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Edge Sorting – Betrug oder Können?

Phil Ivey und Kelly Sun haben mithilfe von Edge Sorting Millionen gewonnen. Die Casinos zogen jedoch vor Gericht und erhielten Recht. Nun hat sich das Harvard Journal of Sports and Entertainment Law dem Thema angenommen.

Mehr als sechs Jahre war der Edge Sorting-Fall eines der großen Themen innerhalb der Poker-Community. Die Geschichte wurde sogar so bekannt, dass sich Hollywood dafür interessiert. Phil Ivey ist allerdings nur der Sidekick, denn Cheung Yin „Kelly“ Sun aka die Queen of Edge Sorting ist die zentrale Figur.

Nanci Carr hat sich nun den Rechtsfall angesehen. Genaugenommen beide Fälle. Sun und Ivey wurden nämlich sowohl in den USA, als auch im Vereinigten Königreich vor den Richter gebeten. Die Assistenzprofessorin der California State University in Northridge bespricht in ihrem Artikel beide Fälle, legt jedoch den Fokus auf den Rechtsstreit mit dem Borgata Hotel Casino & Spa in Atlantic City.

Recht haben und Recht zugesprochen bekommen, sind zwei unterschiedliche Dinge. So weist Carr auch alle Betrugsvorwürfe zurück. Sowohl in England, als auch in den USA haben Sun und Ivey nicht betrogen. In keinem Spiel griffen sie selbst in den Spielablauf ein und benutzen nur, was das Casino ihnen zur Verfügung stellte.

Dies waren Karten einer bestimmten Marke, automatische Kartenmischer und Dealer, welche die Karten drehten. Nur unter diesen Bedingungen konnte Kelly Sun kleine Fehler im Druck der Karten erkennen. Edge Sorting ist jedoch keine Gewinngarantie. Allerdings ist so ein Vorteil von bis zu 7 % möglich.

Wie Kartenzählen ist Edge Sorting eine bekannte Technik. Nanci Carr stellt zu Recht die Frage, warum sowohl im Borgata als auch im Crockfords die Angestellten jedem Wunsch des High Rollers nachkamen und der angebliche Betrug erst bemerkt wurde, nachdem Ivey und Sun Millionen gewonnen haben.

Die Mutterfirma des Borgata verklagte das Duo in 2014. Beiden wurde unter anderem Betrug, Gaunerei sowie ungerechtfertigte Bereicherung vorgeworfen. Ein Urteil in 2016 fiel zugunsten des Casinos aus. Ivey und Sun veränderten mit ihren Wünschen das Spiel dermaßen, dass es nicht mehr einer üblichen Partie entspricht.

Dies stellt einen Vertragsbruch dar, was wiederum zur Folge hat, dass die Gewinne nichtig waren. Sun und Ivey sollten mehr als $9,6 Millionen zurückzahlen. Der Fall ging in Berufung, erst im letzten Sommer einigten sich beide Parteien auf einen Deal. Eine Summe wurde nicht genannt.

Den Vertragsbruch stellt Carr infrage. Ein Casino ist immer in der besseren Verhandlungsposition als ein Kunde. Und wenn das Casino den Rahmenbedingungen, die Edge Sorting möglich macht, zustimmt und Edge Sorting obendrein nicht verboten ist, sollte es sich um einen legitimen Vertrag und somit um ein faires Spiel handeln.

Auch das Argument, dass Ivey gelogen hat, hinterfragt Nanci Carr. Das Casino warf dem Poker-Pro Täuschung vor. Dieser hatte behauptet, abergläubisch zu sein. Daher die Sonderbehandlung mit Wunschkarten und Mischmaschine. Da Casinos ihre Kundschaft mit leeren Verbrechen ins Casino lockt, sollte hier nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.

Im Crockfords-Urteil waren es am Ende ebenfalls Iveys ‚Lügen‘, die ihm die Gewinne kosteten. Neben der Täuschung war es dort noch die Unwissenheit des Opfers, die ein Glücksspielgesetz aus 1845 auf den Plan riefen. Ivey und Sun gingen bis vor den Obersten Gerichtshof, jedoch ohne Erfolg.


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