Kolumnen

Poker in Österreich: Der Staat als Totalversager

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In Österreich spitzt sich der Kampf um Poker zu. Die privaten Cardrooms stehen vor dem Aus, die Poker Community ist zwiegespalten. Der Staat – oder besser gesagt – die aktuell nicht vorhandene Regierung, tut dabei nichts, denn schließlich geht es ja nur um ein Kartenspiel und die paar Verrückten, die dieses Spiel lieben.

Seit 1993 gibt es die privaten Cardrooms. Seitdem sind 26 Jahre vergangen und viel hat sich verändert. Online-Poker wurde erfunden, der Pokerboom ging um die Welt, Millionäre und Weltmeister wurden gefeiert, Skandale aufgedeckt und heiß diskutiert. Eines hat sich in den 26 Jahren nicht verändert – die privaten Cardrooms in Österreich sind der Politik ein Dorn im Auge. Einige würden jetzt sagen, dass die Casinos Austria dahinterstecken, aber da hat man intern wahrscheinlich doch größere Probleme.

1993 war ich zwar das erste Mal im Casino, aber mit Poker hatte ich noch nichts zu tun, deshalb kann ich auch nicht sagen, was damals wirklich passierte. Die Schilderungen über die Situation, als das CCC erstmals in Simmering seine Pforten öffnete, sind genauso unterschiedlich wie heute die Standpunkte, ob die privaten Cardrooms auch 2020 weiterbestehen sollen oder nicht.

Es gibt viele Argumente von den Casinos Austria und den Concord Card Casinos und natürlich glaubt jeder, dass sein Standpunkt der richtige ist. Aus der Distanz betrachtet ist der Kampf ein sehr eigenwilliger, denn beide Parteien kämpfen um ein Business, das laut eigenen Aussagen nicht gerade lukrativ ist.

Casinos Austria wird vorgeworfen, im starren, unbeweglichen System kein Interesse an Poker zu haben. Erfolgreiche Events der letzten Jahre belegen das Gegenteil und nachdem dieses Jahr „30 Jahre Poker EM“ gefeiert wurde, ist auch bewiesen, dass es Poker bei der CASAG schon vor den CCCs gab. Auf der anderen Seite ist da Peter Zanoni mit seinen CCCs, der mit den vielen täglichen Besuchern in seinen Cardrooms belegen kann, dass es deutlich mehr Spieler gibt, als die zwölf Casinos Austria bewältigen können und wollen, vor allem in Wien.

Das Bizarre ist, dass um ein Business gekämpft wird, von dem beide Parteien sagen, dass es sich nicht lohnt. Casinos Austria gilt als einer der Dienstgeber, die man sich wünscht. Auch wenn das Anfangsgehalt als Junior Croupier nicht gerade üppig ist, so sind Aufstiegschancen und Sozialleistungen sicherlich überdurchschnittlich. Umgekehrt bedeutete das für Poker, was als sehr personalintensives Spiel gilt, dass die Personalkosten exorbitant hoch sind. Große Pokerevents wie die CAPT Seefeld oder die Poker EM wären in den letzten Jahren ohne zusätzliches externes Personal nicht möglich gewesen. Wie der Kurier in seiner Ausgabe vom 12. November nun wieder zum Thema machte, ist das Entlohnungssystem der CCCs ein sehr eigenwilliges. Alle Mitarbeiter sind natürlich angemeldet und sozialversichert, aber Hauptbestandteil des monatlichen Lohns ist wie allseits bekannt, das Trinkgeld. Niemand arbeitet für € 350 und auch wenn es gerne anderes von den allgemeinen Medien dargestellt wird, verdienen einige Dealer überdurchschnittlich gut und beschweren sich nur darüber, dass es in Zeiten des Pokerbooms noch viel mehr war. Als die Pokerlizenz vor Jahren zum Thema wurde, hat Peter Zanoni mehrfach betont, dass es unmöglich wäre, mit einem Entlohnungssystem wie dem der Casinos Austria, Poker gewinnbringend anzubieten. Dass die Bemessungsgrundlage für die diversen Steuerforderungen gegenüber den CCCs eine falsche ist, steht außer Frage, aber die CCCs haben auch kein Interesse daran, das Trinkgeldsystem zu ändern, weil das Pokerbusiness dann nicht mehr lukrativ ist.

Casinos entlang der tschechischen bzw. slowakischen Grenze rüsten sich schon für den Januar, in der Hoffnung, dass die privaten Cardrooms schließen und jene Spieler, die die Casinos Austria meiden, im Ausland Zuflucht suchen. Ebenso rüsten sich schon viele „Hinterzimmer“ für die privaten Games, die definitiv ab 2020 boomen werden.

Peter Zanoni hat in der Pressekonferenz klar gemacht, dass er nicht ohne Kampf untergehen wird. Die Casinos Austria bereiten eine Pokerinitiative vor, die schon am 1. Dezember mit der € 100.000 Cash Game Challenge beginnt. Und dennoch ist die Pokerzukunft für 2020 eine düstere.

Seit der Änderung des Glücksspielgesetzes weiß man, dass dieser Tag kommen wird. Gefühlte fünf Wahlen und 20 Minister später hat sich aber eigentlich in der Sache nichts geändert. Weder der Staat, noch Casinos Austria, noch die privaten Anbieter haben sich irgendwann tatsächlich darum gekümmert, dass es eine gute Lösung gibt. Am armseligsten sind dabei jene privaten Anbieter, die den CCCs Konkurrenz machen und über Peter Zanoni herziehen, am Ende des Tages aber darauf hoffen und sich auch darauf verlassen, dass genau dieser für sie in den Krieg zieht.

Obwohl Pokerspieler glauben, dass ihr geliebtes Spiel der Mittelpunkt des Universums ist, so macht Poker nur einen kleinen Prozentsatz der Casinoumsätze aus. In Relation zum hohen Personalaufwand liegt es fast auf der Hand, dass die Bemühungen der Casinos Austria nur halbherzig sind. Genauso verwerflich ist aber auch die Preispolitik und Gier der privaten Anbieter. So braucht man sich auch nicht wundern, wenn die Finanz einiges mit kritischen Augen begutachtet und so manchen Machenschaften einen legalen Riegel vorschieben will.

Und übrig bleibt der Pokerspieler. Zurück ins Jahr 1993, vor den privaten Cardrooms. Wer aus verschiedensten (gerechtfertigten oder nicht gerechtfertigten) Gründen bei Casinos Austria gesperrt ist, dem bleibt nur der Weg ins Ausland. Wo die mehreren hundert Pokerspieler an jedem Wochenende an den vier Pokertischen im Casino Wien Platz finden sollen, interessiert den Gesetzgeber nicht.

Man diktiert per Gesetz ein Glücksspiel Monopol. Ob dieses gut oder schlecht ist, würde den Rahmen hier wirklich sprengen. Wenn der Staat auf dieses Monopol besteht, dann hat er aber auch dafür zu sorgen, dass ein entsprechendes Spielangebot vorhanden ist. Dass ein Spieler, um seinem Hobby nachgehen zu können, ins Ausland fahren oder sich ins Hinterzimmer zur illegalen Runde setzen muss, kann nicht der Sinn eines modernen Glücksspielgesetzes sein.

Es ist nicht fünf vor zwölf für die Cardcasinos, es ist fünf nach zwölf für den Staat, passende Rahmenbedingungen für ein legales Pokerangebot zu schaffen. Denn auch für ein wirklich gutes Pokerangebot der Casinos Austria zu ermöglichen, braucht es Änderungen im Gesetz. Oder eben für legale Pokercasinos.

12 KOMMENTARE

  1. Sehr gut die Situation beschrieben, wär auch schade für die Wiener Wirtschaft bei 65.000 Hotelnächtigungen pro Jahr, hier sollte schleunigst eine Lösung her, um Wien als Pokerhauptstadt Europas beizubehalten. Illegale Hinterzimmerpartien oder Pendeln in die Slowakei und Tschechien machen wahrlich keinen Spass !

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    • Interessant, wie du auf 65.000 Nächtigungen kommst, wenn Zanoni selbst angibt, nur 40.000 Besucher pro Jahr in Ö zu haben. Das sind 8 Spieler pro Tag pro Concord. 300 Mitarbeiter aber in Simmering… noch interessanter

      Kommt die Wahrheit auch einmal ans Licht?

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      • 65.000 Nächtigungen würde bedeuten 178 pro Tag (!). Wenn wir mal davon ausgehen, dass jeden Tag 600 Spieler im Schnitt die Casinos aufsuchen, dann wäre das jeder dritte Spieler. Selbst wenn man höhere Zahlen nimmt, ich glaube nicht einmal, dass jeder zehnte Spieler dort übernachtet….

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  2. Es wäre längst fällig das Pflicht-Tip System mit Tischmiete für die Dealer abzuschaffen , und das Personal ordentlich zu entlohnen (wie es bei den Casinos Austria auch passiert) und nicht für 311 Euro Netto für 22 Tage Arbeit!!! wie aus dem Kurier Artikel hervorgeht. Da wird die Finanz auch keine Freude haben

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  3. Pokerrooms schön und gut, wie man aber auch weiß, macht jeder von denen sehr viel Geld mit Sidegames wie zb. Easyholdem….und das ist tatsächlich illegal!!!
    Das wird halt unter den Tisch gekehrt….

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  4. Nicht der Staat sondern zanoni versagt gegenüber den Spielern.
    Er soll wie jeder andere betrieb seine Angestellten anmelden welche seit mehr als 25 Jahren wahrscheinlich keinen Euro Lohnsteuer (zumindest von Zanonis Gehalt) zahlen.
    Das rake und entry fee ist bereits in astronomischen Höhen aber die Spieler fallen immer noch auf die Knie und bedanken sich brav für die abzocke.

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  5. Das schlimmste ist die envelope, dass dealer an den ArbeitGEBER zahlen müssen, dass sie dort arbeiten „dürfen“ !!!
    Natürlich leben sie vom Trinkgeld, davon hat der Staat aber auch keine Lohnsteuer…
    Laut Gesetz müssen die CCCs 16% vom Einsatz zahlen, natürlich ungleich der casag, die haben dafür auch eine Glücksspiellizenz…

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  6. Ich verstehe nicht wie man für ein cardcasino arbeiten kann wenn man geringfügig angemeldet ist. Denkt keiner an die eigene Pension oder wenn man zwei Wochen krank ist und kein Trinkgeld machen kann?!? Als Spieler würde ich mich verarscht vorkommen wenn ich zusätzlich zur normalen Gebühr für ein Turnier noch dubiose highhands oder für Turnier bei denen ich nicht mitspiele Abgaben für den garantierten Preizepool bezahlen muss. Wo ist da die Transparenz bzw. was interessiert mich ein Preispool eines anderen Turniers? Ich verweigere schon seit langem Cardcasino. Spiele lieber bei Casinos Austria da weisst immer was passiert.

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  7. Soll zuspärn dass ganze! Auf der press sagte zanoni nur einige euro sei die rake! Das ich nicht lache. Millionen verdient an rake und keine steuern bezahlt. Der vaterstadt sollte ihm einsperrn.

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