Pokerstrategie

Spiel von kleinen Pocketpaaren

Die beiden Fronten
Diejenigen, die glauben, mit einem kleinen Pärchen wie 77 eine Monsterhand zu halten, argumentieren, dass es schließlich sehr unwahrscheinlich sei, dass ihr Gegner ein höheres Pärchen halten würde. Und da dies so unwahrscheinlich ist, dass man es fast ausschließen kann, ist es sogar möglich, mit dieser Hand gegen AK und andere starke Hände zu bestehen und immerhin Favorit zu sein.
Das „Gegenlager“ ist der Meinung, dass solche Hände kaum spielbar sind. Entweder man ist in einer Coinflip Situation gegen zwei höhere Karten, oder man ist krasser Außenseiter gegen ein höheres Pärchen. Die Folge ist, dass man keinen Vorteil hat und deshalb nicht spielen sollte.

Wie stark sind sie tatsächlich?
Die Wahrheit muss, wie so oft irgendwo in der Mitte liegen. Fest steht, dass diese Pärchen nur mittelmäßige Hände sind. Das begründet sich aber nicht auf die Tatsache, dass man entweder kleiner Favorit oder krasser Außenseiter ist, sondern auf eine Analyse mit Hand-Ranges.
Lässt man mit einem „Equity-Rechner“ wie Pokerstove ein kleines Paar gegen eine mögliche Hand-Range eines raisenden Gegners antreten, so stellt man fest, dass die Situation ziemlich ausgeglichen ist. Je tighter die Raise-Range des Gegners, desto weniger Equity haben kleine Paare, sprich desto schlechter schneiden sie ab. Gegen eine recht breite Palette an Händen, ist die Situation ziemlich ausgeglichen.

Wie spielt man mit diesen Händen?
Ohne Zweifel sind kleine Pärchen in den allermeisten Situationen spielbar. Dies hängt allerdings davon ab, wie tief die Stacks sind, mit denen man spielt. Bei tiefen Stacks wie zum Beispiel bei einem No-Limit Hold’em Cash Game mit Blinds von 1/2 und Stacks von 200 Euro müssen diese Pärchen ganz anders gespielt werden als zum Beispiel in einem Poker-Turnier, wo der Stack nur noch das zehnfache des Big Blinds beträgt.
Die Situationen sind vielfach und es ist nicht möglich, sie alle zu analysieren und hierfür Ratschläge zu geben. Fest steht aber folgendes:
Je tiefer der Stack, desto passiver muss man vor dem Flop spielen. Man sollte versuchen, günstig das Set zu treffen.
Je kleiner der Stack, desto aggressiver kann man vor dem Flop spielen. Man sollte versuchen, schon vor dem Flop alle Chips in die Mitte zu bekommen und hoffen aufzudoppeln.

Der obige Rat beim Spiel mit kleinen Stacks ist natürlich nur bei wirklich kleinen Stacks zutreffend, wie man sie am Ende von Poker-Turnieren hat. Angenommen Sie sitzen mit 100 Big Blinds in einem Cash Game und sehen vor sich einen Raise und einen saftigen Reraise, so wäre es ein großer Fehler mit 88 weiter zu spielen. Spielen Sie hingegen ein Turnier, haben nur noch 15 Big Blinds übrig und sehen einen Raise und einen Reraise vor sich, so ist es nicht die schlechteste Situation, mit 88 einen Angriff zu unternehmen und um alle verbliebenen Chips zu „gambeln“.

Das Spiel von kleinen Paaren vor dem Flop ist extrem vielschichtig. Wenn Sie aber die Größe der Stacks beachten und sich die beiden obigen Merksätze einprägen, sollten Sie eine bessere Vorstellung davon haben, in welche Richtung Ihre Entscheidung gehen soll. Und vor allem sollten Sie nicht schwarz weiß denken und kleine Pärchen lieben oder verteufeln. Es sind Hände wie alle anderen auch und haben gegen eine gegebene Hand-Range des Gegners eine bestimmte Equity.


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