Kolumnen

Fiftytwo Shades of Karten

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Rauchen, Alkohol, Heroin, Mettwurst, Sex und auch Poker haben etwas gemeinsam. Einen möglicherweise gegebenen Suchtfaktor. Aus Spaß wird Hörigkeit. Fiftytwo Shades of Grey. Und wir stehen total drauf. Wie auf Mettwurst. Hedonistische Vergnügungen der besonderen Art.

Viele Moralapostel kommen jetzt um die Ecke, mit ihren dauerhaft erhoben, erigiertem Zeigefinger. Und verdammen Alkohol schon zum Frühstück; verdammen Sex mit Haushaltsgeräten und verdammen Glücksspiele aller Art. Natürlich sind das keine Glücksspiele, über die wir hier reden. Natürlich sind das Geschicklichkeitsspiele, Strategiespiele. Teilweise sogar Sport. Natürlich. Trotzdem vergleicht man uns mit Alkoholikern, die ihre verhängnisvolle Neigung nicht erkennen. Oder sie alle zwei Jahre in einer entsprechenden Klinik therapieren. Eine Art Wellnessurlaub. Entgiftung, Entzug, Betty.

Innere Kämpfe werden ausgefochten. Gegen unseren Schweinehund, der in uns wohnt. Das Arschloch. Der Drecksack will an unser Lebensgefühl, will ein Stück von unserer Lebensqualität haben. Krank auch ohne Fieber. Trotzdem teilweise eine apathische Besessenheit; von der erfüllt sind, die uns fast schon körperlich ereilt. Gib mir also meine zwei Karten jetzt. Und lass mindestens eine davon ein As sein. Weil ich Position habe. Und dem Patient auf Seat 3 eine reindrücken will.

Nein, auch ich bin nicht abhängig. Und ja, ich kann jederzeit aufhören. Jederzeit, kein Problem. Nur heute nicht. Es läuft gerade so gut. Morgen aber garantiert. Ganz bestimmt. Wirklich. Also – zumindest eingeschränkt. Nur ein wenig. Aber ansonsten kann ich jederzeit aufhören. Echt. Nein, ich bin nicht süchtig. Ja, ich kann jederzeit aufhören. Jederzeit, kein Problem. Nur heute nicht. Es läuft gerade überhaupt nicht gut, ich muss reinholen. Morgen aber garantiert. Wirklich. Ganz bestimmt. Also – zumindest eingeschränkt. Nur ein wenig. Aber ansonsten kann ich jederzeit aufhören. Echt.

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