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Spanien: Warnhinweise wie auf Zigaretten für Poker & Glücksspiel

  • Klare Botschaften: Spanien zwingt Anbieter zu harten Warnhinweisen.
  • Poker betroffen: Auch Online-Pokerseiten müssen die neuen Vorgaben deutlich sichtbar einbinden.
  • Signalwirkung: Experten halten ähnliche Maßnahmen künftig auch in Deutschland für denkbar.

Online-Poker und andere Glücksspielangebote in Spanien müssen künftig mit drastischen Warnhinweisen versehen werden. Das gab das Ministerium für soziale Rechte und Verbraucherschutz bekannt. Die bisherigen, recht laschen Hinweise wie „Spiele verantwortungsvoll“ werden demnach in Zukunft durch deutlich eindringlichere Botschaften ersetzt.

Zigarettenstummel
In Spanien wird in Zukunft eindringlicher vor Glücksspiel gewarnt.

 

Auf Webseiten, in Apps sowie in digitaler Werbung sollen Nutzer künftig mit drastischeren Aussagen wie „Spielsucht ist ein Risiko beim Glücksspiel“, „Die Wahrscheinlichkeit, zu verlieren, liegt bei 75 %“ oder „Die Verluste aller Spieler sind viermal höher als die Gewinne“ konfrontiert werden. 

Diese Maßnahme wurde im Rahmen einer Überarbeitung des Königlichen Dekrets 958/2020 beschlossen und tritt nach Veröffentlichung durch die Glücksspielaufsicht DGOJ in Kraft.

Minister Bustinduy: Verantwortung liegt beim Staat

Pablo Bustinduy, zuständiger Minister, betonte bei der Vorstellung des neuen Gesetzes, dass die Hauptverantwortung nicht bei den Spielern, sondern bei den staatlichen Institutionen liege. 

Ziel der Maßnahmen sei es, besonders gefährdete Gruppen besser zu schützen und sozialen Ungleichheiten entgegenzuwirken. Laut Bustinduy würden sich physische Wettbüros häufig in ärmeren Stadtteilen konzentrieren, während Online-Plattformen durch ihre ständige Verfügbarkeit ein zusätzliches Risiko darstellen. 

Gesundheitsdaten aus dem Jahr 2022 untermauern den Schritt: 82 % aller Behandlungen wegen Verhaltenssüchten in Spanien gingen auf Glücksspielsucht zurück.

Widerstand aus der Branche

Der spanische Branchenverband JDigital kritisierte die Reform scharf. Die Gleichsetzung mit Tabak sei überzogen und in Bezug auf ein bereits streng reguliertes Marktumfeld unangemessen.

Dennoch plant die Regierung weitere Maßnahmen. Unter anderem ist ein Verbot von Prominenten in Glücksspielwerbung im Gespräch sowie Einschränkungen für Willkommensboni, die sich gezielt an junge Nutzer richten. Solche Boni waren 2020 untersagt worden, wurden im April 2024 jedoch wieder erlaubt, was laut offiziellen Angaben zu einem Anstieg der Online-Aktivität um rund 20 % geführt hat. Auch Pokeranbieter könnten davon betroffen sein, da sie stark auf Bonusmodelle und Influencer setzen.

Wäre so ein Schritt auch in Deutschland möglich?

Auf den ersten Blick scheint die spanische Lösung drastisch, doch ein ähnlicher Kurs ist auch in Deutschland nicht auszuschließen. Zwar gibt es hierzulande mit dem Glücksspielstaatsvertrag bereits ein rechtliches Fundament für Werbeeinschränkungen und Spielerschutz, doch Warnhinweise dieser Deutlichkeit sucht man bislang vergebens. Angesichts zunehmender Diskussionen um Werbespots während Sportübertragungen oder Twitch-Streams von Pokerpartien könnte sich das jedoch ändern. 

Entscheidend wird sein, ob sich auch in Deutschland eine Verbindung zwischen wachsender Spielsucht und aggressivem Marketing nachweisen lässt. Dass das Thema auch hierzulande Relevanz hat, ist angesichts von Millionen Menschen mit Glücksspielstörung jedenfalls klar. Spanien könnte in dieser Hinsicht zum Vorbild oder zumindest zum Katalysator einer breiteren Debatte in Europa werden.

    Yannick Schroth

    Yannick findet man immer dort, wo das WLAN stabil ist und Poker gespielt wird. Als digitaler Nomade schreibt er seit Jahren über das, was ihn wirklich packt: spannende Hände, emotionale Showdowns und die Menschen hinter den Chips. Während des Studiums machte er sich selbständig, um seine Reisen mit dem Schreiben zu finanzieren, blieb dann aber zumindest journalistisch am Pokertisch hängen. Heute liefert er Hintergrundberichte, News und Momentaufnahmen aus der Szene.

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