Kolumnen

Ein Revival für den Tod von Pokerturnieren

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Man stelle sich eine Hauptstadt mitten in Europa vor, in der alles etwas länger dauert. Einen Dialekt, der wirklich nicht der schnellste ist, und eine kontrollierende Kommission, welche schon um 17.00 Uhr zu Hause ist, sodass es ja keine Razzien gegen illegale Spielclubs gibt, welche halt erst am Abend geöffnet sind.

Es tönt wie alles wie eine Satire von Eprahim Kishon (Gott habe ihn selig), jedoch hat das Hörensagen dieses Sumpfes welches ich aufschnappe; diese kleinen Substantive enthalten einen bitteren Wahrheitsgehalt. Darum schaue ich mir legale Angebote der Casinos an. Illegal ist nicht egal, und man fährt besser ins Casino, gemäss unserer Rechtsprechung. Aber wie Kishon schon schrieb; „Wer’s glaubt, wird selig“.

Eine „reale Satire“ würde mir jedoch einen Gang ans „Poker Revival“ im Grandcasino Bern bescheren:
Gross angekündigt auf der Homepage: Texas Hold’Em No Limit „Revival“ Turnier (http://www.grandcasinobern.ch/Spiele/Tischspiele/Poker/Poker-Turnier-2010). „Aha eine Zunahme von Turnieren in den Casinos scheint die Reaktion dieser auf das private Pokerverbot zu sein“.

Ich lese auf der Homepage genauer nach und sehe, dass für das 200 Fr. (150 Euro) Turnier unter der Woche eine Vorrunde gespielt werden müsste, bei welcher jeder Fünfte weiterkommt. So würde ich eben dann, wenn es mich auch interessieren würde, eine Zugsreise von Zürich von einer Stunde zu einem reduzierten Tarif von Fr. 46.—(30 Euro) hinnehmen, weil das Casinoparkhaus eines der teuersten in der Schweiz ist und ich gerne gut erholt ankommen will.

Natürlich wäre ich optimistisch und würde auch für den Finaltag liebäugeln und deshalb vorgängig meine Vorrunde für den Samstag einplanen, weil ich dann die meisten Spieler erwarte und auch dort in der Nähe für 90 SFR (65 Euro) übernachten würde, weil es mit den Zugsverbindungen zu später Stunde nicht mehr unbedingt klappen.

Beginn der Veranstaltung: 18.00 Uhr (die ARD Sportschau geht also drauf), und gemäss Homepage müsste ich mich beim Gaming Shift Manager eine Stunde vorher melden (also 17.00 Uhr) und dies trotz einer elektronischen vorgängigen Reservierung übers Internet, aber nur im Falle wenn ich wirklich interessiert wäre.

Ich rechne mit einem Teilnehmerfeld um die 100 Spieler und etwa mit 20 Leuten am Finaltag, weil auf der Homepage schon jetzt steht: „Die Vorrundentage Mittwoch, 13. und Donnerstag, 14. Oktober 2010 wurden wegen zu wenigen Anmeldungen abgesagt“.

Des Weiteren lese ich im Turnierreglement: Alle Buy-ins werden zu 100% ausgeschüttet und zur
Deckung der Preise herangezogen.
– Also keine Rake, WOW

Weiter lese ich:
Bei der Anmeldung zum Turnier besteht die Möglichkeit einen Beitrag für gastronomische Dienstleistungen vom Turnierteilnehmer bezahlen zu lassen (was bitte heisst das jetzt?)

Ein Blick auf die Blindstruktur verrät mir einen Startstack von 8000 SFr (ich nehme mal an damit sind Chips gemeint), mit 30 Minuten Levels und ich rechne am Samstag, wären dann bei der Vorrunde ca. 30 Spieler anwesend:

Level 1: Blinds: 50 – 100
(Level 1 ist spielbar)

Level 2: Blinds: 100 – 200

(Level 2 ist immer noch spielbar…)

Nach einer Stunde…. 15 Minuten Pause
Toilettengang, Kontrolle meiner Bundesligawetten und Raucherpause für die anderen

Level 3: Blinds: 150 – 300
(immer noch spielbar, ich passe mein Spiel an)

Level 4: Blinds 200 – 400
(ich werde langsam aber sicher aggressiver)

Es ist jetzt 20.15 und es findet nach zwei Stunden Spielzeit eine 90 (!) minütige Pause statt:
In der kann ich Essen (im Casino ein „ganz kostengünstiges“ Sandwich, oder in einem der ausgezeichneten und nicht ganz billigen Restaurants im Kursaal). Danach kann ich noch Blackjack, Automaten oder Roulette zocken und mich dem Glücksspiel zuwenden. Nein ich bin Pokerspieler und kein Glückspieler mehr, darum gehe lieber auf mein Hotelzimmer und schaue fern.

Nach 90 Minuten Pause, um 21.45 Uhr würde dann das Turnier endlich weiter gehen und ich hätte mir dann fast die ganze Unterhaltungssendung eines fraglichen TV Senders reingezogen….weil ich den Kishon zu Hause vergessen habe.

Level 5: Blinds 300 – 400
(hmm ich denke wiederum an einen Schreibfehler und rechne mal mit 300-600)

Level 6: Blinds 400 – 800 Ante 100
(mit den Antes bei 10 Spielern bedeutet diese Blinderhöhung eine Verdopplung der Blinds)

Level 7: Blinds 500 – 1000 Ante 100
(die Luft wird dicker)


Pause 15 Minuten

(Luft Luft, ja die brauche ich… ich gehe raus)

Level 8: Blinds 700 – 1400 Ante 200
(nochmals eine heftige Blinderhöhung; ich brauche Karten oder tighte Gegner…)

Level 9: Blinds 800 – 1600 Ante 200
(Ich schiebe Any Two Allin)

Level 10: Blinds 1000 – 2000 Ante 300
(Ich bete anstatt zu „betten“)

Ende von Tag 1
und renne nach dem Eintüten meiner Chips an die Bar….

Tag 2
Um 16.00 Uhr am Sonntag würde es dann weiter gehen mit Level 11: 1200/2400/300 gehen. Aber ehrlich – ich hätte keine Lust auf dieses Glückspiel und beende hier meine Spekulation wie es in Bern wäre.

Mir sind die Fr. 200 Buyin und die hohen Spesen für Hotel, Reise und Verpflegung zu teuer.

Fazit: Dieses Pokerturnier hat für mich eine Glückspielkomponente wie es unsere Bundesrichter erwarten.

Ich werde mich nicht darauf einlassen und will die alten Strukturen wieder zurück, welche wir früher bei den Privatanbietern hatten. Daher heisst meine Alternative Campione von 21. Oktober bis zum 24. Oktober 2010 oder dann wieder einmal Wien.

Mein Weekend findet sicher nicht in Bern statt, aber dafür werde ich wieder einmal Eprahim Kishon lesen. Er war übrigens ein guter Schachspieler und hätte ich hätte bei einer Partie gegen ihn sicher viel gelacht.

Cheers
Martin Bertschi

22 KOMMENTARE

  1. Verstehe nicht, mit welchem Recht Du das behauptest? Bis auf Deine Kolumne im Magazin (Chapeau!) sind Deine Kommentare allesamt verzichtbar, höflich ausgedrückt…

    Wobei der Abdruck der Kolumne eher mehr die Größe der Magazin-Verantwortlichen dokumentiert als Deine Signifikanz.

  2. Ich empfehle allen noch den Erlebnisbericht auf http://www.raise.ch…ha ha ha…die Idioten in Bern haben Dealer, die die Regeln nicht kennen, ohne Blinduhr spielen (ein Tisch ist im Level 5 während der andere noch im Level 4 ist, während mehr als 5 Minuten), Chips haben nur Farben, aber keine aufgedruckten Beträge und die Dealer kannten die Beträge nicht, das PC-Programm für den Blindtimer musste von Spielern installiert werden etc etc.
    Nochmals: solche Kasinos sind die Totengräber fürs Pokern…eben: IDIOTEN!

    Thx Martin für den Update!!

  3. Hallo Martin und der Rest der Swiss-Poker-Connection,

    danke für den Artikel!
    Es ist eine Schande was sie meisten Casinobetreiber für Pokerturniere zusammenstückeln….ohne Sinn und Verstand!

    Deshalb lasse ich und hoffentlich auch andere diesen Mist links liegen.

    See you at OP :wink:

  4. … glaubt ihr in D ist es besser?

    die duisburger-„zentrale“ der WestSpielCasino`s hat es mit dubiosen entscheidungen geschafft, die poker-hochburg Dortmund/Hohensyburg vollkommen zu vernichten (vorher hat man allerdings noch schnell den poker-bereich um das dreifache erweitert, bevor sie zum politischen „todesstoß“ ausgeholt haben – diese scheiß-monopolisten!!!).
    heute „bewachen“ ehemalige groupiers aus der roulette-abteilung die leeren poker-tische und wenn sich doch mal ein paar spieler hierher verirren, dann glänzen die herren im grufty-alter mit desinteressierter unfähigkeit, die karten korrekt zu verteilen, geschweige denn von kenntnissen der regelkunde … ein HORROR für jeden spieler!!!
    wie vergammelt die strukturen bei den WestSpielCasino´s sind, zeigt auch die tatsache, daß – wie in poker-urzeiten – noch ein „Sachpreis-Turnier“ als poker-hype veranstaltet wird: dort gewinnt man dann dinge, die kein spieler braucht – gebrauchte auto´s, aberwitzige abenteuerausflüge in den weltraum oder zur titanic und solchen „mist“!!!

    diese verdammten scheiß-monopolisten mit ihren kommunistischen strukturen zerstören systematisch die poker-szene!!!

    das hat mit der grundsatzentscheidung zu tun, daß die poker-abteilungen keinesfalls expandieren sollten, da sie von der rendite-seite für das casino negativen EV haben. damit wird live-poker der geschäfts-politik geopfert und das spiel zerstört. den poker-spieler sieht man nicht als kunden, sondern als konkurrenz zum klassischen spiel, das nichts anderes ist als „systematischer Betrug“ am roulette- oder black-jack-spieler.

    das was die „armen teufel“ (spieler) an den roulette- und black-jack-tischen erleben, hat mit glücksspiel nichts zu tun: DAS IST BETRUG!!!

    und an diesem punkt stellt sich tatsächlich die frage: ist das Casino-spiel „organisierter betrug“ unter aufsicht des staates und der auftrag, die eigenen bürger zu betrügen?
    und sind die casino-mitarbeiter „ausgebildete betrüger“ mit dem ziel, den „gast“ – und damit auch seine komplette familie, firma, vermögenswerte – systematisch zu vernichten???
    und was hier verwundert ist, daß selbst die presse die mafia-ähnlichen machenschaften der casino´s nicht zum anlaß nimmt, öffentlichkeitsarbeit im dienste des bürgers zu leisten?

    JOURNALISTEN: sprecht mit den spielern direkt in den casino´s – ihr werdet staunen, was ihr da zu hören bekommt.
    wie spendabel die casino`s mit gratis-alk-getränken umgehen, um die spieler an den tischen zu halten ……
    einfach nur: WIE MODERNE ABZOCKE FUNKTIONIERT!!!!!!!! ein absoluter wahnsinn unserer „modernen zeit“! dinge, die es in einem funktionierendem rechtsstaat eigentlich NICHT mehr geben dürfte!!
    und die politiker? die halten natürlich die fresse, wird das ergaunerte geld doch dringend gebraucht…. na, und vielleicht ist ja nach der „polit-karriere“ für den ein oder anderen auch noch ein gutdotierter job in der glücksspiel-industrie drin …

  5. idefix hat 100% recht auch wenn die Wortwahl sehr hart ist, aber ich kann ihn verstehen, da auch er Hintergrundwissen hat.In Dortmund arbeiten zwei Betrüger immer noch im Casino,da alle zusammen halten.

  6. sehe das nicht so dramatisch.

    wie der tagesablauf in dortmund ist,dazu kann ich nichts sagen. aber die großen pokerturniere sind auf jeden fall sehr attraktiv in dortmund.
    fakt ist auch dass mittlerweile in jedem casino ein zufriedenstellendes bis sehr gutes pokerangebot zu finden ist.
    ich wüsste gerad keinen ort in westdeutschland an dem im 250km umkreis kein casino mit cashgame zu finden ist.

  7. Guter Artikel. Danke. Und wenn das stimmt, was Martin und Kaspar sagen (voran ich keinen Moment zweifle), dann muss ich sagen, waren die Dealer bei den privaten Anbieter besser ausgebildet, Uhren vorhanden usw.

    Aber diese Artikel liest natuerlich wieder kein einziger Bundesrichter, kein Mitglied der Spielbankenkommission…

    Schade.

  8. Das Studium, beziehungsweise die erste Seite im Web, hat ja alles über Bern ausgesagt.
    Martin so viel Geduld beim Lesen. Bravo.
    Wir sehen uns alle in Wien.

  9. so wie es ausschaut, leben wir in Österreich quasi im gesegneten Land der Live Pokers. Hoffentlich ändert sich daran durch das „glücksspiel“ Gesetz nichts

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