- Gefährliches Spiel: Boris Becker gerät im Gefängnis beim Poker in die Fänge krimineller Mitinsassen.
- Bedrohung durch Schulden: Poker-Schulden von 500 Pfund brachten Becker in Lebensgefahr.
- Seelische Narben: Auch drei Jahre nach seiner Haft leidet der Ex-Tennisstar unter den psychischen Folgen.
Der einstige Wimbledon-Sieger und langjährige Poker-Enthusiast Boris Becker sorgt mit Enthüllungen aus seiner Haftzeit in einem britischen Gefängnis für Schlagzeilen. In Interviews mit dem SZ-Magazin sowie in seinem neuen Buch Inside beschreibt der mittlerweile 57-Jährige eindrücklich, wie ein scheinbar harmloses Kartenspiel unter Häftlingen ihn in ernsthafte Schwierigkeiten brachte.

Ein verlorenes Pokerduell gegen eine Gruppe rumänischer Insassen endete demnach mit einer Schuld von 500 Pfund. Hört sich nach wenig an, ist in der Haft allerdings alles andere als eine geringe Summe. Die Gegenspieler, laut Becker „echte Kriminelle“, suchten ihn in seiner Zelle auf und bedrohten ihn massiv. Letztlich musste ein Freund von außen einspringen und das Geld überweisen, um Becker vor körperlichen Konsequenzen zu bewahren.
Eiskalte Nächte, schlaflose Gedanken
Neben den finanziellen Bedrohungen hinter Gittern offenbart Becker auch die psychische Belastung während seiner achtmonatigen Haftstrafe. Die Nächte beschreibt er als verstörend. Immer wieder seien Schreie durch die Gänge der Zelle gehallt, als ob Menschen um ihr Leben flehten.
Vor Kälte und Angst schlief er schließlich in voller Montur. Jogginganzug, zwei Jacken, zwei Paar Socken und ein Handtuch um den Kopf gewickelt. In den ersten vier Wochen verlor er sieben Kilogramm. „Das Gefängnis frisst deine Seele auf und kocht deinen Verstand“, fasst er seine Eindrücke zusammen. Bis heute leide Becker unter den Nachwirkungen. Er schlafe nur bei geschlossener Tür und fühle sich nach eigenen Worten verändert.
Vom Tennisplatz an den Pokertisch
Dass Becker sich überhaupt auf die gefährlichen Gefängnisspiele einließ, lag an seiner alten Leidenschaft. Seit seinem Rückzug vom Profitennis im Jahr 1999 war er regelmäßiger Gast auf Pokerturnieren, unter anderem bei der WPT und der EPT. Zwischen 2007 und 2014 war er sogar Markenbotschafter für PokerStars, später auch für GGPoker. Seine Live-Turnier-Cashes belaufen sich laut The Hendon Mob auf rund 111.000 US-$.
Hinter Gittern war Poker allerdings kein spaßiges Event, sondern eine riskante Ablenkung vom tristen Alltag. Im Nachhinein bezeichnet Becker seine Teilnahme als „dumm“. Er habe die Härte seiner Gegenspieler drastisch unterschätzt.
Gefängnis wegen Insolvenzverschleppung
Beckers Haftstrafe resultierte aus mehreren Verstößen gegen das britische Insolvenzrecht. Nach seiner Privatinsolvenz 2017 wurde ihm vorgeworfen, Vermögenswerte in Millionenhöhe verschwiegen zu haben, darunter eine Immobilie in Leimen (Baden-Württemberg) im Wert von rund 1 Million Pfund, ein privater Kredit über 700.000 Pfund sowie Anteile an einer Tech-Firma.
Zahlungen an Familie und Bekannte in Höhe von fast 400.000 Pfund verschärften die Lage zusätzlich. Das Gericht verurteilte ihn 2022 zu zweieinhalb Jahren, von denen er nur acht Monate tatsächlich absitzen musste.