- Politisches Machtwort: Premierminister Anutin hebt die Poker-Legalisierung seines Vorgängers mit sofortiger Wirkung auf.
- Glücksspiel bleibt tabu: Regierung stellt klar: Auch als „Sport“ bleibt Poker in Thailand verboten.
- Casino-Pläne gescheitert: Gesetzentwurf zur Legalisierung von Casino-Resorts wurde bereits im Sommer zurückgezogen.
Mit sofortiger Wirkung hat der thailändische Premierminister und Innenminister Anutin Charnvirakul die erst kürzlich erfolgte Legalisierung von Poker rückgängig gemacht. In einem am Mittwoch unterzeichneten Ministerialerlass hob Anutin die Verordnung Nr. 2253/2568 auf, die sein Vorgänger Phumtham Wechayachai am 30. Juli 2025 erlassen hatte.

Diese hatte das 67 Jahre alte Pokerverbot erstmals gelockert, allerdings nur für kurze Zeit. Die Entscheidung steht im Einklang mit Anutins Regierungserklärung vom 29. September, in der ein kompromissloser Kampf gegen alle Formen des Glücksspiels angekündigt wurde.
Politisches Tauziehen um das Glücksspiel
Der Poker-Erlass von Phumtham kam damals nicht zufällig. Nur einen Tag nach Inkrafttreten fand bereits ein Turnier statt. Kritiker warfen der Pheu-Thai-Partei vor, das Gesetz gezielt zugunsten der Event-Veranstalter gelockert zu haben.
Als Antwort trat die Bhumjaithai-Partei von Anutin aus der Koalition aus. Wenig später übernahm Anutin selbst die Regierung. Nun nutzt er die Machtfülle seines Amtes, um das Rad zurückzudrehen.
Auch eine geplante Legalisierung von Casino-Resorts, die in diesem Sommer noch diskutiert worden war, ist endgültig vom Tisch: Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde im Juli wieder zurückgezogen.
The Bhumjaithai-led government has reversed another regulation under the Pheu Thai-led administration by banning poker.
The earlier order, issued under the Pheu Thai government, had lifted a decades-old ban, allowing poker to be played as a sport under Thailand’s Gambling Act.… pic.twitter.com/de8Rq5215c
— Thai Enquirer (@ThaiEnquirer) October 22, 2025
Poker weiterhin kein Sport
Ein wichtiges Argument für die Poker-Liberalisierung war, das Spiel als Denksport zu deklarieren, also ähnlich wie Schach oder Bridge. Das Ministerium für Tourismus und Sport hatte sogar angedeutet, dass Poker unter Aufsicht einer offiziellen Sportorganisation reguliert werden könnte.
Für Anutin ist Poker trotz aller PR-Bemühungen aber schlicht eine Form des Glücksspiels. In seiner neuen Verordnung stellt er klar, dass die Regierung keinerlei Unterschiede zwischen Sport und Glücksspiel machen werde, wenn finanzielle Einsätze im Spiel sind.
Machtwechsel, Machtwort
Die aktuelle Entwicklung ist auch Ausdruck des politischen Machtkampfs zwischen zwei konkurrierenden Lagern. Die Pheu-Thai-Partei unter Paetongtarn Shinawatra hatte sich intensiv für eine kontrollierte Öffnung des Glücksspielmarkts eingesetzt.
Nach ihrer Absetzung durch das Verfassungsgericht im August und dem Rücktritt als Parteivorsitzende am Mittwoch ist klar: Der Reformkurs ist gestoppt, Anutin hat das Ruder fest in der Hand und setzt auf strikte Repression statt liberaler Öffnung.
Update vom 24.10.2025: In Thailand regt sich Widerstand gegen Poker-Verbot
Nur zwei Tage nach dem Ministerialerlass von Premierminister Anutin Charnvirakul zieht die Poker Association of Thailand die Notbremse. Am 24. Oktober kündigte Präsident Pol. Lt. Gen. Latsanya Piensampar die sofortige Einstellung sämtlicher Aktivitäten an. Darunter sind Trainingsprogramme für internationale Turniere, geplante Events sowie Gespräche mit potenziellen Partnern im Ausland.
Die Entscheidung sei unumgänglich, da weitere Maßnahmen nicht nur zu Festnahmen führen könnten, sondern auch das internationale Ansehen Thailands gefährden würden. Für den 27. Oktober ist eine außerordentliche Sitzung des Verbands angesetzt, um über die Zukunft des Sports zu beraten.
Wirtschaftliche Chance verspielt
Scharfe Worte kamen von Sorawong Thienthong, dem ehemaligen Tourismus- und Sportminister und jetzigen Generalsekretär der Pheu-Thai-Partei. Er warf der Regierung vor, kurzfristige politische Motive über langfristige wirtschaftliche Interessen zu stellen. Poker sei mittlerweile ein anerkanntes Strategiespiel, das, richtig reguliert, als Wachstumsmotor für den Tourismus fungieren könne.
Laut der Thailand Convention and Exhibition Bureau (TCEB) hätte allein ein großes Turnier mit 10.000 Teilnehmern über 1,4 Milliarden Baht (etwa 36,7 Millionen Euro) einbringen können. Mit dem plötzlichen Verbot drohe Thailand, im Wettbewerb um zahlungskräftige Touristen hinter Länder wie die Philippinen oder Südkorea zurückzufallen.
Internationale Anerkennung ignoriert
Sorawong erinnerte zudem daran, dass Poker seit 2024 von der International Mind Sports Association (IMSA) neben Schach, Go oder Bridge offiziell als „Denksport“ eingestuft ist. Die thailändische Sportbehörde SAT hatte Poker im Juli 2025 ebenfalls als Sportart anerkannt, unter der Auflage, dass bei offiziellen Turnieren keinerlei Geldspiele stattfinden dürfen.
Diese differenzierte Sichtweise wird nun durch Anutins pauschales Glücksspielverbot zunichtegemacht. Der Pheu-Thai-Politiker zeigte sich enttäuscht, dass die Regierung einerseits einen weitestgehend unregulierten Cannabismarkt dulde, andererseits aber ein potenziell einträgliches Sportevent blockiere.