- Lektionen fürs Leben: Fedor Holz zeigt, wie man aus Niederlagen persönliche Stärke zieht.
- Leistungsfaktor Umfeld: Warum das richtige soziale und räumliche Setting entscheidend ist.
- Fokus auf das, was zählt: Holz erklärt, warum man sich nicht vom Erfolg blenden lassen sollte.
Fedor Holz hat in seiner Karriere Millionen gewonnen. Natürlich hat er aber auch zur Genüge erfahren, wie sich schmerzhafte Niederlagen anfühlen. Laut eigener Aussage verlor er an 78 % seiner aktiven Poker-Tage Geld. Und dabei ging es nicht um Kleckerbeträge, sondern teils um Einsätze in der Höhe eines Einfamilienhauses.

In seiner neuen Autobiografie All In schildert Holz eindrücklich, welche Strategien ihm geholfen haben, Misserfolge zu verkraften und in persönliche Entwicklung zu verwandeln. Jetzt gab er ein Interview mit der AZ, in dem der Profi erklärt, wie sich diese Erkenntnisse auf das Berufs- und Privatleben übertragen lassen.
Entscheidungen statt Ergebnisse bewerten
Holz plädiert dafür, sich weniger auf Resultate zu konzentrieren und stattdessen die Qualität von Entscheidungen in den Fokus zu rücken. Im Poker könne ein Gewinn trügerisch sein, denn nicht jede profitable Hand sei auch gut gespielt. Dasselbe gelte im Berufsalltag: Erfolg sei nicht immer ein Zeichen von Können, sondern oft das Resultat günstiger Umstände.
Wer sich hingegen auf stete Verbesserung konzentriere, stärke seine Performance nachhaltig. Fehler solle man nicht verdrängen, sondern bewusst und am besten schriftlich analysieren, um daraus zu lernen. Entwicklung sei ein Prozess, der aus vielen kleinen Schritten bestehe, nicht aus plötzlichen Umbrüchen.
Mentale Stärke als Erfolgsfaktor
Stressresistenz, emotionale Kontrolle und die Fähigkeit, Angst in produktive Energie zu verwandeln, all das habe Holz über Jahre hinweg am Pokertisch kultiviert. Bei schwierigen Entscheidungen, etwa einem Umzug für den Job, solle man zwar Risiken kalkulieren, sich dann aber auf die Qualität der Entscheidung fokussieren und nicht auf mögliche negative Konsequenzen.
Angst, so Holz, sei selten ein hilfreicher Ratgeber. Um in solchen Momenten ruhig zu bleiben, rät er zu einer Technik, die ihn selbst stärkt: sich geistig an einen Ort der Kraft zu versetzen. Bei ihm sind es die Berge. Diese Form der inneren Zentrierung könne dabei helfen, emotionale Klarheit zu gewinnen.
Das richtige Umfeld und ehrliche Menschen
Abseits der mentalen Arbeit sei auch das Umfeld entscheidend. Wer unter Druck, finanzieller Unsicherheit oder isoliert arbeite, könne sein Potenzial kaum ausschöpfen. Holz berichtet, wie entscheidend es für ihn war, sich mit anderen ambitionierten Spielern auf Cherry Island zurückzuziehen. Das war eine Art Poker-WG auf Zeit, in der gegenseitiger Austausch und konstruktive Kritik das Spielniveau aller Beteiligten deutlich anhoben.
Für den Alltag bedeute das, dass ein unterstützendes, kompetentes Umfeld den Unterschied ausmachen kann. Ebenso wichtig sei es, sich mit authentischen Menschen zu umgeben. Als Profi habe er gelernt, Körpersprache zu lesen. Viele Lügen erkenne man laut Holz nicht am Inhalt, sondern an der Nervosität, die sie begleitet.
Holz selbst spielt derweil nicht mehr so aktiv wie früher und konzentriert sich heute lieber auf andere Projekte. Statt an Final Tables zu sitzen, widmet er sich inzwischen vermehrt dem Unternehmertum, schreibt Bücher, hält Vorträge und entwickelt Coaching-Programme rund um mentale Stärke und Entscheidungsfindung. Der einstige Highroller nutzt seine Erfahrungen heute also, um andere dabei zu unterstützen, im Leben die richtigen Karten auszuspielen.