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Im Pokerfirma.de Interview – Markus Golser

Letzte Woche weilte Full Tilt Pro Markus für einige Tage in Wien. Die Gelegenheit musste genutzt werden und so habe ich mich mit ihm zum gemütlichen Plausch im Hotel Le Meridien getroffen.


Markus Golser beendet gerade sein Frühstück, es ist 15 Uhr.
Markus Golser am Final Table der CAPT Seefeld
Werthan: Begrüße dich, Herr Golser.

Markus Golser: Servus Werthan, wenn du rauchen möchtest, kein Problem.

Werthan: Nein, du bist seit Monaten Nichtraucher, das akzeptiere ich.

Markus Golser: Nein, ich bin Raucher.

Werthan: Okay das schreibe ich nicht, für den Fall, dass du Sidewetten laufen hast…..hast du?

Markus Golser: Ich predige beim Poker selbst immer, keine Sidegames zu machen, vor allem deshalb weil du meistens einen mathematischen Nachteil hast. Die Rückfallrate bei Rauchern liegt bei 60%, da stand die Quote von vornherein gegen mich.

Werthan: Gut, werde ich mir merken, wenn ich mal aufhören will. Keine Wetten darauf abschließen. Lass uns anfangen, ganz harmlos: Wer ist der beste Pokerspieler der Szene?

Markus Golser: Für mich ist mit Abstand der Beste Phil Ivey.

Werthan: Schade ich hatte mir erwartet, du sagst jetzt einen völlig unbekannten Namen, der irgendwo in einem Hinterzimmer eines Kaffeehauses hohe Limits spielt, aber nie zu einem Turnier fahren würde. Warum muss die Antwort wieder, und schon ein wenig langweilig, Phil Ivey sein?

Markus Golser: Aus dem Grund, weil er alles verkörpert was ein Spieler braucht. Er hat die Ruhe, die Geduld, den Überblick, die Coolness, Geld scheint ihm egal zu sein. Er ist ein genialer Turnierspieler, wie man an seinen Turnierresultaten sieht, er ist ein super Cash Game Spieler, spielt alle Disziplinen sehr stark, wie man an seinen unterschiedlichen Bracelets sieht – egal ob No Limit Hold’em, No Limit 2-7 Single Draw, PLOmaha, Seven Card Stud und das nicht nur im Live Game sondern auch online. Er ist einfach ein Gesamtpaket und in allem erfolgreich.

Werthan: Gut, wenn wir schon über Iveys Stärken reden, reden wir aber auch von deinen spielerischen Schwächen.

Markus Golser: Eine Schwäche ist sicher, dass wenn ich längere Zeit keine Hand bekomme, mich dann langweile. Wenn ich stundenlang bei einem Turnier sitze und dann irgendwann bekomme ich zum Beispiel JJ, die erscheinen mir dann als Monster und ich stelle meinen gesamten Stack hinein. (lacht) Das ist mir mit Jacks schon zweimal passiert und ist sicher eine Schwäche von mir.

Werthan: Gehst du on tilt?

Markus Golser im MontesinoMarkus Golser: Ein Tilt passiert bei jedem Spieler und ist immer eine ganz große Schwäche. Der Tiltfaktor ist einfach vorhanden, aber es ist immer abhängig von der Tagesform. Klar bin ich schon tilt gegangen, so wie jedem Spieler das schon mal passierte.

Werthan: Ich glaube mich erinnern zu können, dass Herr Kang auf die Frage von Herrn Körner, ob er schon mal Tilt ging mit einem „Nein, noch nie“ beantwortete. Ich hab dann aber nicht gesehen, ob sich die beiden dann krumm lachten. Was ist aber, wenn sie dies nicht taten?

Markus Golser: Der Herr Kang nicht tilt? (lacht) Gut dann würde ich jedem Leser der Pokerfirma empfehlen, die Folgen der German Highroller anzusehen, weil dann können sie sehen wie Herr Kang noch nie on Tilt gegangen ist. Wir haben dort mehrfach die offiziellen Premieren erlebt. Aber es ist auch so, dass viele Spieler oft gar nicht registrieren, wenn sie on Tilt sind und vielleicht geht es Ben auch so.

Werthan: Und jetzt eine kurze Werbeeinschaltung. Was ist das Card Coaches?

Markus Golser: Card Coaches ist eine Pokerschule, initiiert von Johannes Strassmann und mir, in die wir beide sehr viele gute und neue Ideen einbrachten. Wir spielen, erklären und analysieren Spielzüge und die Lernwilligen können da sicher ihr Spiel sehr verbessern. Wir werden da top sein.

Werthan: Das war die Werbung. Jetzt zu beinhartem Journalismus. Von Card Coaches wird ja schon seit 1 ½ Jahren geredet, weshalb ist da noch immer nichts passiert?

Markus Golser: Naja wir hatten Pech. Wir hatten einen Programmierer angestellt, der uns nach elf Monaten sagte, dass er das Projekt doch nicht umsetzen kann. Jetzt haben wir zwei der besten Unternehmen in Deutschland als Partner, ein fünfköpfiges Programmierer-Team und ein eigenes Team, das für das Design verantwortlich ist. Voraussichtlich werden wir im April online gehen, auf jeden Fall vor der WSOP. Anfangs für den deutschen Sprachraum, später aber werden wir sicher vergrößern.

Werthan: Braucht die Pokerwelt wirklich noch eine Pokerschule neben Card Runners und Poker Strategy?

Markus Golser: Man muss unterscheiden zwischen einer Affiliatefirma, die Poker anbietet, und einer Onlinepokerschule. Onlinepokerschulen gibt es jetzt gerade mal eine im deutschsprachigen Raum.
Aber ich sehe es so. Die Leute, die hinter Card Coaches stehen, haben schon eine große Öffentlichkeitspräsenz und sind sehr erfolgreiche Pokerspieler und die sind zum „Angreifen“, du bekommst direkt von denen ein Coaching. Es ist sicher lehrreich, wenn du ein Spiel und die Gedankengänge von erfolgreichen Spielern verfolgen kannst und nicht immer nur den unkommentierten Showdown. Johannes Strassmann ist ein top Turnierspieler, er ist in der EPT Rangliste Fünfter und ich bin der erfolgreichste Cashgamespieler im deutschen Sprachraum, zusätzlich kommen noch ebenso erfolgreiche Gästecoaches dazu, ein perfektes Team. So wird zum Beispiel Florian Langmann für die MTT und SnG Sektion verantwortlich sein.

Werthan: Das klingt jetzt eher unbescheiden. Ist es dir wichtig der Erfolgreichste zu sein?

Markus Golser: Es liegt in der Natur des Menschen, immer ganz vorne sein und ganz oben stehen zu wollen. Mir persönlich ist es wichtig, in dem großen Haifischenbecken zu überleben und zwar so, wie ich es in meiner gesamten Pokerkarriere geschafft habe. Und wenn ich als Nebeneffekt dann noch ganz oben stehe, ist es mir natürlich sehr recht.

Werthan: Nächstes Thema „All-In for Kids“

Markus und Werthan in VegasMarkus Golser: Ich war in Holland zu einem TV-Pokerevent eingeladen und bekam als Gage € 2.500 für einen karitativen Zweck. Es gibt auf der Welt so viele Kinder, die in unvorstellbarer Armut leben und Kinder sind das Größte für mich. Ich dachte mir, dass man was gegen die Not tun kann. Dann hab ich mit Sandra Naujoks gesprochen – Sandra hat schon vorher mal mit $50.000 von ihrem eigenen Geld ein Projekt in Kambodscha unterstützt – und wir haben beschlossen, All-In 4 Kids gemeinsam zu machen. Wir spenden 2% von unseren Turniergewinnen, werden auf verschiedenen Veranstaltungen versuchen, Geld für unsere Organisation bekommen und wollen noch weitere Spieler einbinden. Fast 100% der Spieler, die wir fragten, waren mit Begeisterung dabei. Auf jeden Fall werden wir uns gute, seriöse Partner suchen und in den nächsten Monaten wird das sicher eine große Geschichte werden.

Werthan: Du hast ja mit deiner Bemerkung bei der letzten Staffel der German High Roller, Hans Waldhauser wieder in Erinnerung gerufen. Anfang der 90er war das eine Zeit in der im, sagen wir, Espresso Nicki im Hinterzimmer mit Zuhältern und fünfhundert Jahren schwerem Kerker um öS 5.000 Blinds eine Drawpoker-Variante gespielt wurde, Schusswaffen genauso selbstverständlich waren wie der 76er Pontiac Firebird vor der Tür?

Markus Golser: Vielleicht gab es das, aber diese Zeit habe ich nicht miterlebt. Es hat sich von damals zu heute fast nichts verändert. Die Tische gab es schon immer, die Regeln waren die gleichen, die Pokertische haben existiert. Gerade in Österreich war es kein Hinterzimmerspiel, zumindest nicht in meiner Zeit. Das Publikum in den Card Casinos war auch dasselbe, bis eben auf die junge Internetgeneration, die gab es damals natürlich noch nicht.
Der Waldhauser war eine echte Type oder der Tiger von Salzburg und genau solche Typen haben das Pokerspiel in Österreich geprägt. Es war einfach eine lustige Zeit, weil der professionelle Gedanke nicht dahinter war. Du hast dich an den Pokertisch gesetzt und einfach drauflos gespielt und Varianten wie von Tiger, Limit Hold’em mit den Blinds 500/1000 Schilling mit nur einer Karte zu spielen, weil die Zweite hat er uns gezeigt, sind damals entstanden. Klar wollten wir gut spielen und gewinnen, aber es war richtiger Spaß im Vordergrund und viele Freundschaften bildeten sich damals. Manche von denen halten noch heute.

Werthan: Hattest du in deinen sechzehn Jahren Poker eine Phase, wo du dachtest, nicht genug Stärke oder Kraft zum Pokern zu haben?

Markus Golser: Nicht so direkt. Aber es hat eine Phase gegeben, in der ich einfach keine Lust mehr auf Poker hatte. Das ist jetzt sechs Jahre her. Ich war damals zwischen sechs und sieben Monaten im Ausland und was ich vermisst hatte, war ein Zuhause, eine Freundin zu haben und ein normales Leben zu leben. Aber dann kam Onlinepoker und ich hatte mehr Zeit, mein Leben wieder auf Poker auszurichten.

Werthan: Was bist du bereit für ein Bracelet zu tun?

Markus Golser: Das Buy-In bezahlen und sonst nichts. (lacht) Nein im Ernst, es steht für mich nicht an erster Stelle, natürlich wäre es sehr schön ein Bracelet zu gewinnen, genauso wie eine EPT oder CAPT. Ich bin Berufs-Pokerspieler und bestreite mein Leben davon und da brauche ich ein Einkommen und keine Titel.

Werthan: Was wäre die Motivation zu pokern, wenn es Geld einmal nicht mehr ist?

Markus Golser: Ich weiß es nicht. Nach 16 Jahren nicht mehr viel. Wenn ich jetzt beginnen würde zu pokern, dann würde sicher das Spiel zu lernen die Motivation sein.

Werthan: Das heißt, wenn du den Main-Event gewinnst würdest du aufhören?

Markus Golser: Nein, würde ich nicht, weil einfach der Reiz, der Kampf mich doch motiviert. Mir machen die Gedankenspiele gegen wirklich gute Gegner zu spielen einfach noch immer Spass.

Werthan: Gerade in der Hobbyspielerszene ist der Schritt von NLH zu PLO zu beobachten. Was kommt als logischer Schritt danach?

Markus Golser: Gar nichts. Auch wenn Seven Card Stud und Deuce to Seven schöne Spiele sind. Aber ein Spieler spielt ein Spiel nicht nur des Spieles wegen, sondern er gambelt ja auch gerne. Beim PLO hast du einfach um zwei Karten mehr und das macht sicher auch den Reiz aus, du hast mehr Kombinationen. Selbst mit „Any Four“ bist du nie so ein großer Außenseiter wie bei NLH.

Werthan: Letzte Frage, was ist eine echte Schwäche von dir?

Markus Golser: Alles, was ich mache ist, extrem (nach langem Nachdenken) und ich bin teilweise zu gutmütig.

Werthan: Markus, vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg weiterhin!


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