Pokerstrategie

Gambling oder Gaming?

Der Gegner ist All In, du drückst auf Call. Du bist vorne, wirst am Flop überholt, bekommst am Turn eine Chance und gewinnst die Hand am River. Glück oder Geschick? Wer unmittelbar auf Geschick pocht, verhält sich zwischenmenschlich ungeschickt und läuft Gefahr dem Argument eines Faustschlags zu erliegen.

Der Pokersport ist einzigartig. Er ist eine phantastische Verdichtung des Lebens. Die allgegenwärtige Frage, ob Poker vom Glück oder vom Geschick abhängt, lässt sich nur für jeden einzelnen entscheiden. Poker ist, was man daraus macht.

Als Pokerspieler entscheidet man nicht nur im fast banalen Triple Fold-Call-Raise. Man entscheidet auch darüber, unter welchen Regeln man für wie lange gegen wen antritt. Poker bietet jedem Spieler, der seinem Umfeld überlegen ist, die Möglichkeit, ohne Risiko zu gewinnen. Gute Spieler brauchen kein Glück, sie brauchen nicht einmal Startkapital. Sie sind einfach nur gut. Das Spiel fördert jeden, der gut ist.

Das ist die Wahrheit und genau hier liegt das Problem: „Gut sein“ am Pokertisch ist ein sehr formbarer Begriff. Interpretiert als „ich bin gut“ passt er wie angegossen in den Kopf eines jeden Pokerspielers. Schon sind alle gut. Es gewinnen aber nicht alle. Viele müssen sich also entscheiden, ob Poker vielleicht doch nicht jeden fördert, der gut ist, oder ob man sogar selbst zu denen gehört, die nicht gut sind.

Poker wird immer mehrheitlich als Glücksspiel verrufen bleiben. Folgende negative Spirale liegt auf der Hand: Manche „Verlierer“ haben die Größe, den Fehler bei sich zu sehen und bewahren sich die Würde des Schweigens. Andere lenken laut von der eigenen Verantwortung ab indem sie das Spiel verunglimpfen, um sich selbst zu gefallen. Es bleiben nur mehr die Sieger, die dagegen argumentieren könnten. Doch sie tun es nicht. Sie sind beschäftigt mit gewinnen – freuen sich sogar, dass die Legende vom Glück lebt.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan Kalhamer für
gaming-institute.de


17 Comments
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9 Jahre zuvor

perfekt….danke

Rab Bit Hunting
9 Jahre zuvor

„Poker ist, was man daraus macht“ – gut gesagt im Zusammenhang mit der Frage nach Geschick und Zufall

4zeluls
9 Jahre zuvor

Die einzig richtige Antwort ist, dass eine einzelne Hand im Poker zu 100% Glück ist, aber unendlich viele Hände zu 100% Geschick. Für Turniere gilt das selbe.

Gustav Gans
9 Jahre zuvor

Berufsbedingt ist Kalhammer dazu verdammt diesen Standpunkt zu vertreten. Glück kommt per Definition in der Mathematik nicht vor. Alles unterliegt einer berechenbaren Wahrscheinlichkeit, selbst die eigene Existenz._

X
9 Jahre zuvor

@4zeululs

Das der Geschickanteil bei hoher Handzahl vorhanden ist, ist korrekt. Trotzdem wird der Geschickanteil niemals auch nur annähernd auf 100 % landen, da die Kartenverteilung immer zufällig bleibt.

RADIOMEN
9 Jahre zuvor

“ ohne Risiko gewinnen “
“ gute Spieler brauchen kein Glück “
“ freuen sich sogar, daß die Legende vom Glück lebt“
Wenn ich nicht wüßte das er Mathematiker ist würde ich sagen sie haben ihn ins Gehirn geschissen.
Doch ich kenne viele Fachidioten und kann seine Meinung verstehen.
Er muß ja offensichtlich Werbung für seine Pokerbücher und „Pokerschule“ machen um gut Geld zu verdienen.
Ich würde gern mal 3 oder 4 Stunden gegen ihn Pokern um zu sehen ob er sein Pokerwissen auch in jeder Situation umsetzen kann oder nur warme Luft bei ihm raus kommt.
Vielleicht arbeitet er ja auch fürs Finanzamt wo nur Verlierer Glücksspiele spielen und Gewinner halt Könner sind und dafür Steuern zahlen sollen.
Wie ich schon mal behaubtet habe : wenn er so gut pokern könnte wie er behaubtet durch Können pokern zu können währe er schon Multimillionär und bräuchte hier es nicht versuchen allen glauben zu machen.

Dragan
9 Jahre zuvor

Hallo Radioman…du hast es auf d.Punkt gebracht…ich hoffe er nimmt deine Herausforderung an….

Elephantman
9 Jahre zuvor

Lieber Radiomen,
bevor ich auf deine Behaubbbbbbtungen eingehe, die absolut neben der Spur sind, würde ich eher mal schauen was du da so behaup!!!!!test!!!!!

Elephantman
9 Jahre zuvor

Schöner, kraftvoller und sehr treffender Artikel Stephan Kalhamer.

Michael
9 Jahre zuvor

Stephan!

Dein Artikel deckt such voll and ganz MIT meinen Erfahrungen.

RADIOMEN
9 Jahre zuvor

@Elephantman
Ich hoffe du hast dir nicht deinen Namen nach dem Film „der Elefantenman“ augesucht sondern soll heissen das du ein gutes Gedächnis wie ein Elefant hast.
Zu deinem Kommentar weis ich nicht ob ich dieses Vakuum für lustig oder traurig halten soll.
Also wie lange brauchst du denn noch zum lesen, was ich da so Behaupte.
1.Ich behaupte das er nur Werbung für seine Pokerbücher + „Pokerschule“ macht um Geld zu verdienen.
2.Ich behaupte das er nur durchschnittlich pokern kann im Vergleich zu allen Pokerspielern die ich kenne und das ich jederzeit dazu bereit bin es zu beweisen in dem ich 3 bis 4 Stunden gegen ihn Poker spiele.

Tom
9 Jahre zuvor

Glück oder Können:
1. Wenn jedes Glück und jedes Unglück passiert ist, entscheidet das Können.
2. Wenn jeder perfekt spielt, entscheidet das Glück.
3. Der Rake ist unbesiegbar. Zahler zocken. Könner kalkulieren, d.h. leben vom rake. und von der Vermarktung des Spieles, finanziert durch sponsoring, letztendlich durch rakes. Kein Profi wird rake zahlen statt rake kassieren bzw die Sponsorengelder finanziert aus rake.
Es ist mehr smalltalk als Analyse.

Grob
9 Jahre zuvor

Verallgemeinern wir ein bisschen:
Jede Sportart (hier: Poker, die Bezeichnung „Sport“ halte ich für zweifelhaft, aber übernehmen wir ruhig mal das Vokabular) ist einzigartig.
ausser für wenige ausnehmen (z.B. Schach) gilt: die Frage, ob es glück oder können ist, kann jeder nur für sich entscheiden.
Alles (hier im Artikel ist als Substantiv „Poker“ eingesetzt) ist, was man daraus macht.
Man entscheidet, unter welchen regeln man wie lang gegen wen antritt (überall)
Jedes Spiel bietet dem Überlegenen Spieler die Möglichkeit, in einem unterlegenen Umfeld zu gewinnen.
Aus 10-20 Phrasen, die man immer wieder umstellt und mit und/oder verbindet, kann man so eine Reihe von Artikeln schreiben.
Inhaltlich nur eines: „…sie brauchen nicht einmal Startkapital….“
ist ungefähr so logisch wie „gute Bauern brauchen nicht einmal Saatgut“ „gute Maurer brauchen nicht mal Zement“ „gute Viehzüchter brauchen nicht einmal Vieh“.
Wie gesagt: das intellektuelle niveau der Artikel ist die Reproduktion der gleichen 20 Phrasen in anderer Reihenfolge und grammatikalisch anders formuliert. Wie oben gezeigt, stammen manche Phrasen vermutlich aus anderen Quellen, statt „Alles“ ist als Substantiv „Poker“ eingesetzt.

RADIOMEN
9 Jahre zuvor

Bei “ gute Spieler brauchen nicht einmal Startkapital“ muss ich leider zustimmen.
Da ich meine ersten Dollar auch über Freeroll gewonnen habe. Erst mal 10 Cent, dann 30, dann 50 und später mit dem gewonnenen Geld Eindollarturniere und Zweidollarturniere gespielt habe. Doch es ist sehr zeitaufwendig für 30 Cent drei Stunden online Freeroll zu spielen. Da es ja erst rund 10 Jahre Pokerstar bzw. Onlinepoker gibt und man sich ja auch einen Computer kaufen muss um spielen zu können stimmt die Aussage natürlich nicht so ganz mit “ gute Spieler brauchen kein Startkapital“ Versuch doch mal ins Casino zu gehen und sage : hier bin ich , ich bin guter Spieler und will hier jetzt gewinnen ,bin gespannt was das Casino darauf antwortet. Auch zum Thema Onlinefreeroll muss ich sagen, wenn man 5.000 oder 10.000 Spieler hinter sich gelassen hat , hat man so viel Coinflips und Badbeats gesehen das man meint es geht nicht mit rechten Dingen zu. Also wenn Stefan Kalhamer sagt er könne das Pokerspiel so beherschen das er sich übers Glück hinwegsetzen kann dann ist das mehr als naiv von ihm. Poker könnte nur als Sport gelten, wenn es niemals um Geld gespielt wird. Dann währe wohl auch schnell der Pokerboom vorbei, denn es fahren nicht 10.000 Spieler nach Vegas zu Weltmeisterschaft wenn nur drei Medallien für die ersten drei Plätze zu vergeben sind sondern die Spieler fahren hin um Geld zu gewinnen nicht als Sportler.

caller
9 Jahre zuvor

@radimen:
die Behauptungen:
1. Dass Stephan Kalhamer sein Geld nicht am Pokertisch verdient, sondern durch die Werbung dafür, dem stimme ich zu.
2. ob er überdurchschnittlich pokert oder nicht, weiss ich nicht. Jedenfalls ist er nicht so „gut“, dass er am Spieltisch reicher würde als durch das Marketing. vermutlich ist niemand so „gut“.

Beim Glück: Wer bei einem grossen Pokerturnier mit mehreren tausend Teilnehmern einen Millionenpreis gewinnt, verdankt seinen Erfolg sicher zu mehr als 99,9% dem Glück. Gerade hier kann man nicht an 10000 verschiedenen Turnieren teilnehmen und hat dann das Gesetz der grossen Zahl auf seiner Seite und kann dann die Statistik überprüfen. Das dauert rein biologisch zu lang.

Statt „gaming institut“ oder „Pokerfirma“ könnte man es auch „Werbeagentur“ nennen.

Abschliessend eine Frage an den Mathematiker: Statt zu sagen „kein Startkapital“ könnte man es doch in einer Zahl ausdrücken. Wie viele BBs braucht man, um das Risiko des Ruins auf unter 5% zu halten? und wie hoch ist dann die Gewinnrate in 100 deals? man kann es mit einer Zahl beantworten, ohne weiteren Kommentar. eventuell noch mit der Angabe des buy-in am Anfang der Runde. Als Variablen nur die Grössen BB und buy-in. Die Gegner sucht man sich ja bekanntlich aus als „guter“ Spieler. Das Glück spielt ja bekanntlich keine Rolle.

angelo
9 Jahre zuvor

ich spiele seit 2006 und das regelmäßig würde so ca 250-300tage im jahr sagen, online nicht so viel wie live und ja ich kämpfe jeden tag um klar zu kommen.
Glück? ? Natürlich brauch man in gewissen Situationen Glück und dann muss man noch abwegen, ok hab ich jetzt ein 20/80 ding gewonnen für 500 oder verliere ich 80/20 oder 90/10 für 3k,,also die vVarianz ist so gross und das rake in vielen casinos so hoch, dass es schwer wird mittlerweile, .
Vor 4jahren war noch soviel Fallobst in den Casinos und heute vll mal 1-2 am tisch.
Die kunst ist wenn man davon leben will:
Immer volle Konzentration, Motivation und an schlechten tagen wenn man down ist nach hause zu fahren und ein kühles Wasser darauf zu trinken und die RESET Taste zu drücken und das macht Spieler aus ob sie klar kommen auf dem Spiel oder nicht,,,

AAsavedmylife
9 Jahre zuvor

Da sagst du was wahres angelo. Aber das wird mehr oder wenig ja auch im artikel gesagt: Man muss einfach einsehen, wenns nicht läuft und die reset-taste drücken können.. Früher konnte man, und da gebe ich dir wieder recht, sich viel mehr darauf verlassen, dass viele andere am tisch weniger ahnung haben als man selbst – das ist inzwischen zum großteil nicht mehr so!