Kolumnen

Wir sind wieder da oder Die Poker Absurdität Österreichs

Das Bond ist wieder da. Ja genau, das Card Casino im zehnten Wiener Gemeindebezirk hat einfach so wieder geöffnet und lädt ab sofort zum Pokerspiel. Wie ist das möglich?

Mit 1. Januar 2020 lief in Österreich die Übergangsfrist für die privaten Card Rooms aus. Die einen machten früher und ohne großes Aufsehen zu, die anderen nahmen auch Corona zum Trotz noch 2021 Anläufe, ehe die Finanzpolizei endgültig eine Betriebssperre verhängte.

Seither blühen die illegalen Pokerrunden wie jeden Frühling im Prater die Bäume und auch der verhaltende Beschnitt durch die Finanzpolizei bietet dem Wildwuchs (natürlich) keinen Einhalt. Well done, Österreich. Aus (halb)legalen Unternehmungen mit ungeklärtem Finanzstatus hat man eine komplett illegale Szene geschaffen. Die tragische Rolle der Casinos Austria dabei? Man versucht, Poker anzubieten. Aber bei einem Potential von mindestens 500 Turnierspielern und sicherlich auch 300 Cash Game Spielern alleine an einem ganz normalen Freitag in Wien kann man mit fünf, sechs Tischen im kleinen Casino Wien nicht viel erreichen. Das ist keine Frage des Wollens, das ist ganz einfach eine räumliche Tatsache.

Das Team vom Bond bei der Wiedereröffnung am 11. November (Quelle: Facebook)

Und dann kommt da das Bond Casino am Wiener Reumannplatz, das einfach so am 11. November 2022 wieder öffnet. Mit Ankündigung. Nicht nur in der Pokerszene, sondern laut Betreiber auch ganz offiziell und wie es sich gehört bei den Behörden. Würde das in Deutschland passieren, wäre vermutlich das SEK pünktlich zum Öffnen der Türen auch da. In Wien oder in Österreich ist das eher ein „Schau ma mal.“ Ein skeptisches Beobachten gepaart mit Wiener Trägheit. Dafür jubelt die Poker Community und schöpft neue Hoffnung, denn seit Wochen halten sich hartnäckig Gerüchte, dass auch Peter Zanoni wieder in der Lugner City sein Concord Card Casino eröffnen wird.

Tatsache ist – es hat sich an der rechtlichen Lage nichts geändert und wenn man auf den desaströsen Zustand der Gesetzgeber schaut, dann wird sich so bald auch nichts ändern. Da gab es einmal vor ganz langer Zeit eine (!) Poker Lizenz, die nie ausgeschrieben wurde. Oder auch drei weitere Casino Lizenzen, die beeinsprucht wurden und so in Vergessenheit gerieten. Mittlerweile ist das schon wieder so lange her, dass die Neuausschreibung der Casino Lizenzen samt Online Glücksspiel schon wieder ein Thema ist. Sicher ist – wenn die neuen Lizenzen in Kraft treten, hat die derzeitige Regierung nichts mehr damit zu tun. Und wenn man Österreichs Historie an „kurz“lebigen Regierungen hernimmt, dann wäre es auch kein Wunder, wenn dazwischen noch mehr als ein Machtwechsel stattfinden würde.

Die vom damaligen Finanzminister Blümel angekündigte Glücksspielbehörde war vermutlich nur auf jenem Laptop gespeichert, der regelmäßig von seiner Frau spazieren geführt wurde. Die Veränderungen des europäischen Glücksspielrechts werden in Österreich wie immer und geflissentlich ignoriert. Lieber der Spieler im Ausland oder im Untergrund als vielleicht sich mit dem heißen Thema Glücksspiel auseinander setzen. Schließlich hält man am Dinosaurier „Spielerschutz“ fest, was noch immer der Hauptgrund für das Monopol der Casinos Austria ist. Über die hauseigenen Probleme der Casag zu schreiben, ist die Never Ending Story, die maximal in einem der zahlreichen (ebenso niemals endenden) Untersuchungsausschüsse zu Ende geht.

Wer auf der Strecke bleibt, sind die Spieler. Selbst in Deutschland hat man es – zugegeben nach hartem Kampf – geschafft, zumindest in der Online-Glücksspielwelt Ordnung zu schaffen und die Poker Lizenzen werden demnächst auch ganz öffentlich vergeben. Die Schweiz hat lange um das neue Glücksspielgesetz gerungen, aber mittlerweile erteilen die Kantone nach und nach die Lizenzen für die privaten Pokerclubs und die Szene floriert wie vor dem damaligen Pokerverbot.

Trauriger Tiefpunkt in Österreich – in Sachen Online Poker entschieden die Gerichte, dass das Monopol von win2day als Pokeranbieter über Unionsrecht steht und öffneten damit Tür und Tor für absurde Klagen, die jene Pokerspieler, die einfach nur pokern wollten, ausbaden. In Sachen Livepoker hofft man auf „Unionsrecht steht über österreichischem Recht“ und das soll die Basis für das Re-Opening der privaten Card Rooms sein.

Die österreichische Poker Community ist in der Relation zur Gesamtbevölkerung sicherlich ein verschwindender Prozentsatz. Fakt ist aber, dass rund 100.000 Pokerspieler in Österreich nur ein sehr beschränktes Angebot vorfinden. In einem demokratischen Staat, in dem Angebot und Nachfrage den Markt regulieren sollten, absichtlich und wissentlich Personen ins Ausland oder in die Illegalität zu schicken, um Tür und Tor für die Probleme zu öffnen, die man eigentlich verhindern sollte und will, das ist tatsächlich unfassbar. Bleibt nur zu hoffen, dass sich doch eine der Regierungsparteien des Themas annimmt und dann auch lange genug im Amt bleibt, um auch etwas umzusetzen. Was sich fast schon so anhört wie die Lösung des gordischen Knotens.


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