Kolumnen

Die weltweite Wahrheit von Schaffhausen und die Weitsicht der Rechtskommission

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Im Casino Schaffhausen heißt es Ende Februar „Game over“ für die kleinen Montagsturniere um 120 Franken. Die beliebten Pokerturniere, waren mit durchschnittlich sechzig Teilnehmern sehr gut besucht. Man musste schnell eingestehen, dass man trotz hoher Rake für die Spieler,  es sich wegen mangelnder Kostendeckung für das Unternehmen nicht lohnt,  regelmässig Poker zu betreiben. Deshalb werden zukünftig ab März 2012 nur noch Turniere mit höheren Buy-ins alle paar Monate angeboten.

Es wird in der Schweiz wiederum ein Angebot abgebaut, die Illegalität, das Internet oder das Ausland ruft, wenn man nicht mit allzu grossem Geldbeutel Poker spielen will. Dabei würde es so viele interessierte Unternehmer geben, welche Pokerturniere bis 500 Franken anbieten und dies mit hohen Suchtpräventionsmassnahmen und Ethikvorschriften zur Sicherheit der Spieler. Neue Jobs würden geschaffen und der Schweizer Staat würde durch Steuern oder Sozialabgaben profitieren. Eigentlich eine Win-Win Situation.

Genau richtig kommt daher auch der Bescheid der Rechtskommission des Schweizer Nationalrats. Dies sind 25 Nationalräte aus unterschiedlichen Parteien, welche ohne eine Gegenstimme den Bundesrat beauftragen, ausserhalb von Spielbanken Pokerspiele mit kleinen Einsätzen und Gewinnmöglichkeiten zu organisieren.

Diese Motion steht unabhängig zur kommenden Abstimmung am 11. März 2012 der Initiative „Für Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls“, welche von den Parteien nicht bestritten wird. Sie hat deshalb gute Chancen beim Stimmvolk für eine Annahme. Darin verankert ist auch ein Abschnitt zur Legalität von privaten Pokerturnieren.

Mit diesen zwei politischen Möglichkeiten (Motions- und Initiativweg), könnte sich für die Wiedereinführung von kleinen Pokerturnieren in der Schweiz generell im Jahr 2012 wieder etwas tun, so dass eventuell schon im nächsten Jahr wieder legal gespielt werden könnte.

Die Casinos haben bewiesen, dass sie nicht interessiert oder nicht fähig sind Poker marktgerecht anzubieten. Poker wird von vielen Casinos als ein Marketinginstrument verstanden, um frische Spieler für die anderen ruinösen Spiele wie Roulette oder Automaten zu generieren. Ob sich dies wirklich lohnt , könnte man sich am Beispiel des Casinos Schaffhausen überlegen oder nachfragen.

Ganz gespannt darf man jetzt wiederum auf die „Gegenmassnahmen“ des Casinosverband sein. Ob sie wiederum für viel Geld einen Lobbyisten oder einen Projektleiter für die Bekämpfung gegen privates Poker engagieren um den „Marketinggag Poker“ aufrecht zu erhalten, bleibt abzuwarten.

Diesen Job würde ich wegen mangelnden stichfesten Argumenten nicht machen wollen. Aber bei einem Relationmanagerjob zu den privaten Pokerveranstaltern, da wäre ich sofort dabei.

Cheers

Martin Bertschi

10 KOMMENTARE

  1. Kurzfristig gesehen schade, dass Schaffhausen die Pokerturniere hinschmeisst. Vor allem, weil es das einzige Casino war, dass hinsichtlich Struktur und Organisation noch überzeugte. In Luzern stimmt die Struktur auch, das Rake ist mehr als ok, aber leider lässt die Qualität der Dealer zum Teil zu wünschen übrig. Und Baden? Abzocke und Donkey-Struktur!

    Mittelfristig betrachtet dient diese Resignation uns „Volks-Pokerern“. Damit dürfte auch den letzten Verfechtern des Verbots langsam klar werden, dass Turnier-Poker nicht ins Casino gehört.

    Ich würde mich freuen, wenn es bald wieder los geht mit legalen Pokerturnieren. Bei Veranstaltern, die diese primär aus Freude zum Spiel und mit Leidenschaft durchführen. Im Gegensatz zu den Casinos, die einzig und allein junge Leute ins Casino locken wollen, um diesen das Geld bei idiotischen Glücksspielen aus der Tasche zu ziehen.

    Ich habe fertig!

  2. Gerne retour zu den privaten Anbietern, hier aber ein grosses Hallo: gegenüber früher muss eine eigentliche deutliche Zäsur betrieben werden, zuviele lusche, halbseidene bis dunkle Anbieter waren damals auf dem Schweizer Tapet, entsrpechend auch die Teilnehmer! Saubere Spiele in sauberer Atmosphäre, mit Schwarzen Listen gegen Leute, die gegen das Verhaltens-Etikett verstossen, die in den Casinos gesperrt sind und welche Stunk und Radau machen!

  3. @Geno: Grundsätzlich kein schlechter Gedanke. Wobei die Geschichte zeigt, dass bei genügend Anbietern sich der Markt von alleine reguliert und die Schwachen hinten raus fallen. Oder anders gesagt: Wenn dann alle zwielichtigen Genossen bei den halbseidenen Luschen sind, ist’s auch recht! :-)

    Aber du hast schon recht. Die Veranstalter sollten sich vernetzen, um schwarze Schafe ausfiltern zu können. Am besten mittels eines Verbandes, der gewisse Standards und Richtlinien abverlangt.

  4. Weils die Wahrheit war, wurde der Beitrag gelöscht, echt schade;-) Überhaupt nichts ehrverletzendes dabei! Aber stellt euch auf die Seite der „Illegalen“, das ist ein gutes Beispiel das Poker weiterhin in die Schranken verdrängt gehört, wenn`s so läuft!

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