Pokerstrategie

Guter Spieler ungleich Winning Player

Als Winning Player bezeichnet man einen Spieler, der über einen langen Zeitraum hinweg auf der Gewinnerseite steht. Dieser “lange Zeitraum” muss meist länger sein als man sich vorstellt. Denn rein mathematisch gesehen ist es möglich über viele tausend Hände vorne zu liegen, ohne wirklich die richtigen Entscheidungen über diesen Zeitraum getroffen zu haben, die zu diesem positiven Ergebnis geführt hätten. Winning Player ist auch niemand, der mal ein großes Turnier gewonnen hat und dann mit diesem Gewinn Cash Game spielt und unterm Strich mit positivem Ergebnis heraus kommt. Als Winning Player kann man sich nur bezeichnen wenn ein positives Ergebnis aus langen Sessions resultiert.

Der gute Spieler ist schon nicht mehr so leicht zu definieren oder besser gesagt gibt es verschiedene Definitionen. Die einfachste ist, einen Spieler als gut zu bezeichnen, wenn dieser grundsätzlich die richtigen Entscheidungen trifft. Also wenn er eben nicht mit einer mittelmäßigen Hand alle Chips in einem Deep Stack No-Limit Hold’em Cash Game riskiert oder ähnliche Züge mit negativem Erwartungswert macht.

Wenn man ein guter Spieler ist, muss man aber nicht zwangsläufig Winning Player sein. Es gibt unzählige gute Spieler, die es aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen, langfristig gewinnbringend zu spielen. Die Gründe hierfür können zahlreich sein. Er kann zum Beispiel unter zu starkem Tilt leiden. Oder er befolgt nur suboptimales Bankroll Management und geht das ein oder andere mal gerne broke. Es ist auch möglich, dass sein Vorteil, den er hat nicht groß genug ist um gegen Rake und Trinkgeld anzukommen.

Umgekehrt muss ein Winning Player kein guter Spieler sein. Ein gutes Beispiel sind profitable Short Stack Strategen, die mehr mit einem Roboter als mit einem guten Pokerspieler gemein haben. Sie sind Spezialisten auf ihrer einen Disziplin, ihrer Variante und ihren Limits. Ein Beispiel hierfür wäre ein solcher Short Stack Spieler, der auf No-Limit Hold’em 200 Short Handed Winning Player ist, also über einen langen Zeitraum profitabel spielt.

Doch genau dieser Spieler muss kein guter Spieler sein. Er kann sogar extrem schlecht auf anderen Tischen abschneiden. Meist ist es so, dass solche Short Stack Strategen große Probleme haben mit tieferen Stacks zu spielen. Oder auch mit Situationen, die sich von ihren Standard Spielsituationen unterscheiden, überhaupt nicht umzugehen wissen.

Es kann aber auch Turnierspieler geben, die dort langfristig profitabel sind, die in Cash Games überhaupt nichts anfangen können. Ein berühmtes Beispiel ist Phil Hellmuth, zumindest sagt man es von ihm. Er ist ein starker Turnierspieler, wie man eindeutig erkennen kann, scheint aber an Cash Game Tischen nur mäßigen Erfolg zu haben.

Also pauschal kann man überhaupt nicht sagen ob ein guter Spieler auch Winning Player ist, oder ein Winning Player wirklich gut pokern kann. Es gibt viele Möglichkeiten für extreme Unterschiede und man sollte sich davor hüten zu pauschalisieren.


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