Kolumnen

Doch kein Pony

Im Prinzip und so generell betrachtet, hat ja vieles geklappt. Bargeld, schnelle Autos, Schweizer Chronometer, Schmuck, Blumen, Pralinen. Nur ein Pony gab es nicht. Der Wunsch war da, der Wunsch war groß.
Aber nein, es gab kein Pony.

Für die Kartenfetischisten, die sich hier zuhauf auf dieser Kartenfetischistenseite tummeln, ist das Pony gleichzusetzen mit Pik. Das gewünschte und benötigte Pik auf dem River. Pik musste es sein. Aber nein, es gab kein Pik. Der Wunsch war da, der Wunsch war groß. Stattdessen Karo. Die tatsächlich beschissenste aller Farben. Wenn Pik ein Pony ist, so ist Karo ein taubstummer, dreibeiniger Hamster.

Kein Pony, kein Gewinn. Und, ja, ich freue mich für dich; schön, dass du runner-runner noch deinen Buben getroffen hast. Ich bin gerne Bubble Boy, lass doch die anderen auch mal gewinnen. Final Tables sind eh überbewertet. Nein, ich bin dem Depp auf Platz 2 nicht böse – ich fand sein permanentes Runtergecalle strategisch hervorragend gespielt. Ich habe davon gelernt. Es war doch klar, dass er auf dem River den Buben trifft. Der Bessere hat halt gewonnen. Sätze voller Scham, voller Lügen. Würde ein wirklicher Kartenfetischist niemals sagen. Ebenso wenig wie „Ich finde Poker im Prinzip total dämlich. Ich spiele auch heute nur, weil mein Kumpel nicht alleine gehen wollte“.

Ich hab noch nie einen Dollar irgendwo eingezahlt. Ich hab meine Bankroll total im Griff. Ja, ich hatte die Asse – good Fold. Heute abend komme ich nicht zum Ranglistenturnier. Ich lese lieber ein gutes Buch. Alles herausragende Stilblüten des Pokersprechs. Solange Pik kommt. Ansonsten sieht das Leben anders aus.

Das ist wie mit dem Pony. Ja, ich will ein Pony. Und Bargeld. Die Pralinen kannste behalten.

 


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