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Harrah’s und die WSOP

Die WSOP feiert dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum – die Beziehung zwischen Harrah’s und der WSOP ist weit jünger, aber trotz allem sehr erfolgreich. Als vor einigen Jahren die Marke WSOP von Harrah’s aufgekauft wurde, war der Aufschrei groß. Denn obwohl alle Casino Konzerne natürlich gewinnorientiert arbeiten, hatte Harrah’s von all diesen den denkbar schlechtesten Ruf in der Branche. Viel befürchteten das Ende der WSOP.

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Das Ende war es nicht – ganz im Gegenteil! Die WSOP ist größer, bekannter und erfolgreicher, als sie es jemals war. Auch wenn es am Anfang große Startschwierigkeiten gab. Lange Schlangen, schlechte Turnierstrukturen, unlesbare Karten, schlechtes Essen und ein zusätzliches Turnierzelt das bei starkem Wind lebensgefährlich war, sind nur einige der Bespiele. Aber Stück für Stück wurden diese Haken und Ösen bereinigt und im Jubiläumsjahr scheint es so gut zu laufen wie noch nie.

Das ist vor allem auch dem Team um Jeffrey Pollack, Seth Palansky, Nolan Dalla und Jack Effel zu verdanken. Sie sind die Köpfe hinter der WSOP der Neuzeit und sie sind es, die die WSOP jedes Jahr wieder besser gemacht haben. Allerdings nicht ohne die Spieler zu Rate zu ziehen. Denn relativ bald hatte man bei Harrah’s erkannt, dass es ohne diese nicht geht. Daher hat auch ein Gremium von bekannten Pokerspielern jedes Jahr ein gewichtiges Wort mitzureden.

Natürlich ist die WSOP der Neuzeit nicht mit der alten WSOP aus dem Binions Horseshoe zu vergleichen. Der Binion Familie gebührt die Ehre diese einmalige Veranstaltung erfunden zu haben, aber sie wären niemals in der Lage gewesen, das zu stemmen was durch den „Moneymaker-Effekt“ ausgelöst wurde. Sicher ist dadurch, dass es eine Massenveranstaltung geworden ist, vieles an persönlicher Atmosphäre verloren gegangen, aber trotzdem hat man das Gefühl, dass es immer noch ein großes Familientreffen ist. Und andererseits würde es die WSOP vielleicht gar nicht mehr geben, wenn Harrah’s damals nicht eingegriffen hätte. Denn unabhängig von der WSOP und ihrem gestiegenem Bekanntheitsgrad hatte Becky Binion zu der Zeit das Horseshoe mehr oder weniger in den Ruin getrieben.

Harrah’s gebührt die Ehre die WSOP zu einer der bekanntesten Marken im Pokergeschäft gemacht zu haben. Der Preis dafür ist eine höhere Gewinnorientierung und der damit verbundene Verlust an Traditionen. Mancher schüttelt den Kopf darüber wie lieblos z.B. die Bracelet Zeremonien sind. Und natürlich hatte das Pokern im Binions Horseshoe eine andere Atmosphäre als das Pokern in den Messehallen des Rio. Aber der Zauber der WSOP bleibt bestehen und das ist eigentlich das besondere an dieser Geschichte. Denn der Zauber der WSOP bleibt ungebrochen und jedes Jahr gibt es für die Pokerspieler der ganzen Welt wieder ein Highlight zu dem es sich lohnt nach Las Vegas zu reisen.

Allerdings darf man bei dieser Erfolgsgeschichte auch die Online Pokerindustrie nicht vergessen. Denn ohne diese und die Chance sich für kleines Geld für die WSOP zu qualifizieren, wäre dieser ganze Boom niemals entstanden. Das ist für Harrah’s inzwischen allerdings Segen und Fluch zugleich. Denn der UIGEA (quasi das Gesetz über die Illegalität von Online Poker in den USA) machte es Harrah’s schwer diesen Markt optimal zu nutzen. Natürlich gab es prompt diverse Unkenrufe, dass der UIGEA das Ende der WSOP bedeuten würde.

Und wieder einmal wurde die Pokerwelt eines besseren belehrt. Die Rekordzahlen der Vor-UIGEA Zeiten wurden zwar nicht mehr erreicht – aber trotz allem blieb das Desaster aus. Wieder einmal hatte der ungeliebte Riese Harrah’s den Spagat geschafft und sich auch hier durch die gesetzlichen Einschränkungen manövriert. Zwar gibt es heute keine eigenen Lounges der Pokerräume mehr – aber die WSOP ist und bleibt auch für diese ein interessanter Werbemarkt. Und deswegen gibt es auch immernoch eine unglaubliche Anzahl von Möglichkeiten um sich für die Teilnahme an der WSOP zu qualifizieren.

Aber auch nachdem man den UIGEA überstanden hatte, sollte die WSOP nicht so richtig zur Ruhe kommen. Denn kaum hatte man bei Harrah’s das Schiff WSOP nun langsam auf den richtigen Weg gebracht, kam die Nachricht, dass Harrah’s selbst an zwei private Investorengruppen verkauft wird. Erst einmal hat sich dadurch nichts geändert, aber sollten schwere Zeiten kommen, könnte ein Markenname, der sich versilbern lässt, schnell zur Disposition stehen. Und die schweren Zeiten sind bereits da. Die Immobilienkrise hat auch vor Las Vegas nicht halt gemacht. Das geplante neue Heim der WSOP, ein „Mega“ Horseshoe Casino auf dem Strip anstelle der Casinos Ballys, Bill’s Gambling Hall, Imperial Palace und Harrah’s, wird es wohl auf absehbare Zeit nicht geben.

Würde ein Verkauf der Marke WSOP diese zerstören? Schwer zu sagen. Irgendwie hat die WSOP ein unheimliches Eigenleben entwickelt, das schwer zu stoppen ist. Sollte es aber doch einmal passieren, könnte es ein Stopp für immer werden. Harrah’s hat dies damals rechtzeitig erkannt und ist Stück für Stück in die richtige Richtung gegangen. Ein neuer Besitzer hätte dann dafür hoffentlich auch genug Weitblick.

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Aber glücklicherweise steht dieses Szenario aktuell nicht auf dem Tagesplan. Die WSOP hatte gerade ihr Bergfest und noch drei weitere Wochen stehen an um neue Pokerkarrieren zu erschaffen oder Alte zu vergolden. Allerdings scheint es dieses Jahr (vielleicht auch aufgrund der geänderten Turnierstrukturen) ein gutes Jahr für die bekannten Namen im Pokergschäft zu werden. Zwei Bracelets für Phil Ivey, eines für Jeff Lisandro, zwei Finaltische für Daniel Negreanu, viele weitere sehr gute Resultate der Pros aber auch Back-to-Back Bracelets von Newcomern zeigen, dass trotz der hohen Teilnehmerzahlen der Skill-Faktor immer noch eine entscheidende Rolle spielt.

Allerdings könnte die WSOP dieses Jahr tatsächlich auch noch einen Abschied feiern … nämlich den Abschied aus dem Rio. Die Gerüchte darüber kursieren seit Jahren, aber Jeffrey Pollack selbst hat Anfang des Jahres in einem Interview diese nun mehr oder weniger bestätigt. Eventuell könnte sich alles noch um ein weiteres Jahr verzögern, aber die Anzeichen mehren sich, dass bereits die WSOP 2010 nicht mehr im Rio stattfinden könnte. Der neue Austragungsort? Schwer zu sagen. Allerdings scheint derzeit die einzig sinnvolle Alternative das Caesars Palace zu sein. Und nach dem Desaster mit den Mega-Stack Turnieren in diesem Sommer könnte das Caesars Palace gute Nachrichten im Pokerbereich gebrauchen. Und die WSOP Teilnehmer würde es wohl auch freuen, denn eine besonders beliebte Heimat für die WSOP war das Rio für die meisten wohl niemals. Aber vielleicht kommt alles ja auch wieder ganz anders…


2 Comments
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Oliver Neumann
11 Jahre zuvor

habt ihr über ein „desaster“ im ceasars berichtet? ein verweis zu diesem bericht würde mich interessieren,
da ich letzte woche noch in vegas war und oft im ceasars gespielt habe, jedoch nichts von einem desaster bemerkt habe…
mag sein dass die teilnehmerzahlen rückläufig sind. das betrifft jedoch alle casinos in vegas. das geld sitzt eben nicht mehr so locker wie im letzten jahr.