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Wer knackt zuerst die $100-Millionen-Marke?

Die Diskussion darüber, wie aussagekräftig die „All Time Money List“ im Poker wirklich ist, wird seit Jahren geführt. Für die einen ist sie nichts weiter als eine Vanity-Rangliste, die vor allem den Turnover der High Roller widerspiegelt. Für andere bleibt sie trotzdem ein faszinierender Gradmesser dafür, wer sich über Jahre hinweg an der absoluten Weltspitze behaupten konnte.

Spätestens nach den rekordverdächtigen High-Roller-Events der European Poker Tour in Monte-Carlo ist das Rennen um eine ganz besondere Marke jedenfalls wieder voll entbrannt: Wer wird als erster Pokerspieler die Grenze von $100 Millionen an Turnier-Cashes durchbrechen?

Bryn Kenney

Monte-Carlo bringt Bewegung ins Rennen

Vor allem zwei Namen standen in Monte-Carlo erneut im Mittelpunkt: Bryn Kenney und Stephen Chidwick. Beide spielten bei den großen High Roller Events tief mit, wobei Kenney am Ende die höheren Preisgelder einsammelte. Das hatte direkte Auswirkungen auf die ewige Geldrangliste.

Kenney führt die Liste aktuell mit knapp $85 Millionen an aufgezeichneten Live-Turniergewinnen an. Chidwick liegt dahinter – der Abstand zwischen beiden beträgt rund $6 Millionen. Das klingt zunächst deutlich, wirkt im heutigen High-Roller-Zirkus allerdings längst nicht uneinholbar. Schließlich investieren die absoluten Topspieler regelmäßig enorme Summen in Triton-Events und vergleichbare Super High Roller.

Auch Jason Koon machte in Monte-Carlo auf sich aufmerksam. Der Amerikaner gewann ein Invitational Sit & Go und kassierte dafür €1.000.000 in einem Winner-takes-all-Format. Dieses Ergebnis könnte ebenfalls noch in seine All-Time-Winnings einfließen. Aktuell rangiert Koon auf Platz drei der Liste.

Jason Koon

Die Rangliste misst nicht den Profit

So spannend das Rennen um die neunstellige Marke auch ist – die Aussagekraft dieser Zahlen bleibt umstritten. Denn die Rangliste berücksichtigt ausschließlich erzielte Cashes, nicht jedoch die tatsächlichen Buy-ins oder mögliche Verluste.

Gerade im High-Roller-Bereich können selbst Spieler mit gewaltigen Turniercashes unter dem Strich deutlich weniger Gewinn erzielt haben, als die Öffentlichkeit vermutet. Die Pokerwelt hat in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt, wie scheinbar extrem erfolgreiche High Roller trotz großer Scores finanziell scheiterten.

Trotzdem gilt die Liste weiterhin als wichtiger Indikator für Erfolg. Wer sich über Jahre auf diesem Niveau hält, muss zwangsläufig außergewöhnlich konstant performen. Dazu kommt, dass viele dieser Spieler wahrscheinlich trotzdem enorme Profite erzielt haben.

Stephen Chidwick selbst erklärte beispielsweise in einem „Ask Me Anything“-Thread, dass sein tatsächlicher Profit aus Live-Turnierpoker irgendwo im Bereich von rund $10 Millionen liege.

Nicht jeder Topspieler ist realistisch im Rennen

Ein Blick auf die aktuelle Top Ten zeigt einige absolute Legenden des modernen Pokers. Dennoch gelten längst nicht alle davon als ernsthafte Kandidaten für die $100-Millionen-Marke.

Platz Spieler Land Gewinne
1 Bryn Kenney Vereinigte Staaten $84.812.888
2 Stephen Chidwick England $78.556.435
3 Jason Koon Vereinigte Staaten $72.117.656
4 Mikita Bodyakovsky Belarus $68.308.521
5 Justin Bonomo Vereinigte Staaten $65.611.097
6 Isaac Haxton Vereinigte Staaten $64.058.598
7 Dan Smith Vereinigte Staaten $60.718.814
8 Daniel Negreanu Kanada $57.688.697
9 William Alex Foxen Vereinigte Staaten $56.371.858
10 Adrian Mateos Spanien $55.740.613

Daniel Negreanu sammelte einen Großteil seiner Gewinne bereits, bevor die heutige High-Roller-Szene überhaupt existierte. Zwar gehört er weiterhin zu den bekanntesten Spielern der Welt, doch bei den teuersten Turnieren ist er inzwischen deutlich seltener vertreten.

Auch Justin Bonomo wird zwar weiterhin das Talent zugetraut, die $100 Millionen zu knacken, allerdings ist er in den vergangenen Jahren deutlich weniger aktiv geworden. Stattdessen beschäftigt er sich offenbar häufiger mit politischen Diskussionen im Online-Bereich.

Ähnliches gilt für Dan Smith, der zuletzt ebenfalls seltener auf der großen Bühne zu sehen war.

Adrian Mateos gilt als bester No-Limit-Spieler der Welt

Besonders interessant bleibt der Fall Adrian Mateos. Obwohl der Spanier aktuell „nur“ auf Rang zehn liegt, gilt er für viele Beobachter als bester No-Limit-Hold’em-Turnierspieler der Welt.

Die Einschätzung lautet allerdings, dass Mateos vermutlich nicht als erster Spieler die $100-Millionen-Grenze erreichen wird. Stattdessen könnte er langfristig derjenige werden, der am Ende die meisten Turniercashes der Poker-Geschichte aufweist.

Läuft alles auf Chidwick hinaus?

Obwohl Bryn Kenney aktuell die Rangliste anführt, wird er im Vergleich zu Spielern wie Stephen Chidwick, Jason Koon oder Mikita Bodyakovsky etwas seltener auf der High-Roller-Tour gesehen. Genau deshalb trauen manche Beobachter ihm trotz seiner Führung am Ende nicht den ersten Platz im Rennen auf $100 Millionen zu.

Damit reduziert sich der Kreis der Favoriten im Prinzip auf drei Spieler: Chidwick, Koon und Bodyakovsky. Alle drei spielen nahezu jede große Super-High-Roller-Serie weltweit und gehören weiterhin zu den aktivsten Spielern der Szene.

Am Ende fällt die Prognose allerdings häufig zugunsten von Stephen Chidwick aus. Viele sehen ihn gemeinsam mit Adrian Mateos als stärksten Spieler der Welt. Dazu kommt seine enorme Aktivität auf der Nosebleed-Tour sowie ein steuerlich günstigeres Umfeld in Großbritannien – ein Vorteil, den Jason Koon in den USA nicht in gleicher Form besitzt.

Stephen Chidwick
Stephen Chidwick

Die $100 Millionen könnten schneller fallen als gedacht

Noch vor wenigen Jahren wirkte eine neunstellige Summe bei Live-Turniercashes völlig absurd. Mittlerweile erscheint es durchaus realistisch, dass bereits in weniger als zwei Jahren ein Spieler die Marke von $100 Millionen erreichen könnte.

Und vielleicht sorgt genau dieser Moment irgendwann auch dafür, dass die Pokerwelt beginnt, All-Time-Money-Rankings etwas weniger ernst zu nehmen. Spannend bleibt das Rennen trotzdem.


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