Kolumnen

Ghostplayer kills the Early Bird

Poker verändert sich ständig und nicht alles, was vor Jahren als Revolution gefeiert wurde, ist noch immer so gut. Das gilt für Re-Entries, Multi Day Events und Running Antes. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Ghostplayer ihr Comeback feiern.

„Wir brauchen wieder mehr Unterhaltung“ und „Wir brauchen die Freizeitspieler“ wird gebetsmühlenartig von den (Online-)Anbietern wiederholt. Poker ist viel zu professionell geworden. Tatsächlich ist es auch so, dass eigentlich zu viel für die Spieler getan wurde.

Re-Entries wurden erfunden, um Bad Beats zu mildern. Wenn man wirklich gleich zu Beginn in einem Turnier Pech hat, dann soll man sich noch einmal einkaufen können – das war die ursprüngliche Intention. Mittlerweile sind (unlimited) Re-Entries bis Level 10-15 schon fast Standard. Dass sich Spieler dadurch „verkauft“ haben, beginnt man langsam zu spüren. Dass die Cashgames dabei rückläufig sind, haben viele verdrängt. Wie soll man denn auch ohne die Re-Entries hohe Garantiesummen erreichen können? Re-Entries und hohe Garantiesummen führen aber gleich auch zum nächsten „Problem“ – Multi-Day Turniere.

Ist es wirklich so toll, drei Tage zu spielen, um beim Min-Cash das Buy-In zu verdoppeln, obwohl man schon fünf Bullets ins Turnier geschossen hat? Oder den Min-Cash zu erreichen, wenn die Nebenkosten (Sprit/Hotel/Verpflegung) schon längst die Buy-In Höhe klar überschritten haben? Gewonnenes Geld gibt man leichter aus. Leider auch solches, das man eigentlich gar nicht mehr gewonnen hat, weil die Kosten den Gewinn schon vorher aufgefressen haben. Aber bei Tagesturnieren bleibt doch immer so wenig Zeit für eine gute Struktur. Vor allem wenn die Langsamdenker zuschlagen.

Die beste Struktur wird von den chronischen Spielverzögerern zerstört. 888poker geht mit der Shotclock dagegen vor, partypoker beschleunigt das Spiel mit dem neuen Button Ante Konzept. Fehlt eigentlich nur noch, dass auch wieder etwas gegen die leeren Tische zum Turnierstart unternommen wird. Zwar sind meist alle Tickets am Tisch verkauft, aber dank der Full Stack Policy setzt man sich erst in Level 9. Wer auch immer dagegen den „Early Bird Bonus“ erfunden hat, der hätte nur einfach wieder Ghostplayer hingesetzt. Ist sogar noch effektiver, wenn man Chips abzieht als Spieler dafür zu belohnen, dass sie das tun, was sie eigentlich sollen.

Poker ist Sport, man muss mathematisches Talent besitzen, körperlich fit sein und auch das Mindset muss stimmen. Auch diese Werbeslogans tragen dazu bei, dass Poker längst nicht mehr so interessant ist. Lustig ist vieles schon lange nicht mehr und langsam entdecken auch die Anbieter, dass alleine von der Erkenntnis, dass man sie braucht, die „recreational players“ nicht kommen. 

Für Poker ist tatsächlich nur eines notwendig – man muss es spielen. Egal ob online oder live, im Casino oder mit Freunden. Egal, ob aus sportlicher Motivation, der Beste sein zu wollen, oder aus gieriger, das meiste Geld gewinnen zu wollen. Egal, ob man Stunden lang Theorie lernt oder einfach auf sein Gefühl hört. Poker ist ein Spiel für alle und Poker ist Spaß. Und wenn dann mal alle aufhören, anderen zu erklären, wie man Poker spielt, dann spielen wir vielleicht auch wieder Poker.


6 Comments
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Zeljko
3 Jahre zuvor

Rosi, wo darf ich unterschreiben? ?

xxxxxxx
3 Jahre zuvor

Arbeitest du nicht exakt für das casino, dass eben alle diese innovationen eingeführt hat? Wurden reentries wirklich als zweite chance für spieler oder eben zur minimierung der overlays eingeführt?
Nun wird den casinos diese spirale zum verhängnis. 50000 € locken niemanden mehr hinter dem ofen vor. 100000, 200000 ist eher durchschnitt. Es müssen millionenbeträge her um den eigentlich unattraktiven standort interessant zu machen. Der anfangsgedanke war toll: 50000€ jedes wochenende, gratis essen und trinken und unterkünfte für 20€. Jetzt muss man für ein wochenende mittlerweile etliche hunderte an nebenkosten berappen. Gratis essen und trinken wird relativ, da man ja consumption fee zahlt. Beim letzten highroller event immerhin 200€ je entry. Wer dort zweimal startete hatte sich dann für 400€ das recht auf eine luxuspizza (3€ beim pakistani) erkauft. Nun würden die bekannten pokermedien argumentieren, dass ja dealer usw bezahlt werden müssen. Dafür gibt es aber auch eine fee von 5%, die freundlicherweise sogar vom preispool abgezogen wird bei einem overlay. Die bezahlten pokermedien erklären dann, dass es ein gesetz gibt und diese fee für steuern aufgewendet wird. Wundersam, dass dann andere casinos in der tschechei trotzdem noch schaffen auch bei overlays voll auszuzahlen. Die müssten dann ja theoretisch bald als illegal sbgestempelt werden und schliessen. Ja, das casino muss ja auch was verdienen. Rake beim cashgame, automatenspiel und roulette helfen dabei sicherlich.
Man darf ja auch nicht das schweigegeld (werbekosten) vergessen. Ansonsten würden wiohlmöglich die medien darüber berichten, dass der gefeierte boss in barcelona 3 mio verliert und nicht bezahlt oder gerade im letzten monat eben solches in vegas abzieht. Um alle blinden pokerspieler eben wie weihnachtsgänse ausnehmen zu können, muss genau dieser apparat am laufen gehalten werden. Die spieler blendet man dann halt einfach mit einer millionengarantie.
Ja, ich stimme absolut mit dir überein. Poker sollte wieder spass machen. Vielleicht einfach mit turnieren ohne falscher versprechen, mit fairen fees und bezahlbaren nebenkosten. Tatsächlich würde dein boss vielleicht mehr verdienen, da neue oder alte spieler kommen würden. Das geld bleibt dann auch im haus, wenn nicht bei hotel oder essenskosten, dann halt beim roulette oder automatenspiel. Dann könnte er auch weiterhin auf dicke hose machen und auch ehrenvoll verlieren.

Neumann
3 Jahre zuvor

Man muss „xxxxxxx“ weitestgehend Recht geben. Was allerdings der „Boss“ treibt, geht nur ihn etwas an. Mit der Expansion des Kings wurde nun mal eine Spirale in Gang gesetzt, die sich so einfach nicht stoppen lässt. Auch mich locken 100.000er Turniere nicht mehr hinterm Ofen hervor. Die Garantiesummen müssen nach oben, um den Laden am Laufen zu halten. Ich persönlich finde das nicht verkehrt, auch wenn dazu Multientries notwendig sind. Leider gab es diese beim ME des Midsummerfestivals nicht, so dass die Garantie deutlich verfehlt wurde. Ich habe mich 4x eingekauft, hätte das aber noch 5,6,7 oder 8 mal gemacht. Wer mies spielt oder Pech hat , zahlt eben. Billig war im Kings einmal, aber ich bezahle das , weil ich die Bemühungen honoriere und mich gut unterhalten fühle. Der 5% Abzug des Preispools ist allerdings schlicht Verarsche. Der sog. garantierte Preispool ist somit nie garantiert. Im tschechischen Sprachgebrauch mag man das anders sehen, im deutschen ist es schlicht Irreführend und auch ich glaube, dass der Abzug keine Steuer darstellt.

Hundekind
3 Jahre zuvor

Wer dem Boss traut ist selber schuld. Da erinnere ich mich an so einige badbeat Storys aus dem Kingz ???

Seti
3 Jahre zuvor

Ihr driftet vom Thema ab. Es geht nicht um ein spezielles Casino und nicht um ein speziellen „Boss“.

Poker kann Spass machen. Es ist wirklichlich ein tolles Erlebnis Live Poker zu spielen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die Atmosphäre wird durch die Rahmenbedingungen des Casinos, aber eben auch durch das Verhalten der Spieler bestimmt. Leider wird es immer seltener, dass man Live einen lustigen tollen Abend geniessen kann. Immer häufiger wird Pokeretikette „über Bord geworfen“ und die eigenen Ziele / Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt. Poker ist aber kein Solitaire Spiel.

Ich kann Rosis Ausführungen voll und ganz zustimmen. In die gleiche Kerbe ging auch mein Bericht aus 2016.

http://www.pokerfirma.com/Pokerforum/topic/pokeri-mit-seti-13-2016

luckyduck748
3 Jahre zuvor

Diese blöden Turniere mit 728 Starttagen boomen doch nur, weils zuviele Idioten gibt, die auf die Megagarantiesummen abfahren, nicht rechnen können und dort überall dabei sein wollen, aber eh nie einen Finaltisch sehen. Hobbyspieler können sich doch ohnehin nicht regelmässig 5 Tage am Stück fürs pokern reservieren. Eintägige Turniere mit vernünftigen Beginnzeiten (damits nicht im Morgengrauen endet) oder „normale“ 2-Tagesevents mit einer fixen Levelzanzahl am ersten Tag, sodass man weis, wann man nach Haus kommt, eventuell mit maximal einem zweiten Heat aber bitte, bitte ohne Doppelqualifikation und eventuell mit maximal einem rentry find ich wesentlich attraktiver (z.B. das Masters im PokerRoyale in Wr.Neustadt, heuer Anfang Dezember). Ansonsten: Ghostplayer sind lästig, hingegen freut man sich doch über einen Frühbucherbonus. Problematisch sehe ich hingegen staff-add-ons. Lästig am Tisch sind die vielen,die ständig in ihr Smartphone glotzen und die man ständig ermahnen muss, dass sie dran sind, enties zahlen sollen usw. Und dann noch die, die ununterbrochen badbeatstories anbringen wollen…