Kolumnen

Der Schweizer Pokerexpress ins Exil

Die Eidgenössische Spielbanken Kommission (ESBK) und der Schweizer Casinoverband sind zwei „Stellen“, welche örtlich fast dieselben Adressen aufweisen. Ab und zu findet sogar beim Casinoverband ein Apéro statt, wo sich neben den Mitglieder dieser Vereinigung, vielleicht auch die Angestellten der ESBK blicken lassen. Natürlich ist dies ist eine Mutmassung, denn sie müssen ja auch arbeiten; nur scheint mir, nicht sehr erfolgreich.

So hat die ESBK diverse Razzien durchgeführt und eigentlich nur harmlose Stätten wie Otherpoker in Basel durchsucht. Cashgameclubs wie das Limelite in Dübendorf waren am selben Tage eher Zufallstreffer, weil die Polizei eigentlich eine „Personenkontrolle“ durchführen wollte und man überrascht war, dass da eine Pokerpartie stattfand. Wie sollte die ESBK auch gleich an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig zuschlagen, das wäre schon etwas viel….

Otherpoker in Basel ist wieder jeden Freitag geöffnet und die Infrastruktur wurde innerhalb von zwei Tagen wieder teilweise zurück erstattet. Nur die Pokertische hat man wegen „Wiederhohlungstatsmöglichkeiten“ einbehalten. Unverständlich, denn Pokerpartien ohne Geldwerte sind weiterhin erlaubt. Im anderen erwähnten Club, wurden die Tische erst gar nicht konfisziert. Anzeige bei der Cashgamepartie wurde nicht erstattet, jedoch dürfte Otherpoker eine Verzeigung blühen. Natürlich fragt sich der Aussenstehende mit welchen Ellen da gemessen wird.

Auch Herr Marc Friedrich vom Schweizer Casinoverband hat damals erklärt, dass die Lücke geschlossen und Pokerturniere mit kleinen Buyins von den Casinos angeboten werden. Bisher ist dies eine Fehlanzeige und schuldig bleibt er noch bis wann dies realisiert wird. Ich frage mich, ob er weiss wieviel ein Pokerturnier mit guter Struktur überhaupt an Aufwand kostet. 50’000 Pokerspieler warten gespannt auf diese Realisation. Bis dahin muss jeder Schweizer Pokerspieler welcher kleine Buyins spielen will reisefreudig sein, und nach Oesterreich ausweichen.

Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, findet am 28. Juli bis zum 1. August 2011 eine Reise ins Pokerexil statt. Für 168 Schweizer Franken Reisekosten können Pokerspieler mit dem „Zug ins Pokerexil (Anmeldung hier)“ ein Wochenende in Oesterreich verbringen. Unterkunft kommt noch dazu und man kann dort dann auch niederpreisige Turniere und Cashgames spielen. Ok es findet dort auch das ALPS-Turnier statt und das Buyin ist mit 1100 Euro nicht klein. Der eine oder andere wird auch dieses Turnier sicher spielen, aber insgesamt finde ich die Idee des Pokerzugs eine tolle Sache.

Die ESBK und der Schweizer Casinoverband verhindern in der Schweiz weiterhin legales Turnierpoker ausserhalb der Casinos. Mit dem Casino Schaffhausen und dem Grandcasino Baden gibt es jedoch zwei Casinos welche Poker anbieten. So finden in Baden tägliche Turniere statt und an Ostern in Schaffhausen (Anmeldung hier) das erste grössere Turnier welches übrigens von einer externen Organisation um das Pokerpalace Team organisiert wird.

Eine gute Struktur will auch bezahlt werden:

Neben dem Buyin von 350 Franken kommen noch 50 Franken Kosten dazu. Wer die Aufschlüsselung, 14 Franken Rake und 36 Franken Eintritt in die Pokerräumlichkeiten analysiert, merkt schnell was das Problem ist: Rake ist für die Casinos zu vierzig bis achtzig Prozent steuerbelastet. Natürlich könnte mit diesem „Eintrittsgeldtrick“ auch in anderen Casinos Turnierpoker mit guten Strukturen kostendeckend angeboten werden.

Es bleibt also abzuwarten, ob die Casinos vermehrt Turniere mit fairen Strukturen anbieten, welche den guten Spieler bevorteilen. Dann hätte man nämlich auch den Beweis, dass Turnierpoker überwiegend vom Können beeinflusst wird, wenn immer dieselben gewinnen. Die Eidgenössische Spielbankenkommission könnte dann diese Ergebnisse vorweisen und diese auch bei einem Untrunk am nächsten Apéro des Casinoverbands präsentieren und vielleicht sogar die Rake für Pokerturniere in den Casinos merklich reduzieren. Dann hätte der Schweizer Casinoverband und die ESBK endlich gemeinsam ein Erfolgserlebnis.

Cheers

Martin Bertschi

    Martin Bertschi

    Scharfzüngige Schweizer Spieler, welcher Online und Live vom Pokerspiel sich den Lebensunterhalt verdient.

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