- Algorithmus-Falle: Altersbeschränkte Poker-Videos verschwinden aus YouTubes Empfehlungen.
- Keine Einnahmen mehr: Werbeerlöse brechen nach neuen Richtlinien drastisch ein.
- Kritik an YouTube: Content-Creator werfen der Plattform Willkür und Intransparenz vor.
Im März 2025 hatte YouTube seine Richtlinien für Glücksspielinhalte verschärft. Laut eigener Aussage wolle man Inhalte eindämmen, die Zuschauer zu nicht zugelassenen Plattformen lenken. Ergänzend hieß es, dass entsprechende Videos mit einer Altersbeschränkung versehen würden, um Minderjährige zu schützen.

Was sich zunächst vernünftig anhörte, hat sich inzwischen als folgenschwerer Einschnitt entpuppt. Denn mit der Altersfreigabe ab 18 kommt eine Reihe algorithmischer Folgen, die die Sichtbarkeit, Reichweite und Monetarisierung der Videos massiv einschränken, auch dann, wenn es sich um sachliche Inhalte rund um Poker oder Sportwetten handelt.
Poker-YouTuber schlagen Alarm
Als einer der ersten meldete sich der Poker-Content-Creator Nick Eastwood zu Wort, der in einem Video bereits im April vor dem drohenden Kollaps der Szene warnte. Ein als „ab 18“ eingestuftes Video wird weniger empfohlen und automatisch als „nicht werbefreundlich“ markiert. Das bedeutet im Klartext keine Werbeeinnahmen mehr und kaum noch Reichweite. Laut Eastwood sei das besonders frustrierend, da seine Videos ohnehin klar für Erwachsene gekennzeichnet waren. Minderjährige machten laut seiner YouTube-Analytics exakt null Prozent seiner Zielgruppe aus.
Auch andere bekannte Namen der Poker-Szene teilen seine Sorgen. Brad Owen etwa beklagte, dass selbst seine erfolgreichsten Videos plötzlich kaum noch Views generieren. Kevin Martin erklärte in einem Thread, dass selbst neutrale Online-Poker-Videos nun automatisiert mit Altersbeschränkungen versehen werden. Der eigentliche Sinn hinter der Maßnahme, nämlich der Schutz vor problematischem Glücksspiel, gehe dadurch völlig verloren.
Auch Sportwetten-Content betroffen
Nicht nur Pokervideos stehen unter Druck. Auch Inhalte rund um Sportwetten geraten zunehmend ins Visier. So berichtete der professionelle Sportwetter und Mitgründer der Plattform Unabated, Captain Jack Andrews, dass eines seiner bereits fünf Jahre alten Videos plötzlich als „ungeeignet“ eingestuft wurde. Der Inhalt? Eine Anleitung zum effizienten Einsatz von Gratiswetten, wohlgemerkt auf legalen Plattformen. Das Video wird seither nicht mehr empfohlen und erhält somit kaum noch Aufrufe.
Not that this will make you feel better (it won’t), but YT recently removed 6 episodes of the @BettingStartups Podcast too… completely out of the blue, and with no explanation. And we’re not even talking about the actual act of betting on my pod! which makes it even more…
— Jesse Learmonth (@jesselearmonth) September 11, 2025
Andrews kritisierte vor allem den Umgang mit seiner Berufung. Drei Minuten nach Einreichen seines Einspruchs kam demnach bereits die endgültige Ablehnung für ein zehnminütiges Video. Auch Podcast-Host Jesse Learmonth meldete sich zu Wort und berichtete, dass YouTube gleich sechs Folgen seines Glücksspiel-Podcasts gelöscht habe. Ohne Erklärung, ohne Möglichkeit zur Korrektur.
Existenzangst bei vielen YouTubern
Für viele Content-Creator fühlt sich die Situation zunehmend willkürlich an. Welche Videos betroffen sind, scheint völlig zufällig. Pokerpro Fernando Habegger etwa verlor kürzlich zeitweise seinen gesamten Kanal, weil YouTube drei ältere Videos mit Strikes belegte. Selbst Creator, die penibel darauf achten, keine Casino-Werbung einzubinden und ausschließlich legale Anbieter zu erwähnen, sind betroffen.
Die Unzufriedenheit wächst, ebenso die Ratlosigkeit. Denn viele der betroffenen Kanäle sind Teil eines funktionierenden Geschäftsmodells. Werbung, Sponsoring und Reichweite sind für ihre Betreiber essenziell. Wenn YouTube diese Grundlagen ohne klar erkennbare Kriterien entzieht, steht für manche der komplette wirtschaftliche Fortbestand auf dem Spiel.
Nick Eastwood bringt es auf den Punkt: „Ich habe alles in diesen Kanal gesteckt. Wenn sich nichts ändert, war’s das für Poker-Content auf YouTube.“