Vom Pokerspiel und der Automatenmafia

Der Anspruch für legales Poker ausserhalb von Casinos verfolgt einen grossen sozialen Aspekt. Weg von Suchtspielen wie Automaten, Roulette und Blackjack hin zum geregelten Spiel. Ein guter Pokerspieler muss kein Glücksspieler sein. Die Möglichkeit auf Selbstbestimmung der Höhe des Einsatzes anhand der Karten VOR dem Spiel ist der entscheidende Unterschied zu den genannten Glücksspielen. Und diese gehören ins Casino.

Der Anspruch für legales Poker ausserhalb von Casinos verfolgt einen grossen sozialen Aspekt. Weg von Suchtspielen wie Automaten, Roulette und Blackjack hin zum geregelten Spiel. Ein guter Pokerspieler muss kein Glücksspieler sein. Die Möglichkeit auf Selbstbestimmung der Höhe des Einsatzes anhand der Karten VOR dem Spiel ist der entscheidende Unterschied zu den genannten Glücksspielen. Und diese gehören ins Casino.

Das Geld wird an den Tischen verdient und wenn die Gegner mit Glücksspielen broke gehen, macht dies für einen seriösen Pokerclub keinen Sinn. Analog sehen es die Suchtexperten: Viele unterstützen den Ansatz betreffend reiner seriöser Pokerclubs ohne Glücksspiele. Eigentlich wäre es eine Win-Win Situation, denn Pokerspiel ist für die besagten Etablissements ein Spiel ohne Risiko, weil der Spieler gegen andere Gegner spielt. Einfach das Spiel organisieren und die Rake kassieren.

Für viele Betreiber sieht es heute schon anders aus. Ein Cardclub welcher noch ein paar Glücksspielautomaten betreibt, macht hier einen erheblichen zusätzlichen und sicheren Umsatz. Sie zählen auf dieses schnelle Geld, weil sie zusätzlich auch das Automatenpublikum anlocken, welches kein Poker spielt. Leider tun dies auch viele Pokerspieler, welche sich nicht im Griff haben.

Auch wird es mit der technischen Modernisierung und Internet immer einfacher solche Glücksspielautomaten zu betreiben. Solche Automaten sind eigentlich nichts anderes als ein Computer mit Windows Betriebssystem und mit grossem Monitor aufmotzt in einem Kasten. Natürlich darf das ganze nicht zu technisch aussehen, weil sonst die Kunden gleich in einem Onlinecasino im Internet spielen würden. An primitiven Automaten in illegalen Clubs merkt der Zocker meistens nicht einmal, dass er schon im Internet spielt.

Bezahlt wird Vorort und man bekommt Guthaben gutgeschrieben. Eine allfällige Auszahlung geschieht an derselben Stelle. Die Betreiber aus Osteuropa sind oft in Gruppen mit mafiösen Strukturen organisiert. Kassiert wird persönlich und regelmässig.

Aber auch bei den Automaten mit direkter Auszahlung (z.B. in Casinos), werden ähnliche Gruppen aus dem Osten vermutet. Die Zusammenarbeit mit einem Hersteller wird in Insiderkreisen sogar vermutet. So wurde letztes Jahr im Grandcasino Baden bei Zürich ein solcher Fall aufgedeckt. Das verhaftete Paar aus dem Osten hatte durch eine geheime Tastenkombination eine grosse Auszahlung ausgelöst. Dieser „getarnte“ Gewinn kann als Schutzgeldkassierung beim Automatenhersteller auf Kosten der Casinos verstanden werden, und schlägt sich natürlich auf die oft über neunzigprozentige gesetzliche Auszahlungsquote nieder. Die Zeche zahlt dann immer der „dumme“ Automatenspieler.

Der Schutz in der Schweiz solcher Machenschaften wird von der Eidgenössischen Spielbanken Kommission wahrgenommen. Alleine steht sie jedoch ziemlich hilflos gegen diese zunehmende technische Manipulation da. Hierfür könnte man eigentlich erwarten, dass der Schweizer Casinoverband (SCV) um Herrn Marc Friedrich etwas Unterstützung bietet und etwas mehr dagegen unternimmt.

Leider kostet dies vielleicht etwas zu viel Arbeit gegen diese sehr gut organisierten Gruppen vorzugehen. Lieber wendet man grosse Ressourcen auf, um einen Gegenentwurf der zustande gekommenen Volksinitiative „Für Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls“ zu bekämpfen. Innerhalb kurzer Zeit konnten hierfür 170’000 Unterschriften gesammelt werden. Dort würden wieder Pokerturniere bis Fr. 100.– (80 Euro) ausserhalb von Casinos erlaubt werden und die Bewilligungsmöglichkeit vom Bund an die Kantone übergehen. Notabene; für die konzessionierten Spielbanken könnten Turniere in dieser Höhe nur als Marketingmassnahme verstanden werden um die Spieler in ihre Häuser zu locken. An eine wirkliche Kostendeckung glaubt da keiner.

Der Gedanke betreffend legales Livepoker ausserhalb von Casinos wird in der Schweiz nicht aufgegeben. Es laufen grosse Bemühungen betreffend der Wiedereinführung. Aber man stösst auf harte Gegner mit viel Geld und viel Macht und sogar mit mafiösem Gedankengut. Doch wäre es mal an der Zeit, vermehrt gegen diese illegalen Glücksspielringe vorzugehen, anstatt mit der Polizei Sachpokerturniere aufzulösen, bei welchen dann der Hauptpreis, ein Ipod im Wert von 50 Euro, beschlagnahmt würde.

Cheers

Martin Bertschi

Martin Bertschi
Martin Bertschi

Scharfzüngige Schweizer Spieler, welcher Online und Live vom Pokerspiel sich den Lebensunterhalt verdient.

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