Pokerstrategie

Tells beim Poker – Teil 2

Eigene Tells – Der Roboter
Angenommen Sie spielen an einem voll besetzten Tisch und sammeln mühsam Tell um Tell von jedem einzelnen Spieler. Es gelingt Ihnen bei 5 Spielern verlässliche Tells zu finden, was nicht schlecht ist. Wenn Sie nun in eine Hand mit einem Spieler verwickelt sind, ist die Chance gerade mal 50 % auf einen Spieler zu treffen, auf den Sie einen Tell haben. Ihre mühsame Tellsuche kann sich als nutzlos bei entscheidenden Händen erweisen. Hingegen sind Sie logischerweise selbst in jede Hand verwickelt, die Sie spielen. Und in jeder Hand kann einer Ihrer Gegner einen Tell bei Ihnen finden und diesen ausnutzen. Die Moral ist ganz einfach: Es ist viel wichtiger eigene Tells zu vermeiden als gegnerische zu finden.
Mit dem Robotereinsatz erreichen Sie das noch relativ einfach. Sie brauchen auf jeden Fall eine Haltung und Spielweise, die absolut einheitlich ist und keine Rückschlüsse auf Ihre Hand zulässt. Das heißt,: Ihre allgemeine Sitzhaltung sollte immer unverändert sein. Ihre Hände sollten sich beim Spielen einer Hand immer an der gleichen Stelle befinden und sich gleich bewegen. Und Ihr Gesicht sollte ebenfalls regungslos sein – setzen Sie immer den gleichen Blick auf und vermeiden Sie jede Kommunikation. Bevor ich hier eine elend lange Empfehlung für Ihren Roboter-Ansatz gebe, sollten Sie sich vielleicht direkt in die Praxis stürzen, Profis, die diesen Ansatz praktizieren anschauen und dies am Poker-Tisch selbst umsetzen.
Solche Profis sind zum Beispiel Chris Ferguson, Phil Ivey und vor allem Patrik Antonius.

Eigene Tells – Der Maniac

Während der Roboter-Ansatz noch relativ leicht zu verinnerlichen ist, erscheint der Maniac-Ansatz nahezu als eigene Wissenschaft. Für Einsteiger ist es sicherlich zu empfehlen sich erst mit dem Roboter-Ansatz zu beschäftigen und sich erst im Laufe der Karriere als Maniac zu versuchen.
Was jedoch der große Vorteil eines Maniacs ist, ist die Möglichkeit den Gegner steuern zu können. Sie können ihn theoretisch nach Belieben kontrollieren und manipulieren, was ohne Zweifel zu größerem Erfolg führen kann als mit einem Roboter-Ansatz.
Eine Möglichkeit sich als Maniac durchzusetzen ist folgende:
Sie erstellen eine Liste mit den verschiedensten Tells wie zum Beispiel “am Kopf kratzen”, “lachen”, “die Lippen spitzen” und “die Hand vor den Mund nehmen”.
Um jetzt unleserlich zu werden, müssen Sie Ihre Aktionen dem Zufall überlassen. Das ist allerdings schwieriger als es sich anhört. Dan Harrington benutzt in “Harrington on Hold’em Band 1″ seine Armbanduhr, was sicherlich keine schlechte, dafür aber eher komplizierte Möglichkeit ist seine Aktionen dem Zufall zu überlassen. Einfacher ist es dies nach eigenem Ermessen zu machen.
Sie spielen jetzt eine Hand und raisen vor dem Flop. Nach Ihrem Raise kratzen Sie sich am Kopf, lachen nicht, spitzen auch nicht die Lippen, nehmen aber die Hand vor den Mund. Das wäre Ihr Verhaltensmuster in dieser Hand.
Nach dem Flop tätigen Sie einen Einsatz, kratzen sich wieder am Kopf, lachen, spitzen die Lippen und nehmen die Hand vor den Mund. Beim nächsten Mal variieren Sie wieder Ihr Muster, so dass Ihr Gegner kaum Rückschlüsse auf Ihre Hand ziehen kann.

Dies ist eine sehr einfache Möglichkeit sich dem Maniac-Ansatz anzunähern. Doch diese ist rein zufallsgesteuert und ist eher für diejenigen zu empfehlen, die Probleme mit dem Roboter-Ansatz haben und immer irgendwelche Tells aufweisen.
Um nun wirklich die Entscheidungen seiner Gegner verlässlich beeinflussen zu können, ist leider viel mehr nötig. Eine Option ist es sich mit neurolinguistischer Programmierung zu beschäftigen. Dies ist jedoch eine Wissenschaft und demnach auch nicht an einem Abend zu erlernen. Wer aber wirklich seine Gegner manipulieren können möchte, muss sich auch entsprechend intensiv damit beschäftigen. Dieser Einsatz ist natürlich immens, aber das kann die Belohnung auch sein, denn jeder weiß welcher Vorteil eine solche Manipulations-Möglichkeit sein kann.

Die Beschäftigung mit eigenen Tells ist deswegen so wichtig, weil jeder Gegner in jeder Hand in der Sie spielen Profit mit gezeigten Tells machen kann. Im nächsten Teil über Tells werden wir uns jedoch (endlich) mit den Tells der Gegner befassen.


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