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Ein Raubüberfall – Ein Offener Brief und zwei Ahnungslose

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Es ist Zeit, das selbstgewählte Schweigen zu brechen. Irgendwann ist es dann genug. Casino-Betreiber, Mitarbeiter und Spieler haben auch ihre Rechte. Vielleicht mag uns so mancher Journalist für eine Gesellschaft von Pariern halten und das könnte uns eigentlich prinzipiell ziemlich egal sein.

Wenn es allerdings anfängt, das Lebenswerk von untadeligen Geschäftsleuten in Gefahr zu bringen, wenn verantwortungsloser Journalismus bereit ist, für eine billige Schlagzeile das Wohl von mehr als hundert Angestellten zu riskieren, dann ist es Zeit, etwas zu tun und etwas zu schreiben.

Die Vorgeschichte. In der Druckausgabe vom 19. Februar 2010 titelt die angeblich drittgrößte österreichische Tageszeitung „ÖSTERREICH“ im Wiener Lokalteil folgende Schlagzeile: „Ocean´s Eleven Coup war von Casino-Chef geplant”. Der Artikel bezieht sich auf einen Überfall auf eine große Spielhalle im Wiener Prater. Vier vermummte Täter hatten eine weibliche Angestellte überwältigt, diese – laut Polizeibericht mit vorgehaltener Waffe – gezwungen, den Safe zu öffnen, um dann mit einer gewaltigen Beute zu fliehen.
Drei Tage später nahm die Polizei vier dringend Tatverdächtige fest, und unter denen befindet sich mit Heinz N. der jüngere Bruder von einem der beiden Geschäftsführer des Cardcasinos Montesino.
Ferner ist es richtig, dass der mir persönlich oberflächlich bekannte Heinz N. selbst auch Angestellter der Montesino Entertainment Group war. Selbstverständlich gilt weiterhin die Unschuldsvermutung und alles was von der ÖSTERREICH-Berichterstattung übrig bleibt ist, dass der jüngere Bruder eines führenden Mitabeiters des Montesino einer Straftat verdächtigt wird. – Das ist tragisch und für den älteren Bruder, der mir seit Jahren als untadeliger Geschäftsmann bekannt ist, sicher keine leichte Sache. Noch dazu, wo er sich immer bemüht hat, seinem doch augenscheinlich strauchelnden Bruder Heinz etwas Halt und eine Aufgabe zu geben. Genau so, wie man das von einem älteren Bruder erwarten kann.

Ausdrücklich möchten wir von Pokerfirma.de Raubüberfälle keinesfalls schick, witzig oder verzeihlich finden. Ich weiß aus leidvoller Erfahrung, wie es ist, wenn einem eine Waffe angesetzt wird und das ist definitiv ein traumatisches Erlebnis, das man niemandem wünschen kann. Sollte das Gericht Heinz N. und die drei anderen Verdächtigen schuldig sprechen, werden sie das Urteil wohl verdient haben. Für den Fall bleibt zu hoffen, dass diese unfreiwillige Zäsur in einem etwas aus den Fugen geratenem Leben Anlass für einen Neubeginn sein wird.

Streng verwahren müssen wir uns allerdings gegen den Artikel im ÖSTERREICH vom 19.2.2010 und auch gegen die die Veröffentlichung in der Online-Ausgabe des Verlages. Mein Versuch auf der Online-Seite einen Kommentar zu posten ist gescheitert. Mein kritischer Beitrag wurde einfach nicht freigeschaltet, obwohl ich mich extra mit meinem vollen Namen registriert hatte.

Laut Nutzungsbedingungen behält sich der Verlag vor, Kommentare, die „rassistisch“ oder „sittenwidrig“ sind zu löschen. Das kann ich für meine Zeilen ausschließen. Das dritte Kriterium, meinen Kommentar nicht zuzulassen, wäre laut Nutzungsbedingungen der Seite, wenn es sich um „beleidigende Inhalte“ handeln würde. – Nun drei inhaltlich korrekte Sätze in gutem Deutsch mag man bei ÖSTERREICH als beleidigend empfinden. Unbekanntes provoziert auf reflexartige Weise tiefsitzende Ängste. Ich habe mich jetzt gezwungenermaßen zu einem offenen Brief entschlossen. Da der Autor des zitierten Artikels seinen Beitrag mit „hab“ zeichnet und ich trotz Studiums des dünnen Impressums keinen ganzen Namen konstruieren konnte, bleibe ich in der Anrede bei Herr „hab“.

Lieber Herr „hab“

Ich weiß, man hat es nicht leicht. Druck von allen Seiten, die Arbeitszeiten sind hart und unangenehm und das große Geld ist weit weg. Irgendwie verständlich, dass man sich da nicht allzusehr in jede Story vertiefen kann und möchte. Manchmal ist das, was passiert auch nicht so spannend und spektakulär, wie es der Chefredakteur gerne hätte. Dann erfindet man ein wenig was dazu, feilt ein wenig an den Fakten und mit der entsprechend dramatischen Headline gibt das irgendwie eine halbwegs lesbare Story.
Leider haben Sie sich da mit Ihrem Artikel „Ocean´s Eleven-Coup war von Casino-Chef geplant“ an ein Thema gewagt, von dem Sie rein gar nichts verstehen. Der kurze Text strotzt vor inhaltlichen Fehlern. Ihnen sind Strukturen und Zusammenhänge der Branche offensichtlich nicht einmal ansatzweise bekannt. Ihr marginales Wissen stammt maximal aus dem Konsum von schlechten TV-Krimis und auch da haben Sie nicht gut aufgepasst.

Dem von Ihnen als Referenz genannte „Insider“ kann man im besten Fall Ahnungslosigkeit zugestehen. Im schlimmsten Fall allerdings muss man davon ausgehen, dass bewusst Stimmungsmache gegen einen Mitbewerber betrieben wird. Bezüglich der unglücklichen Wahl Ihres Informanten möchte ich Sie ausdrücklich von jeder Schuld freisprechen. Sie wissen es einfach nicht besser und einen wahren „Casino-Insider“ würden Sie nicht erkennen, säße selbiger auf dem werten Schoße.

Fangen wir mal mit der ungelenken Schlagzeile an:„Ocean´s Eleven Coup war von Casino-Chef geplant“. Nun „Chef“ ist zwar keine exakte Berufsbezeichnung, aber es wird dem Leser eine hierarchische Bedeutung vermittelt, die einfach absolut nicht gegeben war. Der zur Zeit in Untersuchungshaft befindliche Heinz N. war vom Posten des „Casino-Chefs“ soweit entfernt, wie Sie vom Literaturnobelpreis – oder, um in Ihrem Jargon zu bleiben, vom „Literaturnobelpreis-Chef“.

Einen bewaffneten Raubüberfall zu begehen, ist doch suchtkranken und geistig limitierten Personen vorbehalten. Das Verhältnis Strafe, Risiko und Beute ist mehr als übel. Mag man als schlampiger und nicht allzu schlauer Mensch Unterschlupf in einer Redaktion finden können, ist das schön und sozial wunderbar, für einen „Casino-Chef“ muss man mehr auf dem Kasten haben. Einen 24-Stunden-Betrieb zu führen, gehört in der Kategorie Logistik und Personalführung zu einer der größten Herausforderungen. Da plant man nicht – wie von Ihnen suggeriert – mal eben zwischendurch einen „Ocean’s Eleven Coup“.

Sie zitieren in Ihrem Artikel einen „Insider“, der sich zu Heinz N. folgendermaßen äußert: „Er war Floorman, also quasi Geschäftsführer für den gesamten Spielbereich“. Nun das Schlüsselwort in dem Satz ist „quasi“. Wenn man will, kann man das auch so stehen lassen. Für den Spielbereich ist der Floorman tatsächlich während seines Dienstes die oberste Instanz. Nur der Begriff „Geschäftsführer“ ist einfach nicht angebracht und durch das kleine determinierende „quasi“ nicht ausreichend relativiert. Der Floorman hat die letzte Entscheidungsgewalt, falls es mal zu Unstimmigkeiten am Spieltisch kommt und er darf auch selbstverständlich einen Mitarbeiter strafweise nach Hause schicken und seine Meinungen und Vorschläge werden in der tatsächlichen Geschäftsführung ein offenes Ohr finden. Nicht mehr und nicht weniger und ich selbst durfte schon Vorgesetzter von etlichen herausragenden und kompetenten Floormännern sein.
Aber gehen wir weiter im Zitat, denn jetzt wird es wirklich absurd – umgangssprachlich, ob der Verantwortungslosigkeit würde man jetzt sagen, jetzt wird es wirklich „kriminell“. Der Insider: „Der hat natürlich gewusst, wann bei der Konkurrenz die Automaten ausgeräumt werden.“ – Mir fällt da der Satz ein, dass ein Narr in einem Satz mehr Dummes sagen kann, als ein Rabbi in einem ganzen Buch zu widerlegen vermag. Nun, zum Rabbi hat es bei mir noch nicht gereicht. Ich fühle mich außer Stande, diesen Satz sachlich zu zerpflücken. Kann nur den Kopf schütteln und dem Herrgott danken, dass Menschen wie Sie und Ihr „Insider“ nicht als Verkehrspilot, Herzchirurg oder auch nur als Installateur die Welt verunsichern. Sie beide sind schon dort, wo Sie in der Regel wenig Schaden anrichten. Nur bleiben Sie besser bei den Berichten über DJ Ötzis Frisur und Bierzeltfesten.

Vielleicht ein paar kleine Hinweise zur journalistischen Moral für zukünftige Artikel. Wenn, wie im konkreten Fall, die Staatsanwaltschaft ermittelt, gilt die Unschuldsvermutung weiterhin. Das ist Staatsbürgerrecht und mehr als eine Phrase, die Sie dann pflichtgemäß unten dran hängen. Informieren Sie sich zumindest ansatzweise über die Zusammenhänge, bevor Sie in so heiklen Bereichen zu schreiben beginnen. Ich hoffe ja, dass man Sie juristisch belangen wird für den grob falschen Satz, den Sie über Ihren Artikel stellen: „Wie im Film. Geschäftsführer der Konkurrenz steckt hinter dem Prater-Casino-Raub“. Diesmal sogar ohne das mildernde „quasi“ vor dem „Geschäftsführer“. Ganz abgesehen davon, dass der „Begriff“ Konkurrenz in dem Zusammenhang völlig absurd und irreführend verwendet wird. Wie soll eine Automatenhalle im Prater schon rein geographisch „Konkurrenz“ für ein Cardcasino im 11. Bezirk sein? Da könnten Sie genauso das Eisgeschäft in der Innenstadt als „Konkurrenz“ für den Kebab-Stand an der Peripherie hernehmen. – Aber was mach ich mir da unnötige Mühe. Dafür habe ich jetzt keine Zeit. Ich habe soeben unter Ihrem Artikel eine weitere Schlagzeile entdeckt, die mich beschäftigt. Überzeile:„Insgesamt kamen acht Schafs-Babys in Schönbrunn zur Welt!“ und Schlagzeile: „Sechs Schafs-Zwillinge im Zoo“. Mal ganz unter uns Kollegen, wurde der Artikel nach Rücksprache mit einem „Mathematik-Insider“ oder einem „Schafs-Insider“ geschrieben und steckt da vielleicht irgendwie der „Zoo-Chef“ dahinter? – Ich werde die Sache verfolgen und verbleibe mit kollegialem Gruss.

Götz Schrage – Chefredakteur (aber nicht Pokerfirma-Chef)

28 KOMMENTARE

  1. fakt ist, dass sich 4, leider nicht sehr helle leute zusammengetan haben, einen cuop gelandet haben, und dies auch sofort zur schau getragen haben.
    die protagonisten sind genauso minderbemittelt wie die zeitschrift „österreich“…von daher passts ja wieder;-)

  2. … hört sich fast so an, als wärst du selbst „dabeigewesen“ mr. schrage oder warum willst du unbedingt „stellung nehmen“ in einer sache, deren wahrheitsgehalt der polizei näher liegen dürfte als der kenntnis eines dt. poker-journalisten; oder weißt du etwa mehr als du uns erzählst?
    früher gabs im millieu ab und zu den „gekauften zeugen“, wenn mal not am mann war, oder wozu der vermeintliche „rettungsanker“ aus sicherer entfernung …
    der „kerl“ (o.k., tatverdächtige)und seine kumpanen hätten`s auch mit gutbürgerlicher Arbeit versuchen können.
    aber dazu ist er sich ja schon fast zu schade, der geneigte poker-spieler; also mach` ma mal schnell nen „bruch“ … ist schmerzlos & bringt was ein und wenns daneben geht, naja, dann hat man ja noch „freunde“ die´s besser wissen und selbstlos zur journalistischen notwehr schreiten und schon mal vorsorglich „zweifel“ sträuen …
    nur: WEN interessiert die journalistische wortklauberei? die polizei, den richter oder ist`s doch nur die sorge um einen verlorengegangenen „kumpel“ und einen freien stuhl am pokertisch … wir werden sehen; vielleicht kann`s der götz ja noch richten!?!

  3. netter bericht götz….macht weiter so 😉 aaaaaber zitat: obwohl ich mich extra mit meinem vollen Namen registriert hatte..was hast du denn gedacht die lesen dein namen und erstarren vor erfurcht oder wat???muhahhahahhaha sorry aber du denkst auch du bist der pokerpapst..wie können die nur dein comment löschen bzw. nicht posten!!!!

  4. Da Götz ja auch im Montesino spielt bzw. gespielt hat (möglicherweise nicht zu seinem finanziellen Nachteil), verwundert es einen auch nicht, daß er jetzt für dieses Unternehmen medial in die Bresche springt. Es fehlt nur mehr der Verweis „bezahlte Anzeige“ unter seinem zugegebenermaßen witzigen Artikel.

  5. @ richy64 – Danke für den Hinweis. Du hast recht, dass könnte man so verstehen, obwohl ich es natürlich nicht so gemeint hatte. Die Betonung auf die Registrierung mit dem „vollen Namen“ habe ich gewählt um klar zu stellen, dass ich nicht aus der Anonymität geflamt habe, sondern mit meinem Namen zu meinen zugegeben bösen Worten gestanden bin.
    Abgesehen davon, dass ich beruflich in meinen Anfängen sowohl mit dem Herausgeber als auch dem aktuellen Chefredakteur zu tun hatte. Habe zwar keine Ahnung, was die beiden von mir halten 🙂 und es würde den Rahmen sprengen dich mit Anekdoten aus längst vergangenen Tagen zu langweilen.

    @ Andi B. – Danke für das Kompliment zum Text. Sonst bist du aber zu 100% auf dem Holzweg. Will auch da nicht zu sehr ins Detail geben, aber schreibe Dir gleich ein Mail um da jetzt nicht meterweise Text abzusetzen 8) .

    @ ja ja der komissar – Habe mein Anliegen ja erklärt. Mehr steckt da nicht dahinter.

    @ all – Vielen Dank für die netten Worte! 😀

  6. Götz, ich verstehe deinen Ansatz und deine Aufregung nicht. Da ist ein Schwerverbrechen begangen worden, an dem die genannten Typen beteiligt gewesen sein sollen. Ein Boulevard-Blatt hat ne Überschrift gebastelt, die so inhaltlich nicht stimmt. Wenn diese Schlagzeile den echten Casinochef nervt, dann muss er gegen die Zeitung klagen. Und anschließend geht es immer noch um ein Schwerverbrechen.

  7. denke der götz will hier mehr seine schreibskills zur schau stellen als irgendwas klarstellen.

    denn diese blumige rhetorik mit tausend nebensätzen,verschachtelungen, synonymen und ironischen anmerkungen lässt den Leser nach dem 3. satz schon vergessen worum es eigentlich ging.

    also, keine ahnung was du jetzt wo und wie klarstellen wolltest, aber nett geschrieben.

  8. der bericht von österreich (zeitung) war vielleicht zu oberflächlich, trotzdem sollte man sich vor augen führen, dass eine gezielte und geplante straftat vorliegt. dieses jetzt schön zu sprechen und in irgend einer weise zu rechtfertigen finde ich absurd.

  9. Portokassse von Pokerfirma am Pokerolymp gefunden

    I.Sahamies und Tom Dwan geben eine neue Pokerbibel raus „Play it tight“

    Pokerstars versteuert Gewinne im jeweiligen Einnahmeland

    Phil Laak geht ins „Schweigekloster“

    Phil Helmuth will nie wieder fk sagen

    Netter Text Götz, …aber…..lohnt sich der Stress ? Wer sowas erst gar nicht liesst muss sich auch nicht aufregen 😀

  10. nun bravo für ihren tokio hotel kult zu erwähnen oder österreich und heute für seine hingeschluderten artikel ist müssig. in der selben gratis ausgabe in der sich besagter „kommentar“ befand waren sicher noch 17 weitere „irrtümer“ bösester art.
    gib uns doch lieber eine richtigstellung wer was wann wo verbrochen hat, wenn du es weißt. das ein floorman kein geschäftsführer ist, ist doch ein wenig wenig.

  11. also ich kann beim besten willen nicht rauslesen das diese tat auch nur im ansatz zustimmung findet oder in iregndeiner art „schön geredet“ wird, vielmehr wird die tat an sich verachtet!

    auch der offene brief von goetz ändert nichts daran, denn dieser ist lediglich kritik an einem, von der poker szene „null ahnung habenden“, journalisten.

    ein artikel in einer grösseres österreichischen zeitung welches über einen vorgang und zusammenhänge in der pokerszene wiens berichtet, und diese tadelos falsch an den mann bringen, wird von einem pokermagazin zerpflückt und kritisch beäugt.passt!

    was wollt ihr denn mehr?

    versteh nicht was einige hier haben, goetz is weder holmes noch marple, hier jetz anzukommen und zu sagen…“mehr details“, „schreibskill vorführung“, „mittäter“, „befürworter eines verbrechens“, „selbstdarsteller“ etc. etc. ist doch mal sowas von affig.

    aber stimmt ihr habt euch sicherlich noch NIE über etwas aufgeregt, wo ihr ganz genau wusstet, das ihr viel mehr erfahrung und wissen von der materie habt,als die person die für eure aufregung gesorgt hat.

    aber lieber jemanden runtermachen der sich mühe gibt, etwas falsches richtigzustellen welches der öffentlichkeit und breiten masse als nonplusultra angeboten wird, als die, die für die deformation einer gesellschaft zuständigen, kritisch entgegenzuwirken!

    fazit:
    1. es ist eine pokernews welche zu recht hier erwähnt wird
    2. es ist ein unseriöser artikel, welcher zu recht krtisiert wird
    3. keinesfalls seh ich hier auch nur in irgendeiner form das das verbrechen milde geredet wird oder dieser aus einem positiven blickwinkel berichterstattet ist

    in dem sinne
    mojo

  12. @Mojo: Das hast du gut zusammengefasst, auch wenn ich finde, dass der Umfang und die Kritik von Götz an einem Boulevard-Journalisten und dessen Artikel doch etwas aus dem Ruder läuft.

    Für die Überschrift haben die im Boulevard übrigens ganz andere Leute. Da gibt es Schreiber die nix anderes machen, als sich einen Artikel durchzulesen und dann ne Headline zu machen. Könnte daher gut sein, dass der Artikelschreiber absolut nichts mit der Überschrift zu tun hat. Da würde also auch der Hinweis auf die Unschuldsvermutung passen.

    Der normale Gang im Boulevard kann sogar dazu führen, dass von dem ursprünglich Artikel – der vielleicht bis zum letzten ABC richtig geschrieben und recherchiert war, praktisch nichts mehr übrig bleibt und er daher völlig falsch wird.

    So läufts im Normalfall: Der Text wird geschrieben, ne Überschrift vorgeschlagen und landet anschließend eine Ebene höher bei einem Redakteur, dessen Aufgabe es ist, den Text sprachlich zu glätten oder – wie es besser heißt – in Form zu bringen.

    Im Boulevard muss es helle Freude geben oder fürchterliche Schauer. Es wird heiß oder kalt geduscht, aber nie lau!

    Da kamen Maskenmänner, zogen eine Pistole – Claudia S. litt Todesangst …. Das hört sich besser an als, „Einer der Süchtigen bedrohte Frau XYZ“. Da schläft der Leser doch schon beim vierten Wort ein.

    Wenn besagter Redakteur nun fertig ist mit seiner Formung, dann landet die Geschichte noch beim Ressortchef. Der schreibselt da auch noch drin und dran rum. Und wenn der fertig ist, landet das Teil – so sollte es zumindest sein – beim Chefredakteur. Und wenn der dann der Meinung ist, Casinochef plante … höre sich besser an als … Spielsüchtiger Floorman machte …. dann steht da eben am Ende Casinochef.

    Und dann gibts für den Betroffenen Casinochef die Möglichkeit der Klage. Das stört im Boulevard keinen Pförtner – ne Schadensersatzklage ist kalkuliert und auch ne Zahlung wegen „man hat mich fälschlicherweise durch Dreck gezogen“ ist normal in der Branche und gehört zum Geschäft. Da Götz ähnlich lange im Journalistmus ist wie ich, wird er mir in diesem Punkten zustimmen und vielleicht verstehen, warum ich seine Aufregung nicht verstehe. Immerhin: Wir reden/schreiben über Boulevard-Journalismus. Der ist voller Fehler, voller Übertreibungen und voll mit Fehlinformationen und Oberflächlichkeiten. Aber leider, leider, leider verkauft sich dieser Mist besser, als die Süddeutsche oder die Frankfurter Allgemeine. Am Ende des Tages geht es um Verkaufszahlen und nicht darum, ob einer nun wirklich Casinochef ist oder nur Stellvertrter oder eben Floorman – ein Begriff, der keinem Menschen etwas sagt, der sich nicht mit Poker beschäftigt.

  13. richtig stellen?? hier gehts um alte geschichten. und götz, natürlich weißt du was die von dir halten. wenn die zwei jetzt in ihrem blatt über einen chefredakteur einer pokerseite und seinen frust über einen kleinen artikel in ihrer zeitung berichten würden, wäre die zickerei perfekt.

  14. @ peter – Kann das vollinhaltlich bestätigen. Du hast das sehr gut und realistisch beschrieben. Genau so könnte es passiert sein – aber ich bleibe bei meiner Kritik, weil es mir um Poker geht. Glaube mir, wenn der kleine Bruder eines Kosmetikgroßhändler beim SCHLECKER einbricht, steht nirgendwo „Kosmetik-Chef gab Einbruch bei der Konkurrenz in Auftrag“ 🙂

    @ all – Ich werde mich zu meinem Artikel und zu dem Thema generell nicht mehr äußern. Musste gestern Abend erfahren, dass da leider jemand involviert war der mir nahesteht und bevor mir das jemand aus der Anonymität um die Ohren haut, schreibe ich es selber. Stehe mit meiner Medienkritik 100% zu meinem Text. In der Sache selbst war das meine letzte öffentliche Äußerung.

  15. Lieber Götz! Kosmetik war ein guter Ansatz, aber Schlecker eventuell das falsche Beispiel.

    „Das Ehepaar Schlecker wurde im Jahre 1998 per Strafbefehl durch das Stuttgarter Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von je zehn Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro verurteilt, weil den Schlecker-Beschäftigten vorgetäuscht worden war, sie würden nach Tarif bezahlt werden. Tatsächlich lagen die Löhne niedriger, was das Gericht als Betrug wertete.“

  16. Lieber Götz!

    Mit Interesse habe ich Deinen Artikel gelesen, nachdem mir zu Ohren gekommen war, dass Du Dich medial zu diesem Ereignis zu Wort gemeldet hattest. Da ich zugegebener Maßen ein Fan Deiner Wortmeldungen, Kurzgeschichten und anderer schriftlicher Ergüsse bin, und auf der anderen Seite den genannten Heinz N. recht gut kenne, war das Interesse noch größer als sonst und daher habe ich mir auch die anschließenden Wortmeldungen zur Gänze zu Gemüte geführt, was ich sonst gerne vermeide.

    Dabei ist mir nichts wesentliches aufgefallen, außer dass ein gewisser „schallundrauch“ höchstwahrscheinlich schon mit einer „Beifügung“, ganz zu schweigen von einem „Nebensatz“ sprachlich überfordert ist, und dass mir die Stellungnahme eines gewissen „Mojo“ gut gefallen hat.

    Was mir weniger gefallen hat, war Dein Satz (Zitat): „Einen bewaffneten Raubüberfall zu begehen, ist doch suchtkranken und geistig limitierten Personen vorbehalten.“

    Ich will bei Gott nichts schönreden. Zweifellos handelt es sich bei einem bewaffneten Raubüberfall um kein leichtes Verbrechen. Auch mag es sein, dass der eine oder andere Beteiligte suchtkrank ist, ich denke dennoch, dass es noch andere Motive für so eine Tat geben kann, wie z.B. Verzweiflung. Wenn man sich geraume Zeit in einer schlimmen finanziellen Situation befindet, die scheinbar aussichtslos ist (im Gespräch sind ja u.a. Schulden bei so genannten Saugerln – und mit denen ist oft nicht zu spaßen), vielleicht Kontakt zu den falschen Kreisen hat und dann plötzlich die Chance sieht, aus dem Dilemma rauszukommen, dann sieht man da eventuell Licht am Ende des Tunnels. Alles zusammen kann eine Mischung ergeben, die in einem solchen Raubüberfall endet, ohne dass jemand „geistig limitiert“ ist… Denn das ist Heinz N. ganz sicher nicht. Im Gegenteil habe ich ihn als intelligenten, sympathischen, umgänglichen und hilfsbereiten jungen Mann kennen gelernt. Ich hoffe für ihn, dass er halbwegs heil aus dieser Sch…-Situation rauskommt, und, falls er verurteilt werden sollte, wieder auf die rechte Bahn zurück findet.

    Um Missverständnisse zu vermeiden noch einmal zur Sicherheit: Ich heiße nicht gut, was da abgelaufen ist und natürlich müssen die Beteiligten bestraft werden!

  17. @stevie – Servus Stevie. Wenn man den Satz so aus dem Zusammenhang zitiert wirft das vielleicht ein falsches Bild. Mein Text war eine Replik auf einen schlechten recherchierten Artikel und da galt es einiges zu recht zu rücken. Will das jetzt nicht alles wiederholen und ich glaube wir beide werden da großenteils der selben Meinung sein, wenn es darum geht den Fantasien des Artikels die Realitäten entgegenzustellen.
    Die Überschrift „Ocean´s Eleven Coup war von Casino-Chef geplant“ ist nicht nur grundfalsch, sie vermittelt auch einen irreführenden Eindruck. Da war kein Brad Pitt im Versace-Anzug, der mal eben zwischendurch mit ein paar Kumpels und angeleitet von einem Superhirn ein Casino ausräumt- Diese Fantasien wollte ich meine Satz dagegen stellen.
    Abgesehen davon stehe ich zu meiner Meinung. Ganz pragmatisch betrachtet, sind die Odds bei „bewaffnetes Raubüberfall“ super-loose.
    Dass äußere Bedingungen, der von dir angedeutet Druck durch Schulden usw. jemand in einen Zustand bringen kann, wo er etwas bereit ist zu tun, von dem er weiß, dass das wenig Aussicht auf Erfolg hat und ein hohes Risiko, ist trauriges Fakt und passiert leider immer wieder. – Wenn du so willst müsste ich in dem von dir vielleicht zu recht kritisierten Satz ein „temporär“ einfügen. „….suchtkranken und temporär geistig limitierten Personen..“ einfügen.
    Abschließend sind wir bei der Beurteilung der ganzen Sache ja einig und wünschen uns sicher das selbe. Privat angemerkt, als ich meinen Text schrieb wusste ich nicht, dass Z. da dabei war. Ich fühle mich ihm freundschaftlich verbunden und steh da auch jetzt dazu. Und angesichts all der traurigen Dingen, die die Familie erleiden musste, hätte ich den Satz aus Respekt ganz anders formuliert.

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