Pokerstrategie

WSOP ME 2013 im Recap: Der Mittelteil des Finaltisches (Teil 2/3)

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In den ersten 55 Händen mussten schon drei Spieler den Finaltisch verlassen (Teil 1/3), nun entbrannte ein harter Kampf um die Positionen. Das zähe Ringen um jeden Jeton sorgte dafür, dass es über 100 Hände bis zum nächsten Ausscheiden dauern sollte.

Bis Hand 107 entwickelte sich die Situation so, dass Riess (68 Mio.) und Farber (60 Mio.) dem restlichen Feld – auch dem ehemaligen Chipleader und aktuell drittplatzierten Tran (21 Mio.) – enteilt waren. Nun kam es zu einer spektakulären Hand im Battle of the Blinds zwischen dem Profi Tran und dem als Amateur geltenden Farber. Tran erhöhte im Small Blind auf 1.4 Mio., Farber auf 3.1 Mio., was von Tran mit einer 4bet auf 6.4 Mio. beantwortet wurde. Kein Grund für Farber die Segel zu streichen: 5bet auf 10 Mio.(!) und nach langem Überlegen foldete Tran . Farber hatte gehalten.

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Ein tougher Spot für Tran, der ihn eine Menge Jetons kostete. Sowohl sein Raise als auch Farbers 3bet sind mit diesen Händen Standard. Auch die 4bet Trans kann for value gesehen werden, denn Farber kann einige Hände halten, die AQ dominiert oder zumindest flippt. Nun allerdings packt Farber den Hammer aus. Eine 5bet mit Sixes! Er spielt hier ganz klar sein tightes Image. Bis dato hatte man nur sehr solides Poker des anfänglichen Underdogs gesehen. Tran muss ihm hier fast ein Monster glauben, zudem war an einen Call mit AQ ohne Position nicht zu denken. Die Alternativen waren Fold oder All-In. Vor der Hand war er Dritter in Chips, Mc Laughlin und Lehavot hielten nur halb so viele Jetons wie er. Natürlich war Tran angetreten, um zu gewinnen. Jedoch wollte er sicher auch nicht Preisstufen in Millionenhöhe verschenken und er glaubte Farber letztlich. Farber hatte die Situation also perfekt eingeschätzt und Tran zu einem – für einen Blind Battle – großen Fold gezwungen.

Nur einen Orbit später kam der nächste Tiefschlag für Tran. Er hatte im zurückliegenden Orbit seinen Stack wieder aufgebaut (23,75 Mio.). Der Shortstack McLaughlin (8.9 Mio.) raiste am Button bei Blinds von 400/800k 100k Ante auf 1.6 Mio., Tran ging im Small Blind auf 3.4 Mio. und bezahlte dann den All-in des Kanadiers. McLaughlin hielt , Tran . Das Board blankte mit aus und McLaughlin verdoppelte auf 19 Mio. Tran blieben nach dieser Hand 14.8 Mio., er war in einer schwierige Situation. McLaughlin war mit gut 11BB sehr unter Druck, daher musste er ihm für den Raise am Button keine Hand geben und er hielt mit A7 eine ordentliche Hand. Das Problem war die Stacksize. Mit jedem Raise war Tran eigentlich committed. Er überlegte zwar noch nach McLaughlins All-in, denn ihm war klar, dass er so gut wie immer geschlagen sein würde – doch er hatte schon zu viel investiert. Diese Hand fügte seinem Stack ordentlichen Schaden zu und brachte McLaughlin zurück ins Turnier.

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Der Kandier nahm neuen Schwung auf, doch selbst bei seinem Abwärtstrend hatte man nie das Gefühl, dass er sich am Tisch unwohl fühlte. Zudem sorgte seine Fangemeinde für ein Novum. Mit Fangesängen versuchten sie gegnerische Folds zu induzieren, wann immer McLaughlin im Big Blind war. Er bekam tatsächlich einige Walks, und McLaughlin feierte diese dann mit seiner Rail wie den Turniersieg. Diese Hände sorgten zusätzlich für Momentum und McLaughlin grindete sich in eine tolle Ausgangsposition.

Bis es zu folgender Hand (#157) kam. McLaughlin (38.7 Mio.) erhöhte UTG+1 auf 1.6 Mio., Farber (54.5 Mio.) ging am Button auf 3.8 Mio. McLaughlin konterte mit 8.7 Mio. und Farber setzte per 5bet 19.4 Mio. – McLaughlin ging daraufhin all-in und Farber callte sofort. für McLaughlin – für Farber. Ein 79 Mio. großer Pot und ein absolutes Cooler-Szenario. Selbst in der aktuellen Chipsituation – Loosli 13 Mio., Tran 12 Mio., Lehavot 9 Mio. hatten zusammen nicht so viele Jetons wie McLaughlin – war ein Fold der Kings hier nicht möglich. Zwar würde Farber nicht wie im vorangegangenen Spot mit Händen wie 66 5beten, dafür war die Situation hier zu speziell. Doch McLaughlin hatte äußerst aggressiv gespielt und Farber musste für diesen Move nicht zwingend Asse halten. Das Board kam mit . Die $1.6 Mio. Preisgeld mussten sich für McLaughlin erst mal wie ein Schmerzensgeld angefühlt haben. Er hatte großartiges Poker gespielt und hielt in seiner bis dato wichtigsten Hand seiner Pokerkarriere Kings vs. Aces. Ärgerlich war es zudem, da zwischen Platz 6 und Platz 3 – der ihm bei der aktuellen Chipsituation fast sicher schien – mehr als 2 Mio. Dollar Differenz lagen.

Nach diesem Riesenpot gab es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft am Tisch: Farber und Riess vorneweg und drei Shortstacks mit etwa gleich vielen Jetons.
JC Tran sollte es dann als ersten der Shorties erwischen. Mit 10 Mio. pushte er vom Button und lag mit auch noch vorne gegen Jay Farber (92 Mio.) und dessen aus dem Small Blind. Der Call des Chipleaders war absolut gerechtfertigt, bot sich ihm doch ein guter Spot einen Spieler zu eliminieren. Zudem hielt er eine gute Hand und selbst der Verlust von 10 Mio. hätte ihn aktuell wenig geschmerzt. Doch das Board meinte es schlecht mit Tran, bedeutete das Aus für den als Favorit gestarteten Chipleader. Tran erhielt als Trost für Platz 6 rund $2,1 Mio.

Nun waren noch zwei Shorties mit etwa 10 Mio. (Lehavot und Loosli) am Tisch. Der nächstplatzierte Riess hielt 64 Mio. und dieser übte weiter Druck aus. Er erhöhte vom Button auf 1.7 Mio. und bezahlte auch das 11.1 Mio. All-in von Lehavot aus dem Small Blind. Riess benötigte Hilfe mit gegen von Lehavot. Das Board 10d: brachte aber keine Verbesserung für ihn und damit konnte der Israeli aufdoppeln.
Dann der Doppelschlag von Riess: bei neuen Blinds von 500k/1Mio mit 150k Ante wuchs automatisch auch der Druck auf Loosli. Der Franzose pushte in Hand #170 seine 9.8 Mio. aus dem Small Blind All in, und Riess (54 Mio.) callte im Big Blind. Ein Standardmove mit und auch der Call mit war unumgänglich. bedeutete Endstation für Loosli und Platz vier mit 2.79 Mio. Preisgeld, worüber er sich freuen konnte.
In der unmittelbar nächsten Hand erhöhte Riess aus dem Small Blind auf 2.6 Mio., woraufhin Lehavot mit 21.1 Mio. im Big Blind all-in ging. Riess bezahlte mit sofort und dominierte die von Lehavot. Auch dieses Szenario war für beide unumgänglich, und nach dem Board stand Lehavot als Drittplatzierter fest. Er verließ den Finaltisch mit $3.7 Mio. Preisgeld in der Tasche.

Der Titel würde also zwischen Jay Farber und Ryan Riess entschieden werden. Farber sollte mit einem Chipvorteil von 105 Mio. zu 85.8 Mio. als leichter Favorit ins HeadsUp starten, doch eine Vorentscheidung für ihn war damit noch lange nicht gefallen… (Teil 3/3)

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan Kalhamer mit
Sven Lucha, Jürgen Bachmann und
Rouven Alpers für
gaming-institute.de

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