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Edgar Stuchly im Interview – „Das hat nichts mit Trägheit zu tun“

Heute beginnt wieder die Casinos Austria Poker Tour in Seefeld. Zu diesem Anlass sprachen wir mit Poker-Chef Edgar Stuchly über Vergangenes und die Zukunft, über Dinge, die funktionierten und über welche, die nicht so gut funktionierten.

Edgar StuchlySagt man eigentlich CAPT oder CÄPT? Egal, heute beginnt sie wieder. Gibt es irgendetwas Neues? Ich hab ja den Eindruck, dass es jedes Jahr weniger Stationen werden.

Eigentlich heißt es CAPT, aber wir verstehen auch CÄPT. Der Eindruck täuscht: Die Tour hat im ersten Jahr (2008) aus 6 Events bestanden. Im Folgejahr haben wir dann Seefeld dazu genommen, worüber wir heute sehr glücklich sind. Seefeld hat sich zum absoluten Hot Spot entwickelt. Graz wird es heuer nicht mehr geben, sondern wir sind in Kitzbühel zu Gast. Ich glaube, dass wir für Kitzbühel ein schönes Paket geschnürt haben. Vom 24. bis zum 28. August – das ist auch zufällig das Hansi Hinterseer Wochenende, wird die Stadt voll sein.

Das ist die Wanderung mit Hansi Hinterseer und zehntausend Groupies auf irgendeinen Berg.

Genau, da wird der Bär los sein. Wir haben deshalb auch schon einen Super-Deal mit zwei Top-Hotels für unsere Gäste verhandelt. Das Schlosshotel Lebenberg ist ein 5* Hotel mit Pool auf der Dachterrasse und Blick über Kitzbühel. Das gibt es zu einem wirklich tollen Preis. Wir denken, dass Kitzbühel sich gut entwickelt und zu einer fixen CAPT-Station wird.

Das Geld ist dort ja vorhanden.

Ich denke schon. Ich glaube aber nicht, dass viele Einheimische beim Main Event mitspielen werden. Das Stammklientel der CAPT sind Spieler aus Mitteleuropa, die gezielt zur Veranstaltung anreisen. Kitzbühel hat einen guten Namen und das erste Feedback der regelmäßigen CAPT-Spieler ist durchaus positiv.

Man hat den Eindruck dass die Teilnehmerzahl bei der CAPT wie der restliche Pokermarkt auch stagniert. Zu viele Turniere bei immer weniger Spielern. Ist die CAPT Graz ein Opfer dieser Entwicklung?

In Graz war auch das Datum ein wenig ungünstig, da es zum gleichen Zeitpunkt an vielen Orten Turniere gegeben hat. Dort haben wir es leider nicht geschafft, das Pokerspiel im Casino zu etablieren. Wir haben auch bei der CAPT relativ wenig Klientel aus der Region gehabt.

Das Alpha-Casino in Graz dürfte aber florieren. Zumindest ist es gut besucht, wann immer ich dort war.

Ich glaub nicht, dass die Konkurrenzsituation der ausschlaggebende Punkt für die bescheidenen Zahlen der CAPT Graz war. Auf die CAPT kommen ja im Normalfall sehr viele Stammgäste. Die unerfreuliche Entwicklung der CAPT Graz hat andere Gründe.

Die da wären?

Es gibt einfach zu wenig Gäste im unmittelbaren Einzugsgebiet, die Turniere mit höheren Buy-ins spielen. Die CAPT Graz hat sich von Anfang an leider in die falsche Richtung entwickelt. Alle CAPT-Stationen sind in den ersten Jahren immer stärker geworden und Graz immer schwächer. Deshalb haben wir jetzt die Konsequenz gezogen.

Du siehst also Graz nicht als Platzhalter für einen stagnierenden Markt. Weshalb werden es deiner Meinung nach immer weniger Spieler und warum?

Ich glaube schon, dass der Markt stagniert und und es für die Anbieter immer schwieriger wird, entsprechende Teilnehmerzahlen zu erreichen. Es gibt immer weniger neue Spieler und immer mehr Angebot. Heute finden an jedem Wochenende in Europa mindestens zwei Main Events statt und unzählige Turniere mit kleinen Buy-ins. Manche Spieler schränken ihr Spiel entweder aus finanziellen oder aus Motivationsgründen auch einfach etwas ein.

Wie ernst nehmen die Casinos Austria den Pokerspieler oder anders gefragt, ist Poker der Schrittmacher für das stagnierende klassische Spiel?

Wir nehmen die Wünsche und Anregungen der Pokerspieler sehr ernst und versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten darauf zu reagieren. Es ist richtig, dass die Nachfrage nach den klassischen Casinospielen wie Roulette oder Black Jack in den letzten Jahren leicht rückläufig war. Das kann sich aber auch wieder ändern.

Die privaten österreichischen Casinos bieten €1/2 an. Bei den Monopolisten, auch in Deutschland, heißt es immer wieder das sei nicht lukrativ.

Naja, Monopolist – wir sind zur Zeit das einzige Unternehmen in Österreich das eine Casinolizenz hat…aber zur Frage: Es ist auch nicht lukrativ und daher eine strategische Entscheidung. Kurz vor Weihnachten haben wir in einigen Casinos das Angebot erweitert und bieten auch €1/2 an. Wir entsprechen auch da einem Kundenwunsch. Wie sich das ganze entwickelt, werden wir sehen.

Ist das nicht ein wenig träge? Die privaten Casinos bieten schon lange €1/2 an und erst jetzt reagieren die Casinos Austria darauf?

Das hat nichts mit Trägheit zu tun. Die Spielweise hat sich stark verändert. Die neue Generation von Pokerspielern spielt viel mehr Hände und die Pots erreichen dadurch auch bei kleineren Blinds eine entsprechende Höhe. Dadurch können wir dieses Limit auch erst jetzt kostendeckend anbieten.

Wie siehst du persönlich die Situation zur Lizenzausschreibung mit Novomatic und den Casinos Austria? Was eben so gesprochen wird.

Dazu zitiere ich gerne unseren Vorstand: Casinos Austria wird sich für alle Konzessionen bewerben und sich entsprechend gut für die Ausschreibung vorbereiten.

Letzte Frage. Bei der EM in Baden waren doch einige Spieler enttäuscht, dass die 7 Card Stud EM nicht mehr im Programm war und statt dessen PLO als Europameistertitel ausgespielt wurde und in Zukunft wird. Weshalb nicht neben der PLO EM auch eine 7 Card Stud EM, selbst wenn es nicht mehr als 70 Spieler sind? Sie war ja mal eines der großen und einzigen 7 Card Stud Turniere in Europa.

Seven Card Stud ist ein aussterbendes Spiel. Die jungen Spieler kennen es kaum noch. Man hat die Entwicklung speziell in den letzten drei Jahren der EM gesehen. Die Teilnehmerzahlen sind von 150 auf 100 und dann auf 70 Spieler runter gefallen. Es gab immer wieder die Nachfrage nach einem exklusiven Pot Limit Omaha Turnier mit guter Struktur. Im letzten Jahr hatten wir 85 Teilnehmer in einem 3.000 Euro Event, diese Teilnehmerzahl hatte ich ungefähr erwartet. Auf dieser Basis kann man aufbauen. Das Event wurde sehr gelobt und von manchen Spielern als das beste Omaha Turnier der Welt bezeichnet. Beim Seven Card Stud Turnier hatte ich die Befürchtung, dass wir irgendwann mit 30 oder 40 Spielern einen Europameister ausspielen.

Trotzdem würde das eine das andere ja nicht ausschließen und Kostenfrage kann es ja auch nicht sein?

Nein, nein – Kostenfrage ist es überhaupt keine, aber wir bieten Turniere mit wirklich guten Strukturen und der ganze Event würde dann einfach zu lange dauern. Die Texas Hold’em EM geht drei Tage, der Nations-Cup drei Tage, die Pot Limit Omaha EM zwei Tage und der CAPT Main-Event 2 Tage. Somit sind wir jetzt schon bei 10 Tagen. Man muss abwägen, was der Bedarf der Spieler ist und auch wie lange ein Spieler bereit ist an einem Ort zu bleiben. Mit zehn Tagen haben wir da sicher in Baden eine Grenze erreicht. Wenn wir das Ganze noch mehr in die Länge ziehen würden, hätten wir in den einzelnen Turnieren weniger Spieler und das würde sich dann auch negativ auf die nächsten Jahre auswirken. Wirklich schöne Turniere, dafür weniger und das ganz ohne Sentimentalität.

Danke für das Gespräch.

Auch ich danke.


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