Kolumnen

Haben die weltweiten Turnierserien ausgedient?

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Weltweit wird gepokert. Aber dennoch kann man Spieler nur bedingt von A nach B bringen, das musste partypoker LIVE gerade wieder teuer lernen. Bis auf wenige Ausnahmen nimmt die Reisefreudigkeit der Spieler ab und damit müssen sich die Veranstalter abfinden.

Alljährlich lockt die WSOP die Spieler nach Las Vegas. Durch die WSOP funktionieren auch die großen Serien wie das Deepstack im Venetian und umkehrt macht das Mega-Angebot Las Vegas in dieser Zeit für die Spieler wieder so attraktiv. Ob es wirklich das Bracelet ist, was den Anreiz bietet oder doch nur die Kombination aus den vielen Spielern und den riesigen Preisgeldern, kann jeder für sich entscheiden, aber die Tendenz ist doch eher weg vom Bracelet. Die WSOP Europe beantwortet leider auch die Frage, denn kaum ein Amerikaner – wenn er nicht noch Punkte für die POY Wertung braucht – nimmt den Weg über den großen Teich auf sich.

Tatsächlich muss man aber auch sagen, dass die Weltmeisterschaft das einzige wirkliche weltweite Turnier ist, das auch funktioniert, aber eben nur in Las Vegas. Pokerstars hat versucht, die erfolgreichen einzelnen Serien zur großen PokerStars Championship zusammenzulegen. Die Events waren eigentlich gut, aber sie konnten die Erwartungen der Spieler nicht erfüllen und es gab harsche Kritik. Die World Poker Tour ist mit den Championship Events in den USA grandios, darüber hinaus konnte man die wirklich großen Events nicht etablieren. Im letzten Jahr bäumte sich partypoker LIVE mit der MILLIONS Serie auf, bekam aber reichlich Kritik wegen der massiven Re-Entries. Dieses Jahr versucht man es als Freezeout Serie oder zumindest mit deutlich reduzierteren Re-Entry Optionen. Das „neue“ MILLIONS Event in Rio brachte zwar reichlich Aufmerksamkeit, aber gefühlt einen Misserfolg. 439 Entries bei einem 10k Event sind zwar eigentlich alles andere als schlecht, aber bei einer verpassten $5.000.000 Garantie gibt es schon einen bitteren Beigeschmack. Die Side Events hatten mit Ausnahme des Eröffnungsevents überschaubare Felder. Und egal, welcher Veranstalter in Sochi pokert – außer russischen Spielern gibt es dort kaum Publikum, obwohl das Casino und die Umgebung wirklich sehenswert sind. Die Liste an Events, die zwar für internationales Aufsehen sorgen wie die EPTs, die Aussie Millions, die PCA und so weiter, ließe sich schon fortführen. Sicherlich bringen diese Events internationale Teilnehmerfelder, aber keine Völkerwanderungen. Nur eine kleine Gruppe der Pokerspieler ist das ganze Jahr unterwegs und selbst die Highroller werden müde.

Dass der Pokerboom vorbei ist, lässt sich aber auch nicht sagen. Denn es wird mehr gepokert als je zuvor und die Angebote steigen. Natürlich wird auch mehr um die Spieler gebuhlt, jeder will mit dem besten Turnier internationales Publikum anlocken. Das funktioniert aber eben nur bedingt, was definitiv mehrere Gründe hat und nicht nur den finanziellen Aspekt.

Der Trend „fahr nicht fort, poker‘ im Ort“ ist auf jeden Fall gegeben. Zu Hause wohnt es sich am bequemsten und auf jeden Fall auch am günstigsten. Die Kosten-Nutzen-Rechnung der mehrtägigen Events ist schon genau zu beleuchten, auch der Zeitaufwand. Auch bei pokerbegeisterten Hobbyspielern tritt dann doch Übersättigung auf und die Entscheidung über das Wochenendprogramm fällt zu Gunsten der Familie und gegen die Pokerreise aus.

Jedes Jahr wird der Pokerkalender noch voller. Mehr Events, mehr Anbieter, mehr Auswahl – und alle fischen im selben Teich. Kontrollierter Fischfang ist auch im Poker zu empfehlen, sonst kommen die Zuchtstationen nicht mehr mit der Aufzucht hinterher. Vor allem aber müssen auch die Spieler ihre Ansprüche anpassen. Schnell wird jede Veranstaltung, die keinen Millionenpreispool mit 2.000+ Spielern hat, als unattraktiv abgetan und schlechtgeredet. Jeder träumt den Moneymaker Traum, doch der erfüllt sich nun mal nicht so oft. Konstante Cashes mit gelegentlichen Turniersiegen in kleineren Feldern sind da schon deutlich realistischer zu erreichen und trotzdem muss man den Traum vom Mega-Erfolg nicht aufgeben, sondern auf einzelne Events konzentrieren. Jedes Wochenende ein 1000+ Feld schlagen und den Final Table zu erreichen, schafft auch kein Fedor Holz. Nicht jedes Casino kann riesige Events anbieten, aber oft zeigt ein zweiter Blick auf eine Veranstaltung, dass das vermeintlich unattraktive Turnier vor der Haustüre dann doch die bessere Wahl gegenüber dem Megaspektakel fernab der Heimat ist.

Die Auswahl in Europa ist auf jeden Fall dieses Jahr noch größer als zuvor. Egal wo im DACH-Raum man wohnt, das Angebot ist wirklich riesig. Auf Pokerrouter.com gibt es auch die Übersicht zum Pokerangebot in den Casinos, inklusive der kleinen Daily Tournaments und den großen Events. Mittlerweile geht der Trend dahin, dass die Eventtermine noch früher veröffentlicht werden, um auch den Urlaub besser planen zu können. Eine Übersicht findet Ihr natürlich auch immer in unserem Pokerkalender.

2 KOMMENTARE

  1. Wie schon Pokerfirma vor einiger Zeit schrieb, saugen die Re-Entry Turniere die Spieler aus. Die hohen Buyins ab € 2000,– sind auf Dauer für die Masse der Spieler nicht leistbar, dazu kommt das hohe Rake beim Cashgame in fast ganz Europa. Nicht zu unterschätzen die Reisekosten, anstatt der 10 Tage im teuren Hotel könnte man mit Familie auch gleich auf Urlaub fliegen. Alles ist eine Frage der finanziellen Leistbarkeit und die ist bei den meisten doch begrenzt !

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  2. Ich fahre Regelmässig zur Irish Open, dieses jahr werde ich aber das erste mal nicht mehr das ganze Festival spielen sondern nur noch das Main Event, einfach weil 10 Übernachtungen im Hotel mal eben nen 1000er extra kosten + Essen + Flug etc. wenns dann noch schlecht läuft kann man auch mal eben 5k verlust einfahren wovon die hälfte fast nur Nebenkosten sind, also spart man da am ehesten.

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