Gleichgesinnten wesentlich effizienter denn rein aus eigener Kraft. Flexibilität findet unmittelbar ihren Platz, wenn es darum geht, was einen Pokerspieler erfolgreich macht. Gewinnstrategien erkennen, sie umsetzen, sie aber auch wieder sein lassen, wenn sie nicht mehr taugen. Das ist Poker.

Nun zur Entscheidungsfreude. Allein dieser Begriff rechtfertigt die Aufarbeitung des Artikels im Pokerkontext. Poker ist ein Entscheidungsspiel. Man spielt mit Entscheidungen. Spielen soll Freude machen. Um als Spieler erfolgreich zu sein, sollte man Freude empfinden, entscheiden zu dürfen.

Konkret möchte ich folgenden Auszug aus dem Interview des Focus mit dem Gehirnforscher Gerhard Roth zitieren:


Focus: Wie viel Ratio enthalten unsere Entscheidungen und wie viel Emotion?

Roth: Emotionen sind immer notwendig, um überhaupt etwas zu tun – die reine Vernunft ist wirkungslos. Ihre große Leistung ist es, Möglichkeiten und Alternativen und deren jeweilige Konsequenzen aufzuzeigen. Welche Möglichkeiten wir dann akzeptieren, wird dann immer emotional entschieden. Wir können also rein emotional, aber nicht rein rational handeln.

Focus: Was macht einen guten Entscheider aus?

Roth: Er oder sie muss zum Beispiel vom Naturell her die Fähigkeit haben, einen kühlen Kopf zu bewahren, das heißt, sich nicht starken unmittelbaren Impulsen hingeben. Diese Stressresistenz und Impulshemmung wird sehr früh in der Kindheit geprägt und ist auch zum Teil über das Temperament angeboren.


Ich hoffe, euch ein wenig Interessantes ans Herz gelegt zu haben. Den kompletten Artikel findet Ihr hier.

Ich entscheide mich jetzt mal für einen Kaffee, das recht emotional und dabei hoffentlich gut.

Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de


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