Pokerstrategie

Das Spiel in Multi Table Turnieren

Während in Cash Games vor allem Limit Hold’em und Seven Card Stud vor vielen Jahren beliebt waren, wurden diese Varianten immer mehr von No-Limit Hold’em und dem actionreicheren Pot Limit Omaha abgelöst. Bei Multi Table Turnieren ist kein solcher Wandel festzustellen: No-Limit Hold’em war von Anfang an die dominierende Variante und vermutlich wird sich daran auch in den nächsten zehn Jahren nichts ändern.

Die strategischen Ansätze

Während Cash Games relativ starr und einfach zu analysieren sind, ist das bei Turnieren schon schwieriger. Hier führen mehrere Wege nach Rom und sogar unter den Profis gibt es sehr viele verschiedene Ansätze, die – schaut man sich die Rankings mancher Pros an – zum Erfolg führen.
Am besten schaut man sich nicht alle Strategien einzeln an, sondern nimmt zwei Extremformen unter die Lupe.

Extremform I: Dan Harrington

Den Spitznamen “Action Dan” verdankt Dan Harrington seiner extrem tighten Spielweise. Demnach ist sein Spitzname eher ironisch als wörtlich gemeint. Harrington verkörpert einen geradlinigen und sehr tighten Spielstil, den er auch in seiner Buchreihe “Harrington on Hold’em” demonstriert. Sein Ansatz ist es, vor allem zu Beginn des Turniers wenn die Blinds klein sind, wirklich nur Premium Hände zu spielen: Keine Manöver, kein Tricky Play, kein “billig-den-Flop-anschauen”. Harrington’s Logik ist durchaus nachzuvollziehen: Warum viele Chips riskieren, wenn es nur wenige zu gewinnen gibt? Bevor man sich also auf große Schlachten um kleine Blinds einlässt, sollte man sich lieber zurücklehnen und abwarten. Dieser Ansatz ist natürlich sehr risikoarm. Nur selten scheiden Sie mit dieser Taktik früh im Turnier aus und manchmal kommen Sie damit ins Geld, um ordentlich zu cashen. Allerdings haben Sie es mit dieser Taktik nicht leicht, denn Sie werden immer von Big Stacks umgeben sein, die Sie dominieren können und in den entscheidenden Phasen unter Druck setzen können.

Extremform II: Gus Hansen

Gus Hansen, auch “The Great Dane” genannt, ist seltener von Big Stacks umgeben: entweder er ist selbst der Big Stack oder schon aus dem Turnier! Das liegt daran, dass ein Spieler wie Hansen meist alles oder nichts spielt. Er geht nicht tight ins Turnier, sondern startet von Anfang an voll durch und versucht schon früh einen großen Stack aufzubauen. Meistens geht das schief und er darf sich früh verabschieden, aber manchmal klappt es auch und er sitzt als Big Stack am Tisch, um den Rest zu dominieren.
Er schaut sich also so gut wie jeden Flop mit irgendwelchen spekulativen Händen an. Hände wie T8, 54 und K4s sind alles potentielle Monsterhände und sollten nach Meinung von Hansen gespielt werden. Denn wenn sie zu Monsterhänden mutieren, gewinnt er meist richtig große Pots.

Einen klaren Sieger unter diesen Extremformen gibt es nicht. Bekannte Vertreter dieser Formen haben alle große Erfolge gefeiert. Doch gerade der Gus Hansen Ansatz ist stärker im Kommen. Junge Online-Poker-Spieler wie Patrik Antonius crashen mit diesem Spielstil teilweise große internationale Turniere. Einen klaren Unterschied gibt es dennoch: Der Harrington Stil ist weit weniger risikoreich und “volatil”. Die Schwankungen der Erfolge sind lange nicht so stark wie bei Gus Hansens Stil. Der darf nämlich bei vielen Turnieren mit leeren Händen heimgehen bis er mal wieder einen großen Sieg landet.

Die Entscheidung, nach welchem Stil man sich orientieren kann, ist also keine einfache. Am besten suchen Sie sich die, die besser zu Ihrem “normalen” Stil passt. Wenn Sie grundsätzlich selten bluffen – vielleicht weil Sie dabei ein schlechtes Gewissen haben – dann liegt es auf der Hand, dass der Harrington-Stil besser zu Ihnen passt. Wenn Sie aber dazu neigen, beim Pokerturnier einzuschlafen wenn Sie mal 20 Hände nicht spielen, sollten Sie den Hansen-Stil bevorzugen.


1 Kommentar
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zawi
11 Jahre zuvor

Ich glaub eher an ein Mittelding zwischen beiden. Turniere werden in der 2. Hälfte entschieden. Wenn man das Spiel verschläft muss man sich gleich 2x verdoppeln um Average zu sein, und dann ist man zu 64 % weg obwohl man 60% Favorit war.

Ein Turnier kann nicht – und noch weniger von Beginn weg – dominiert werden weil es in hohem Maße ein Glücksspiel bleibt.
(Beweis: S. Kalhamer:
http://www.pokerfirma.de/kolumnen/wien-in-funf-handen/14499)

Zahler zocken
Könner auch (manchmal)
Und Herr Kalhamer zockt, auch wenn er es nie zugeben wird